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Forstarbeiten hinterlassen Spuren

Bei Sachsenforst gibt es durch Waldumbau und Holzernte viel Arbeit. Auch in den Wäldern um Weißwasser. Die Folgen ärgern Spaziergänger.

Von Sabine Larbig
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Durch Waldbewirtschaftung zerfahrene Wege im Hermannsdorfer Revier.
Durch Waldbewirtschaftung zerfahrene Wege im Hermannsdorfer Revier. ©  privat

Der Braunsteich, umliegende Wanderwege und Wälder sind nicht nur bei Weißwaseranern längst ganzjährig beliebte Ausflugsziele. Hier finden Urlauber und Einheimische nämlich Ruhe und Erholung, Naturerlebnisse und intakte Umwelt. Auch durch Naturschutzgebiete. Gerne in den Wäldern an der Stadtgrenze unterwegs ist Angelika Nickel aus Weißwasser. „Die Lausitz und die Region um Weißwasser bezaubern durch ihre landschaftlichen Reize, ihre Wälder und Seen und selbst durch die rekultivierten Landstriche. Ich kann gar nicht genug davon bekommen und möchte, dass das so bleibt“, bekennt die Heimat- und Naturliebhaberin.

Geschockt vom Zustand im Wald

Doch als sie kürzlich wieder durch den Wald bei Weißwasser spazierte, fand sie nicht, wie sonst, die erhoffte Erholung. Als sie den „liebgewonnenen Wald“ sah, erzählt sie, sei ihr angesichts zerfahrener und durchgepflügter Wege durch schwere Forstmaschinen „zum Heulen zumute“ gewesen. „Ich habe so eine Zerstörung noch nie gesehen, mir fehlen die Worte“, schreibt Angelika Nickel in einem Brief an die TAGEBLATT-Redaktion und den Staatsbetrieb Sachsenforst. An beide wandte sie sich, um Antworten zum Warum zu erhalten und weil sie die Aussage „Das wächst doch wieder“ eines von ihr angesprochenen Forstarbeiters aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz als Zynismus empfand. Angelika Nickel beteuert, dass sie „die Waldnutzung durch ihre Besitzer“ respektiere. „Aber was hier und im Hermannsdorfer Revier angerichtet wurde, hat meiner Meinung nach nichts mit schonender Bewirtschaftung zu tun“, kritisiert sie.

Sachsenforst behebt Schäden

Dass in dem genannten Waldbereich planmäßige Holzeinschlagsmaßnahmen in Form von Durchforstungen und Erntenutzungen durchgeführt wurden, bestätigt der Staatsbetrieb Sachsenforst auf TAGEBLATT-Nachfrage. Christin Gädigk, Sachbearbeiterin Öffentlichkeitsarbeit, Waldpädagogik und Marketing erklärt ebenfalls, dass es sich bei den Erntenutzungen um sogenannte Schirmhiebe handelt, bei denen Bestände weit aufgelichtet werden, um erforderliche Wuchsbedingungen für die folgende Baumgeneration zu schaffen.

„Aktuell noch von der Gemeinen Kiefer dominiert, soll in Zukunft ein Laubmischwald in bestimmten Teilbereichen entstehen, welcher nicht nur vielen Tieren als Lebensgrundlage dienen, sondern auch viele Erholungssuchende erfreuen wird“, begründet die Sachsenforst-Sprecherin die Arbeiten. Die basieren auf einer seit 2017 geltenden Forsteinrichtungsplanung. Dass bei den Forstarbeiten auch Wege und andere Bereiche genutzt werden müssten, sei unumgänglich. „Aber selbstverständlich werden sie nach Beendigung der Einschlagsmaßnahme einschließlich der vollzogenen Holzabfuhr wieder instand gesetzt.“ Laut Gädigk erfolge dies in der Verantwortung des Waldbesitzers und im angesprochenen Fall durch den Forstbezirk Oberlausitz des Staatsbetriebes Sachsenforst. „Wir gehen davon aus, dass die Maßnahme im Februar oder März 2022 ihren Abschluss findet“, teilt sie weiter mit. Doch gegen den Vorwurf der Zerstörung beziehungsweise Verwüstung“ verwahre sich Sachsenforst. „Diese Einschätzung lehnen wir vehement ab.“ Denn die zum Einsatz gekommene Einschlags- und Rücketechnik, so die Begründung, sei forstüblich und entspreche allen Anforderungen für einen bodenschonenden Einsatz im Landeswald. „Selbstverständlich ist es uns bewusst, dass infolge der anfallenden Hiebsmenge und konzentrierten Befahrung die Maschinen- und Abfuhrwege stark beansprucht werden. Daher ist es für uns auch selbstverständlich, diese – da wo Schäden entstanden sind – wieder zu beheben.“

Waldumbau hat begonnen

Wie die Sachsenforst-Sprecherin weiter informiert, handele es sich beim durchgeführten Holzeinschlag bereits um die begonnene sogenannte Verjüngung mit dem Ziel des Waldumbaus. Durch die Auflichtung im Oberbestand des vor allem aus heimischen Laubbaumarten bestehenden Waldes bekämen Pflanzen mehr Licht und Nährstoffe, um zu wachsen. Grundsätzlich geht es dabei darum, „dass die Natur selber den zukünftigen Wald wachsen“ lasse. Würde jedoch beobachtet, dass freie Stellen entstünden, werde in solchen Bereichen nachgeholfen. Beispielsweise durch gezielte Pflanzungen von Traubeneichen.

Dass die aktuellen Schäden im Hermannsdorfer Revier nur zeitweilig sind und beseitigt werden, freut Angelika Nickel. „Ich lebe in einer Region, wo sich nach dem Ende des Braunkohleabbaus die brennende Frage stellt, in welche Richtung soll es in Zukunft gehen: Wirtschaft oder Tourismus?“, sagt sie. Um der Region ihre landschaftlichen Reize, Wälder und Wanderwege zu erhalten, hoffe sie, dass alle Waldbesitzer gemäß ihres Leitbildes handeln und „bei der Waldbewirtschaftung behutsam mit Wald und Boden“ umgehen.

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