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Danke für den Volkshaus-Einsatz

An gleicher Stelle wie beim Brand, aber aus viel schönerem Grund fand man sich jetzt erneut in Weißwasser zusammen.

Etwas mehr als 100 der an den Löscharbeiten Beteiligten fanden sich jetzt zu einer kleinen Dankeschön-Schaffe auf der Schnitterbrache ein. Stadträtin Karina Ott (FuW) verteilte Bratwurst, Frank Konietzky (Klartext) kühles Bier.
Etwas mehr als 100 der an den Löscharbeiten Beteiligten fanden sich jetzt zu einer kleinen Dankeschön-Schaffe auf der Schnitterbrache ein. Stadträtin Karina Ott (FuW) verteilte Bratwurst, Frank Konietzky (Klartext) kühles Bier. © Constanze Knappe

Schwer zu sagen, wie oft auf der Schnitterbrache in Weißwasser am Donnertagabend das Wort Danke zu hören war. Aber es lässt sich auch kaum in Worte fassen, was Einsatzkräfte aller Couleur an jenem 25. April geleistet haben. Beim Großfeuer am Volkshaus sorgten sie dafür, dass die angrenzenden Gebäude verschont blieben, niemand zu Schaden kam. Vor allem aber ist es ihnen zu danken, dass das Haupthaus noch steht. Wie sehr das Baureferatsleiterin Dorit Baumeister bewegt, war ihr anzumerken. Es ist nun mal ein bedeutsames Objekt der klassischen Moderne. Der durch den Brand in Schutt und Asche gelegte Festsaal sei nachträglich verändert worden, die bauliche Fassung der 50er-Jahre aber nicht minder wertvoll.

Sonntag 15.34 Uhr Einsatzbeginn

Der Weißwasseraner Feuerwehrchef Marcel Nestler, der die Einsatzleitung innehatte, ließ die Ereignisse jenes Sonntags noch einmal Revue passieren: Um 15.34 Uhr war die Feuerwehr alarmiert worden. Sehr schnell zeigte sich an Ort und Stelle, dass weitere Kräfte nötig waren. Feuerwehren der Umgebung wurden zusammengezogen, das Technische Hilfswerk (THW) angefordert. Mit Lasern eines speziellen Sicherungssystems aus Leipzig wurde die Einsatzstelle permanent überprüft. „Bei großen Schwingungen hätten wir die Kameraden sofort abziehen müssen“, erklärte Marcel Nestler.

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Später wurde mit Drohnenbildern von oben kontrolliert, wo sich mögliche Glutnester befinden. Denn wegen der Bühnenkonstruktion flammten die Feuer immer wieder auf. Um 21.15 Uhr war der Brand unter Kontrolle.„Feuer aus“ konnte die Feuerwehr aber erst am darauffolgenden Montag, dem 26. April, gegen 4.15 Uhr vermelden. Im Laufe des Vormittags war das THW mit der Sicherung der Fassadenreste des Saals fertig geworden. Die Brandwache der Feuerwehr blieb vorsichtshalber bis zum 27. April um 11.29 Uhr vor Ort.

Super-Zusammenarbeit

Der Einsatz dauerte 43 Stunden und 55 Minuten. Es waren 191 Einsatzkräfte im Einsatz: zwölf Feuerwehren mit 25 Fahrzeugen, das THW mit acht Ortsgruppen, zwei Rettungswagen, der DRK-Versorgungszug mit 13 Kameraden zur Verpflegung und medizinischen Betreuung sowie die Polizei. „Es war eine Super-Zusammenarbeit“, lobte Marcel Nestler. Unterstützung kam vom Landkreis, vom Bau- und Wirtschaftshof der Stadt und weiteren Helfern. Ihnen allen zu danken, hatte der Förderverein der Feuerwehr Weißwasser am Donnerstag auf die Schnitterbrache eingeladen. Bei Bratwurst und einem kühlen Bier war Gelegenheit, sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Gern würde man sich mal wiedersehen – nur eben nicht zu solch einem Anlass, sagte André Stickel vom THW Bautzen. Gleich mehrfach wurde das bestätigt.

Kurz nur kam Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) darauf zu sprechen, dass nach dem Volkshaus-Brand die Feuerwehr noch mehrfach an anderer Stelle gefordert war. Man wisse, wer die Jugendlichen sind und dass sie weiter zündeln werden. Aber wegen der Gesetzeslage sei es schwierig, dagegen vorzugehen, sagte er.

Ins Bewusstsein eingegraben

Dank der Feuerwehr und der anderen Einsatzkräfte steht das Haupthaus noch. Glück im Unglück! Darin sind sich OB Torsten Pötzsch, Wehrleiter Marcel Nestler, Fördervereinschef Jörg Lübben und die Baureferatsleiterin Dorit Baumeister (v.l.n.r.) einig.
Dank der Feuerwehr und der anderen Einsatzkräfte steht das Haupthaus noch. Glück im Unglück! Darin sind sich OB Torsten Pötzsch, Wehrleiter Marcel Nestler, Fördervereinschef Jörg Lübben und die Baureferatsleiterin Dorit Baumeister (v.l.n.r.) einig. © Constanze Knappe

So wie sich manche Ereignisse ins Gedächtnis des Einzelnen einbrennen, hat sich nach den Worten von Jörg Lübben jener 25. April „tief ins kollektive Bewusstsein der Stadt Weißwasser eingegraben“. Am 21. Dezember 1928 war der erste Bauabschnitt des Volkshauses übergeben, am 15. Oktober 1930 das Objekt so vollendet worden, wie es viele Weißwasseraner kannten und liebten, so der Vorsitzende des Fördervereins der städtischen Feuerwehr. Im Zuge des Wiederaufbaus werden viele Fragen zu beantworten sein. „Ich habe die Hoffnung, dass sich viele an der Diskussion beteiligen“, betonte Jörg Lübben.

So eine Diskussion wird in Gang kommen, davon ist die Baureferatsleiterin überzeigt. Ihren Start in Weißwasser hatte sie sich etwas anders vorgestellt. Einer der Gründe, hierher zu kommen, seien eben jene Objekte. Denn die sind für die studierte Architektin überaus reizvoll. Umso größer war der Schock, als das Volkshaus in Flammen stand. „Wie es jetzt aussieht, das tut weh“, sagte Dorit Baumeister. Nur allzu gut kann sie nachvollziehen, wie emotional das Ganze für die Bürger der Stadt ist. Es habe auch viele überregionale Beileidsanrufe im Rathaus gegeben. Das habe zu der Überzeugung geführt, „jetzt erst recht“ den Standort zu sichern. „Wir werden Wege finden. Es braucht ein würdiges Nutzungskonzept, das dem Gemeinwohl dient“, bekräftigte sie. Dorit Baumeister ließ aber auch durchblicken, dass ein wiederhergestelltes Volkshaus wohl kein Kulturhaus mehr so sein wird, wie es die älteren Weißwasseraner noch kennen.

Nicht sichtbare Schäden

In dieser Woche legte das von der Stadt beauftragte Büro das abschließende Schadensgutachten vor. Neben dem zerstörten Festsaal sind auch im Haupthaus erhebliche Schäden zu beklagen, „die man als Laie von außen gar nicht sieht“. Der Putz sei durch Rauch und Ruß verseucht, müsste runter und als Sondermüll entsorgt werden. Und wegen der Einsturzgefahr müssten weitere Abbrüche erfolgen.Für alle Maßnahmen der Gebäudesicherung müsste eine Ausschreibung gemacht und dem Versicherer müssten drei Angebote eingereicht werden. Zudem bedarf es auch der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung. Dorit Baumeister hofft, dass spätestens im Oktober das Objekt beräumt, von innen gesichert und auch die Straße wieder frei ist. „Dann wird der Kopf frei für die Gedanken über die Zukunft des Volkshauses“, sagte sie. Da würde sie „am liebsten schon jetzt mehr Kraft hineinstecken“. Auch, weil trotz des angerichteten Schadens das überregionale Interesse der Fachschaft an dem Objekt immer groß ist. „

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