merken
PLUS Weißwasser

Das Messer macht den Unterschied

Mit einer solchen Waffe im Rucksack ist ein Diebstahl nicht mehr als einfach zu werten. Das musste ein Nieskyer gestern vor dem Amtsgericht Weißwasser erfahren.

© dpa/David-Wolfgang Ebener

Weißwasser. Es ging nur um Kleinigkeiten, wie man landläufig meinen könnte. Und dennoch hatte sich ein Nieskyer gestern vor dem Amtsgericht in Weißwasser zu verantworten. Denn die Sache nahm eine unerwartete Wendung. In einem Einkaufszentrum seiner Heimatstadt gefiel dem Mann im März 2020 eine elektronische Türglocke. Statt diese zu bezahlen, steckte er sie jedoch einfach so in seinen Rucksack. Kurz darauf ließ er bei Edeka gegenüber ein Päckchen Kaffee mitgehen und, da seine Hose kaputt war, auch noch ein paar Druckknöpfe. Dabei wurde er erwischt. Das Fatale daran: Der Mann hatte in seinem Rucksack ein Schweizer Klappmesser. Und das zählt nun mal als Waffe. Damit aber nicht genug. Am 11. September 2020 steckte der Mann, der angeln gehen wollte, bei Obi in Niesky Angelhaken im Wert von 13 Euro ein. Auch die bezahlte er nicht.

Angeklagter wird vorgeführt

Vor einer Woche schon hätte sich der Beschuldigte T. nun vor dem Amtsgericht Weißwasser verantworten müssen. Dort hatte man sogar mehrere Stunden auf ihn gewartet. Vergebens, wie sich zeigte. Deshalb ließ ihn Richter Christoph Pietryka, der Direktor des Amtsgerichts Weißwasser, gestern Morgen von Polizeibeamten vorführen. Dem Beschuldigten wurde nun zweimal Diebstahl mit Waffen und dazu ein einfacher Diebstahl vorgeworfen.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Der Richter hielt dem Angeklagten zugute, dass er ein Geständnis abgelegt hatte. Der Nieskyer räumte die Taten zwar selber ein, sprach jedoch mit einer gewissen Belustigung von den Sachen, die „lachhaft sind“. Offenbar war er sich dabei seiner Lage nicht so ganz bewusst. Es handle sich sehr wohl um Straftaten, machte ihm der Amtsgerichtsdirektor klar. Zumal T. ein Messer dabei hatte. Zwar habe er das Messer nicht benutzt, aber die Tatsache, dass er diese Waffe im Rucksack mitführte, hätte ihn dazu verleiten können.„Weil das Messer nur dabei war“, ging der Staatsanwalt von einem minderschweren Fall eines Diebstahls mit Waffen aus. Er beantragte sechs Monate Freiheitsentzug für den Diebstahl der Türglocke, weitere sechs Monate Haft für den Diebstahl von Kaffee und Druckknöpfen sowie eine Geldstrafe in Höhe von 40 Tagessätzen für den einfachen Diebstahl des Angelzubehörs.

Vorstrafen hatten kaum Wirkung

Gegen den Angeklagten sprach seine Liste an Vorstrafen. Vor zwei Jahren hat er sogar schon einmal drei Monate im Gefängnis gesessen. Gebracht hat das aber offenbar nichts, da er wieder straffällig wurde. „Sie stehlen nicht, sie nehmen sich einfach, was sie brauchen. Und die Geschädigten sind die Dummen. Das ist die nächste Stufe“, erklärte ihm der Richter. Und das sei schlimm. Hinzu käme die hohe Rückfallhäufigkeit. Damit sei der Angeklagte in einen Bereich hineingerutscht, wo es keine Bewährung mehr gibt. Entsprechend fiel das Urteil aus: eine Gesamtfreiheitsstrafe von neun Monaten. Auch hat der Angeklagte die Kosten des Verfahrens zu tragen. Das Messer wurde eingezogen.

T., der mit einer Frau und zwei Kindern lebt, will mit ihr nach Dessau umziehen, wo die Eltern leben. Noch sei die Partnerin aber unschlüssig. Der Richter befand, dass der Angeklagte eine Therapie machen sollte. „Die beste Therapie wäre, arbeiten zu gehen. Tierwirt ist doch ein schöner Beruf“, gab er ihm auf den Weg. Es gebe auch Tierwirte mit Anhang. Ob er denn Geld für den Heimweg hätte, wollte Pietryka zum Schluss noch wissen, nicht dass er gleich wieder straffällig werde. Aber das hatte der Angeklagte nach eigener Aussage wohl. Das Urteil wird in einer Woche rechtskräftig. Bis dahin hat der Nieskyer noch Zeit, in Revision zu gehen. Dafür braucht er dann allerdings einen Anwalt.

Mehr zum Thema Weißwasser