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Eiszeit auch im Sommer?

Grundsätzlich ja, sagt der Stadtrat Weißwasser – und knüpft an den Sommerbetrieb in der Eisarena eine Bedingung.

Der Eissportverein Weißwasser (ESW) betreibt eine engagierte Nachwuchsarbeit. Doch wegen der Corona-Pandemie mussten viele Trainingsstunden in der Eisarena Weißwasser ausfallen. Ein Teil davon soll auf Sommereis nachgeholt werden.
Der Eissportverein Weißwasser (ESW) betreibt eine engagierte Nachwuchsarbeit. Doch wegen der Corona-Pandemie mussten viele Trainingsstunden in der Eisarena Weißwasser ausfallen. Ein Teil davon soll auf Sommereis nachgeholt werden. © Archivfoto: Joachim Rehle

Wenn nach einer (hoffentlich) erfolgreichen Saison die Profis des Eishockey-Clubs Lausitzer Füchse Schläger und Stiefel beiseitelegen, beginnt in der Eisarena Weißwasser eigentlich die Sommerpause. Die wird zum Abtauen des Eises, für Wartungsarbeiten und die erneute Eisherstellung gebraucht – alles in allem acht Wochen lang. In der übrigen Zeit, in der die mit vielen Fördermitteln für den Nachwuchs und den Breitensport gebaute Eisarena leer steht, würde sie der Eissport Weißwasser e. V. (ESW) gern nutzen. Der Amateursportverein möchte Trainingsstunden und die so wichtigen Sichtungskurse nach jungen Talenten im Kita-Alter nachholen, die wegen Corona allesamt ausfallen mussten. Mit Schreiben vom 29. Dezember 2020 beantragte der ESW deshalb die Bereitstellung von Sommereis. Und zwar ab 1. Juni 2021. Begründet wird dieser Termin damit, dass der Deutsche Eishockeybund und der Sächsische Eislaufverband bereits am 31. Juli mit dem Spielbetrieb der Saison 2021/22 starten wollen. Darauf möchte der ESW vorbereitet sein.

Neu ist die vorzeitige Eisaufbereitung nicht. Im Vorjahr hatte man lange darum gerungen. Im Rathaus wurde „mit spitzem Stift“ gerechnet, dennoch war es der Stadt in der Haushaltskonsolidierung nicht möglich, die Mehrkosten zu tragen. Zwar bemühten sich EHC, ESW und andere Partner um zusätzliche Einnahmequellen, dem machte Corona jedoch einen dicken Strich durch die Rechnung. Jetzt steht die Stadt Weißwasser erneut vor der Frage, wie der Wunsch nach Eiszeit im Sommer zu finanzieren sei. Am Mittwoch hatte sich der Stadtrat damit zu befassen, ob es Sommereis geben wird und wenn ja, wann.

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Mehrkosten müssen gedeckt sein

Im Vorfeld hatte sich die AG Eisarena der Stadtverwaltung mit dem ESW-Vereinsvorsitzenden Bernard Stefan sowie dem ehemaligen Profi und jetzigen Trainer André Mücke getroffen. Dabei kam man überein, dass die Stadt die Kosten für das Sommereis ermittelt und im Gegenzug der Verein seinen finanziellen Anteil zuarbeitet. Aus einer daraus zusammengestellten Tabelle ist ersichtlich, dass für eine Nutzung über 37 Tage ab dem 17. Juli Kosten von 79.336 Euro entstehen, die nach Abzug der geschätzten Einnahmen ein Defizit von 59.169 Euro ergeben würden. Bezogen auf den vom ESW gewünschten 1. Juni sind für die Nutzung von 83 Tagen Sommereis Kosten von 178.832 Euro veranschlagt, die zu einem Defizit von 132.219 Euro führen würden.

Erschwert wurde den Räten die Entscheidung, da sich die Stadt Weißwasser noch immer in der Haushaltskonsolidierung befindet. Zu gut Deutsch: Sommereis ist nur möglich, wenn die Betreibung kostendeckend erfolgt. Darauf hat die Kommunalaufsicht ein Auge. „Ohne diese 100-prozentige Kostendeckung oder eine entsprechende Gegenfinanzierung ist der Beschluss nicht rechtsfähig, da nicht gegen das Haushaltsrecht verstoßen werden darf“, erklärte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Wie die Mehrkosten ausgeglichen werden könnten, dafür gebe es mehrere Ansätze, sagte er.Eisarena-Leiter Milton Tauche sprach von einer Grobkalkulation, die den Räten vorgelegen hätte, inzwischen aber in mehreren Punkten verfeinert wurde. Er verwies auf die positiven Reaktionen, die es auf die Anfrage bei Vereinen und potenziellen Nutzern nach ihrem Interesse für Sommereis gab. So könnten Einnahmen verbessert und Ausgaben verringert werden.

Der ESW hatte gleich mehrere Sachen zu bemängeln, etwa die angesetzten Heizkosten. Zudem dürften weder die allgemeinen Kosten zur Unterhaltung baulicher Anlagen einbezogen werden noch die Personalkosten für den Leiter der Eisarena. Für ESW-Schatzmeister Steffen Kluske ergibt sich nach Berücksichtigung von alldem ein Defizit unter 30.000 Euro bei einer Nutzung ab dem 1. Juli. „Das stellt sich aus meiner Sicht schon ganz anders dar“, sagte er.

Man sei sowieso im Nachteil gegenüber den Vereinen in den großen Städten, mit denen man sich in einer Liga bewege, die aber immer Eis zur Verfügung haben, erklärte ESW-Chef Bernard Stefan. Zudem sei durch die Pandemie viel Trainingszeit für den Nachwuchs verloren gegangen. Dennoch hielten Mitglieder und Eltern zur Stange und bezahlten ihre Beiträge weiter.

Es gebe viele Gedanken, was der Verein selber tun könne, um das Defizit der Sommereisnutzung abzubauen. Gerne würde man andere Vereine zu Sommerlagern einladen. „Doch ohne Hallenpersonal am Wochenende ist es schwer, zusätzliche Einnahmen zu erzielen“, sagte er. Wie es mit den Sponsoren weitergeht, dazu werde man sich erst im Februar verständigen. „Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben wird sich nicht ganz schließen lassen. Dass die Kommunalaufsicht das fordert, kann ich nicht verstehen“, so Bernard Stefan. Man könne nur gemeinsam dafür sorgen, „die Schere so gering wie möglich zu halten“.

Endgültige Entscheidung im März

Das Für und Wider der vorzeitigen Eisbereitung habe man lange abgewogen, sagte Andreas Kaulfuß (CDU). „Wir sind alle für das Sommereis“, erklärte er im Namen der CDU/SPD-Fraktion. Das Defizit könnte mit den Spendengeldern der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) minimiert werden. Die würden zwar sonst an viele Vereine verteilt, aber da wegen Corona kaum etwas stattfand und auch nicht gefeiert wurde, sei der Bedarf sicher nicht so groß. „Wir sind uns bewusst, dass es dazu auch gegenteilige Meinungen geben wird, in der Art, dass der Eissport die heilige Kuh ist, aber wir stehen dazu“, so Andreas Kaulfuß.

Wegen der vielen Unklarheiten bezeichnete Herrmann Holdt (AfD) die Beschlussvorlage als „wertlos“. Man solle im März definitiv entscheiden. Dann könne man auch gleich über den Vorschlag zur Verwendung der Leag-Spende abstimmen.

Nach den Worten von Andreas Friebel (Klartext) stecke man in einer Zwickmühle. Man habe zum einen „Bauchschmerzen mit der Kalkulation“, müsse aber zum anderen in der Pandemielage dem Verein und dem Eissport helfen. Er schlug als Kompromiss vor, einen Grundsatzbeschluss zu fassen und Ende März, wenn die Zahlen belastbarer sind, endgültig zu entscheiden. Nach kurzer Auszeit einigten sich die Räte mit einer Enthaltung auf das Sommereis – unter der Maßgabe, dass die Mehrkosten durch Einnahmen auszugleichen sind. Der endgültige Beschluss wird im März gefasst.

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