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Dann schalten wir halt mal das Licht ab

Tageblatt-Mitarbeiter Frank Thümmler über das Wirken der Corona-Notbremse – ein Kommentar.

© Patrick Pleul/dpa

Ab heute ist die vom Bund beschlossene Corona-Notbremse im Landkreis Görlitz voll gezogen. Auf dass die Inzidenzzahlen kräftig sinken. Die Hoffnung, dass das gelingt, ist realistisch. Allerdings aus ganz anderen Gründen als mit dem Gesetz beabsichtigt.

Denn das Prinzip „Testen, testen, testen – und damit Infektionsketten erkennen und unterbrechen“ wird mit der Notbremse größtenteils über Bord geworfen. Die Tests der Schüler, Lehrer und Elternteile von Kita-Kindern (alle bislang zweimal pro Woche) fallen mit Schließung der Einrichtungen weg. Diejenigen, die sich zuletzt einen Einkauf im lokalen Handel mit einem Negativtest ermöglichten, werden wegen dessen Schließung auch nicht mehr kommen. In meiner Familie werden aus fünf Tests pro Woche einer (Arbeit). In „meinem“ Testcenter erzählten die Testerinnen, dass die Gruppe der Kita-Eltern die mit Abstand größte sei. Die vielen Testcenter werden mit Ziehen der Notbremse nun viel weniger Arbeit haben.

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Wir schalten das Licht im Dunkel der wahren Corona-Ausbreitung also erst einmal ab. Dabei hatte eine Auswertung im Kreis Bautzen ergeben, dass dort von rund 40.000 Tests immerhin gut 400 positiv waren – wohlgemerkt bei bis dahin meist symptomfreien Personen. Das eine Prozent in dieser „Stichprobe“ entspricht einer Inzidenz von 1.000! Und da ist noch nicht mal berücksichtigt, dass im Umfeld der positiv Getesteten bestimmt weitere Corona-Infizierte gefunden wurden. Das alles fällt jetzt überwiegend weg. Die gemessene Corona-Inzidenz wird allein wegen der drastisch wenigeren Tests sinken. Wenn Politiker das Sinken der Corona-Inzidenz in den nächsten Wochen auf das tolle Wirken der Notbremse zurückführen sollten, wäre das Augenwischerei. Spätestens wenn wir die Notbremse lösen und das Licht im Corona-Dunkel wieder anschalten, können wir alle nur hoffen.

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