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Ein Lächeln in trüben Zeiten

Die Schwimmerin strahlt wieder vom WBG-Giebel am Albert-Schweitzer-Ring in Weißwasser. Und das schöner denn je.

Auf strahlendem Blau und mit leuchtenden Augen zieht das schwimmende Mädchen an der Fassade Albert-Schweitzer-Ring 15 die Blicke magisch an.
Auf strahlendem Blau und mit leuchtenden Augen zieht das schwimmende Mädchen an der Fassade Albert-Schweitzer-Ring 15 die Blicke magisch an. © Joachim Rehle

Strahlendblau ist die Fassade am Albert-Schweitzer-Ring 15 in Weißwasser. Und mindestens genauso blau sind die Augen der jungen Dame, die scheinbar im kühlen Nass ihre Bahnen zieht. Ihr Anblick zaubert dem Betrachter ein Lächeln ins Gesicht. Zweifellos nötig in diesen Zeiten – mit dem allgegenwärtigen „Gau in Grau“ des Novembers; sprich: der bedrückenden Stimmung des zweiten Corona-Lockdowns.

Reichlich vier Wochen war die Fassade an den Fünfgeschossern der Wohnungsbaugesellschaft mbH Weißwasser (WBG) eingerüstet. Jetzt fielen die Hüllen. Thomas Strauss von der Künstler-GmbH Strauss und Hillegaart aus Cottbus schnitt selbst die Planen ab.

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Das schwimmende Mädchen war 1999 das erste Auftragswerk der WBG an die Fassadenkünstler. Seinerzeit mit dem Anspruch, ein Motiv mit einer direkten Assoziation zum Städtenamen zu finden. Klares Wasser = Weißwasser, war die gedankliche Verbindung. Und so schwamm an dem einen Giebel am Albert-Schweitzer-Ring ein Mädchen in tiefblauem Wasser, wie man es von den schönsten Stränden dieser Erde kennt, während am Nachbargiebel das Wasser vor sich hin plätscherte. Ebenso tiefblau und ebenso klar. Bis heute bezeichnen Thomas Strauss und Markus Hillegaart die Fassadengestaltung als ihre Königsdisziplin, findet man das Motiv des schwimmenden Mädchens in Weißwasser als eines der Referenzobjekte auf ihrer Website.

Fassadenkünstler Thomas Strauss enthüllt selber das Wandbild. Durch neue Farben in unzähligen Nuancen wirkt die Darstellung jetzt viel natürlicher.
Fassadenkünstler Thomas Strauss enthüllt selber das Wandbild. Durch neue Farben in unzähligen Nuancen wirkt die Darstellung jetzt viel natürlicher. © Joachim Rehle

Dass der Schwimmerin noch weitere Bilder folgen würden, war bei den ersten Absprachen Ende der Neunziger Jahre bestenfalls zu ahnen. Inzwischen gesellten sich noch etliche Sportler hinzu wie etwa der Fußballer (Muskauer Straße) und die Tänzerin (Boulevard). Nicht zu vergessen der überlebensgroße Eishockeyspieler. Er befindet sich seit 2017 an einer Fassade am Prof.-Wagenfeld-Ring und damit direkt gegenüber der Eisarena. Als Botschafter der Region, wie ihn WBG-Geschäftsführerin Petra Sczesny einst bezeichnete, steht er gleichsam für „Hockeytown“, wie sich die Glasmacherstadt auch selber gerne nennt.

Das schwimmende Mädchen war beim ersten Mal mit Farbrolle, Pinseln und Hubsteiger auf die Fassade aufgebracht worden. Doch nach 20 Jahren waren die Farben verblasst, brauchte die Schwimmerin eine Schönheitskur.

In feinsten Nuancen gesprüht

Das Bild wurde aber nicht einfach nur so überpinselt. Abgesehen davon, dass nun der Städtename in Großbuchstaben an der Fassade prangt, kam diesmal auch eine andere Technik zum Einsatz, wurden Schablonen gefertigt und die Farbe mit Pistolen aufgesprüht. Allein in den Haaren des 3,50 Meter hohen Kopfes finden sich unzählige Farbtöne von Rosa über Grün bis Blau wieder. Jede Nuance wird vorher gemischt und in einzelne Sprühpistolen abgefüllt. Im Ergebnis wirkt alles viel natürlicher. Die jetzt verwendeten Farben leuchten nicht nur viel mehr, sie halten auch viel länger.

Über die Kosten wollte sich die WBG-Chefin nicht äußern. Es sei nicht ganz einfach gewesen, dass Vorhaben in den Planungen einzuordnen, zumal die Refinanzierung nicht gegeben ist. Man könne ja die Ausgaben dafür nicht einfach auf die Mieter umlegen. Für die Überarbeitung des Wandbilds an der 17 Meter hohen Fassade war eine besondere Einrüstung mit Überdachung, Planen und Treppen erforderlich. Erst das Entgegenkommen der Gerüstbaufirma Bielß aus Bischdorf habe die Umsetzung ermöglicht. Dafür möchte sich die Petra Sczesny ausdrücklich bedanken.

Parallel zur Fassadengestaltung wurde gleich noch der Durchgang vom Albert-Schweitzer-Ring zur Hermann-Moritz-Jacobi-Straße in Ordnung gebracht. Die Fassade dort war so vollgeschmiert, dass es aussah wie in manchen (unansehnlichen) Ecken von Berlin. „Solche Hauptstadtverhältnisse brauchen wir hier nicht“, findet Petra Sczesny. „Wenn sich jemand ausprobieren will, der kann sich melden, wir finden eine Fläche“, sagte sie.

Die Enthüllung der neugestalteten Fassade hätte zu kaum einem anderen Zeitpunkt besser gepasst. „Die Corona-Herausforderungen verlangen von allen – vom Unternehmen, den Mietern und den an den Vorhaben der WBG beteiligten Baufirmen – die doppelte Kraft ab“, erklärte Petra Sczesny. Ihr viertägiger Kurzurlaub in den Harz sei wegen der Corona-Beschränkungen gestrichen. Doch es wäre ohnehin schwierig gewesen, wegzubleiben. Angesichts der wegen vieler Langzeitkranker angespannten personellen Situation werde dem Team viel abverlangt.

Nach den neuen Corona-Allgemeinverfügungen des Landkreises arbeitet die Geschäftsstelle der WBG in Weißwasser wie im ersten Lockdown eingeschränkt. Soll heißen, dass persönliche Vorsprachen nur in dringenden Fällen erfolgen sollen. Für telefonische und Mail-Kontakte wurde der Service-Bereich erweitert. Die Gästewohnungen der WBG waren ausgebucht. Allen Nutzern muss nun abgesagt werden.

Am Dienstag kein Tag der offenen Tür

Der Umbau des Plattenbaus in der Humboldtstraße 2 bis 6 in Weißwasser läuft planmäßig. Ein Großteil der Arbeiten soll bis Ende des Jahres geschafft sein. Wegen des großen Interesses an dem Vorhaben wollte die WBG am 3. November einen Einblick in ihr neues Stadthaus gewähren. Bei einem Tag der offenen Tür von 15 bis 17 Uhr. Doch daraus wird morgen nichts. „Die Umstände erlauben es nicht, die Veranstaltung mit ruhigem Gewissen stattfinden zu lassen“, begründete Petra Sczesny. Doch aufgeschoben sei ja bekanntlich nicht aufgehoben. Sie stellte in Aussicht, den Tag der offenen Tür im Dezember nachzuholen. Auch im Januar biete sich noch ein Stück weit die Möglichkeit dazu.Ebenfalls wegen Corona gestrichen ist die für den 7. November geplante Aktion „Weißwasser räumt (weiter) auf“. Dabei sollte mit Unterstützung vieler Bürger der Tierpark von Laub befreit und ander

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