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Friedlicher Autokorso am Freitag in Weißwasser

Die Bürger verliehen ihrem Unmut gegen Corona-Regeln und die Folgen per Hupkonzert laut Ausdruck.

© Sabine Larbig

Weißwasser. Wieder hatte Weißwassers AfD-Stadtrat Hermann Holdt die Werbetrommel für die Teilnahme am Korso gerührt, nach dem Erfolg in der Vorwoche sogar 80 statt 60 Autos angemeldet und die erforderliche Genehmigung eingeholt. „Mal sehen, ob bei dem Wetter so viele kommen“, meint er gegen 17.30 Uhr. Da ist der Markt noch fast leer. Etwas später ist das Bild anders – der Parkplatz ist voll.

Ein Dank an die Polizei

„Wir bedanken uns bei der Polizei für die Unterstützung“, gibt Holdt per Megafon bekannt. Nach ein paar Informationen zu Streckenverlauf und Verhaltensregeln setzt sich die von mehreren Polizeiautos begleitete Kolonne pünktlich um 18 Uhr mit Hupkonzert in Bewegung.

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Unter den Teilnehmern der Protestfahrt gegen den verlängerten Lockdown sind die Eltern von 13- und 15-jährigen Schülern. „Wir machen mit, weil es uns auch um die Kinder geht. Unsere sind an der Oberschule, wissen nicht, wann es wieder Unterricht gibt. Wir fragen uns, wie bei monatelanger Schulschließung verlorener Stoff nachgeholt werden kann, Bewertungen und Zeugnisse möglich sein sollen?“, meint die besorgte Mutter.

Unlogisch sei für sie auch, warum in Einkaufsmärkten 250 Kunden gleichzeitig sein dürften, kleine Läden aber schließen müssen, obwohl sie viel Geld in Hygiene und Schutzmaßnahmen investierten. „Die müssen zusehen, wie sie überleben. Das ist ungerecht!“

100 % Fixkosten, 0 Umsatz, 0 Hilfe

Wie sehr Unternehmensschließungen und ihre Folgen die Menschen beschäftigten, zeigt ein Auto-Transparent. Darauf steht: „Seit 16. Dezember 2020 geschlossen. 100 Prozent Fixkosten. Null Prozent Staatshilfen. Null Umsatz.“ Auch Andreas Kaulfuß treibt die Sorgen um die Existenz, die Zukunft seines Gartencenters und seiner in Kurzarbeit befindlichen Mitarbeiter um. Vor allem, seit bekannt ist, dass Lockerungen auf Grund neu festgelegter Inzidenzzahlen für (Einzel)Handel und Gastronomie noch lange nicht in Sicht sind. Kaulfuß betont, kein Sympathisant der AfD zu sein. „Als Privatperson und Unternehmer nehme ich aber am Korso teil, weil ich die Meinung vertrete, dass es mit den Corona-Einschränkungen so nicht weiter gehen kann.“ Dank des Wintereinbruchs habe er durch Schneeschieber & Co. wenigstens ein paar Kunden und Einnahmen. Doch das sei auch alles. „Und an das Ostergeschäft glauben ich und viele Geschäftsleute in der Stadt schon lange nicht mehr.“

Inzwischen von wochenlanger Kurzarbeit betroffen ist auch die Mitarbeiterin einer Spielothek. „Wie soll man mit Kurzarbeitergeld so lange und noch länger überleben? Ich will außerdem endlich wieder arbeiten, mich mit Freunden treffen oder in eine Gaststätte gehen können.“ Sie und ihr Mann machen sich zudem Gedanken über das Vereinsleben. „Hoffentlich überleben die Vereine und unser Sportverein, der uns sehr fehlt.“

Trotz berechtigter Ängste der Menschen fühlen sich andere durch den Autokorso und verbundene Einschränkungen im Straßenverkehr genervt und behindert, wie Äußerungen in sozialen Medien zeigen. Doch die Korsoteilnehmer lassen sich nicht entmutigen, wollen sich nächsten Freitag an selber Stelle und Uhrzeit wieder treffen. „Sicher fällt es in Berlin und Dresden nicht auf, wenn in Weißwasser 80 oder 100 Autos einen Protestkorso fahren. Wenn es aber überall so ist, muss man sich Gedanken über Zeitpläne und Lockerungen machen“, begründet ein Teilnehmer.

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