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Die Leag will in Boxberg Müll verbrennen

Der Energiekonzern sieht darin ein Signal für den Standort- Ende 2022 soll es einen Probebetrieb geben.

Mit den Blöcken Q und R arbeiten die modernsten im Kraftwerk Boxberg – mit der längsten Betriebserlaubnis. Jetzt soll der Standort weiterentwickelt werden.
Mit den Blöcken Q und R arbeiten die modernsten im Kraftwerk Boxberg – mit der längsten Betriebserlaubnis. Jetzt soll der Standort weiterentwickelt werden. © Andreas Kirschke

Am Standort Boxberg betreibt die Lausitz Energie Kraftwerk AG (LE-K der Leag) ihre „modernste Flotte“ an Kraftwerksblöcken. Die Blöcke Q und R im Werk 4 haben beim Kohleausstieg die längste Betriebserlaubnis. Dennoch macht man sich auch bei der Leag längst Gedanken, wie es weitergeht. Etwa mit dem Projekt Max 4, was so viel heißt wie Mitverbrennungsanlage Kraftwerk Boxberg Werk 4. Am Montag wurde das Projekt im Gemeinderat Boxberg vorgestellt. „Es ist ein richtig gutes Zeichen und Signal, dass wir den Standort Boxberg weiterentwickeln“, so Kraftwerksleiter Carsten Marschner.

Neu ist diese Form der thermischen Verwertung von Abfällen nicht. Im Kraftwerk Jänschwalde wird sie seit 2005 praktiziert, in Schwarze Pumpe etwa seit der gleichen Zeit. In Boxberg hatte es bereits 1999 erste Versuche dazu gegeben. Wie zu vernehmen war, hätten Kommunen als öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger den Wunsch zur Mitverwertung von Abfällen in den Kraftwerken geäußert – um keine weiteren Müllverbrennungsanlagen bauen zu müssen. Christoph Tischer, Leiter Umweltschutz und Genehmigungsmanagement der Leag, verwies auf die fünfstufige Abfallbeseitigung in der EU. Diese mündet darin, dass alles, was man nicht trennen kann, thermisch verwertet werden soll: in Müll- oder Ersatzbrennstoffanlagen.

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Umweltschonende Entsorgung

Max 4 sei weder das eine noch das andere. Vielmehr geht es um die Verwertung aufbereiteter kommunaler Abfälle. Diese sind mineralischer oder biologischer Natur, Metalle oder Hygieneartikel. Sie werden grob zerkleinert, Metalle und Hartkunststoffe abgetrennt. Der Rest wird verdichtet und als Sekundärbrennstoff in geringer Dosierung der feuchten Kohle beigemischt. Damit leiste man einen Beitrag zur umweltschonenden Entsorgung, so der Leag-Vertreter. Zudem werde durch den biogenen Anteil der Sekundarrohstoffe bei der Verstromung CO2 eingespart.

Die Abfälle sollen aus einem Umkreis bis zu 300 Kilometern aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin zugeführt werden. „Das ist für Abfälle wenig. Papier und Schrott werden zur Verwertung über viel größere Distanzen durch ganz Europa transportiert“, so Christoph Tischer.

Bis zu 300.000 Tonnen kommunale Abfälle pro Jahr sollen im Kraftwerk Boxberg mitverbrannt werden. Dr. Thomas Brunne, der Umweltschutzbeauftragte der Leag, stellte technische Details der Anlage vor. Für Anlieferung und Lagerung wird eine neue Halle samt einer Entstaubungsanlage errichtet. Geplant sind ein massiver Betonbunker mit einer Kapazität für 10.000 Kubikmeter Abfälle und eine klassische Stahlhalle. Von dort erfolgt der Transport über die Kohlebänder in die Verbrennung. An vier parallelen Rampen erfolgt die Anlieferung. Dabei fahren die Lastkraftwagen rückwärts in die Halle; die Fahrzeuge werden entladen und gereinigt. Der gesamte Betrieb passiert bei geschlossenen Toren.

Für Max 4 gehe man von 18 Mitarbeitern aus. Die Anlieferung erfolgt zwischen 6 und 22 Uhr – mit täglich etwa 50 Lkw. Es könnten in Spitzenzeiten bis zu 90 am Tag sein. Für Wartezeiten werden Stellplätze auf dem Werksgelände zum Zwischenparken gebaut, so Dr. Thomas Brunne.

Probebetrieb Ende 2022 geplant

Bei einem Scoping-Termin am 22. Oktober wurde den Trägern öffentlicher Belange eine Kurzbeschreibung des Vorhabens mit möglichen Umweltauswirkungen vorgestellt, um den Umfang der Verträglichkeitsprüfungen abzustecken. Fachgutachten werden für Geruchs- und Schallschutz erforderlich. Ebenso für den Artenschutz. „Das 50-fache des Kühlturms ergibt acht Kilometer. In diesem Bereich wird alles geprüft, auch die Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt“, so Dr. Brunne. Dass es zu keiner Geruchsbelästigung kommen wird, werde man für Boxberg nachweisen. Das Brandschutzkonzept für die neue Halle beinhaltet, dass Wärmebildkameras ununterbrochen die gelagerten Stoffe prüfen.

Der Antrag auf Genehmigung für Max 4 soll 2021 eingereicht werden. Dann könne auch jedermann Einsicht in die Unterlagen nehmen. Sollte Corona bis dahin nicht überwunden sein, wird es eine Möglichkeit zur Online-Einsicht geben. Bei der Lausitz Energie Kraftwerk AG (LE-K) hofft man auf einen positiven Bescheid bis Ende 2021. Dann könnte Max 4 Ende 2022 in Probebetrieb gehen. „Das ist sehr ambitioniert. Aber das Kraftwerk hat bloß noch eine begrenzte Restlaufzeit. Die Zeit wollen wir nutzen. Es macht keinen Sinn, erst 2035 damit anzufangen“, betonte Tischer.

Weitere Ideen für den Industriestandort

Die Vertreter des Kraftwerks verwiesen auf weitere Geschäftsfelder, die man sich erschließen möchte. Zum Teil sind es bisher nur Ideen, aber auch schon „kleine Pflänzchen“. Man werde ein Energieunternehmen bleiben, etwa mit den Speicheranlagen in Jänschwalde. Für Boxberg sind erste Projekte als Industrie-Dienstleister angedacht. „Nur die Industrie kann Industriearbeitsplätze schaffen. Boxberg, Jänschwalde und Schwarze Pumpe sind nun mal die Industriestandorte der Lausitz. Wir wollen dafür sorgen, dass es keine Wende 2.0 gibt“, erklärte Christoph Tischer.

Wie der Nochtener Ortsvorsteher Mario Weier betonte, sei es gut, dass die Bürger beizeiten beteiligt werden. „Es ist wichtig, gerade die Nochtener mitzunehmen. Sie haben so schon mit den Belastungen aus Staub und Lärm zu leben, selbst wenn diese unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegen“, sagte er. Nach Aussage von Kraftwerksleiter Carsten Marschner habe man sich zum Beispiel „Gedanken gemacht, dass die Dosieranlage so weit wie möglich von der Betroffenheit entfernt ist“. Er versprach eine Informationsveranstaltung für die Bürger, „wenn die Planung etwas weiter fortgeschritten ist.“ Horst Jannack (Linke) verwies darauf, dass man seit Jahren eng mit der Leag zusammenarbeite und ebenso auf die schwierige Haushaltslage von Boxberg. „Wir hätten auch gerne eine Unterstützung für unsere Vereine wie Weißwasser und Rietschen“, sagte er.

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