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Die Roteichen am Wasserturm sind weg

Die Bäume mussten wegen ihres Zustands gefällt werden, heißt es von der Stadt Weißwasser. Dass Stadträte dies aus der Zeitung erfahren, wirft Fragen auf.

Von den etwa 110 Jahre alten Roteichen am Wasserturm blieben nur die Stümpfe übrig. Im Netz hagelt es jede Menge böse Kommentare. Dass das Vorhaben nicht ausreichend kommuniziert worden sei, kritisieren die Stadträte der AfD.
Von den etwa 110 Jahre alten Roteichen am Wasserturm blieben nur die Stümpfe übrig. Im Netz hagelt es jede Menge böse Kommentare. Dass das Vorhaben nicht ausreichend kommuniziert worden sei, kritisieren die Stadträte der AfD. © Joachim Rehle

Weißwasser. Die Roteichen am Wasserturm in Weißwasser sind gefällt. In der vorigen Woche hatten Mitarbeiter der Bautzener Firma Baumdienst Knorre die Kettensäge angesetzt. Übrig blieben Baumstümpfe, die zur Sicherheit aufgestellten weiß-roten Absperrbaken und – Trostlosigkeit. So jedenfalls empfinden es Einwohner der Stadt, wie aus Kommentaren in sozialen Netzwerken hervorgeht. Es sei ganz schrecklich, wie viele Bäume niedergemacht wurden, heißt es da. Oder auch, dass es nun einen Schattenplatz weniger gibt und, dass das einzigartige Flair genommen wurde...

Im Gegenzug ist auch von Veränderungen die Rede, die die Stadt beabsichtigt. Schließlich seien die Bäume ja nicht gefällt worden, damit sich alle aufregen können.

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Schon bei der Ankündigung der Fällaktion hatten sich die Meinungen im Netz geradezu überschlagen. Dass es sich dabei um ein äußerst sensibles Thema handelt, darüber war man sich im Rathaus im Klaren und hatte Anfang Februar bei einem Vor-Ort-Termin die Presse informiert. Der marode Springbrunnen am Wasserturm wird weggerissen und durch eine moderne Fontänenanlage ersetzt. In der Vorbereitung darauf waren die um 1910 gepflanzten Roteichen begutachtet worden. Das Urteil einer Sachverständigenfirma ließ für die Stadt nur den Schluss zu, die Bäume zu fällen. Als Ersatz für die Roteichen sollen im November Säulenbuchen gepflanzt werden – in der gleichen Anordnung, wie sie bisher bestand. Somit bilden auch die neuen Bäume eine Allee, werden als Sichtachse auf den Wasserturm ausgerichtet sein.

AfD vermutet Unrechtmäßigkeiten

Dass die Bäume nun weg sind, hat offenbar auch Stadträte überrascht. Der im vorigen Jahr gefasste Beschluss zur Neugestaltung des Areals am Wasserturm beinhaltet nach den Worten von Jens Glasewald „definitiv nicht, dass dafür die alten Bäume wegsollen“. Die AfD-Fraktion habe dies erst aus der Zeitung erfahren. Am Tag darauf habe man bei der Stadt beantragt, das externe Baumgutachten einsehen zu können. Bis heute gab es diese Möglichkeit nicht. Daher habe man Zweifel, ob alles rechtens zugegangen ist. „Den Stümpfen sieht man ja nicht an, ob die Bäume wirklich krank waren“, begründet Jens Glasewald.

Selbst nicht Mitglied im Bauausschuss hätten ihm jedoch andere Räte bestätigt, dass das Fällen der Bäume im Ausschuss kein Thema war. „Dass wir als Stadträte mehr über die Presse erfahren als in internen Sitzungen, das ist schon traurig“, setzt er seiner Kritik noch eins darauf. In einer Antwort aus dem Rathaus sei die Rede davon, dass der neue Brunnen durch die Wurzeln geschädigt werden könne oder umgekehrt die Wurzeln der Bäume bei den Erdarbeiten für den neuen Brunnen. Das lässt der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Stadtrat nicht gelten. In jeder Straße würden doch Bäume bei Tiefbauarbeiten geschützt. Die AfD kreidet der Verwaltung nun Zweierlei an: dass das Vorhaben im Vorfeld mit den Räten nicht kommuniziert und der Nachweis über die Notwendigkeit der Fällaktion bisher nicht erbracht wurde.

Der Bau der neuen Fontänenanlage sei ein positives Vorhaben, so Glasewald. Einblicke in das Baumgutachten hätte da für mehr Verständnis gesorgt. Aber die 110-jährigen Eichen einfach wegzumachen, das sei schon komisch – und nachfragenswert, heißt es vonseiten der AfD. Im Stadtrat am Mittwoch will man nachhaken.

Stadtrat Weißwasser am Mittwoch, 24.2., ab 16 Uhr in der Dreifelder-Turnhalle der Bruno-Bürgel-Oberschule, Lutherstraße 22. Wegen der Corona bedingten Vorgaben ist die Sitzung verkürzt und ohne Bürgerfragestunde.

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