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Füchse spielen nicht in einer weeEisarena

Die Auswirkungen der finanziellen Probleme des Cashback-Unternehmens bleiben anders als in Bad Tölz wohl überschaubar.

Über dem Eingang zur Eisarena in Weißwasser prangen die wichtigsten Sponsoren. Das rote „W“ oder der Schriftzug „weeEisarena“ fehlen nach wie vor.
Über dem Eingang zur Eisarena in Weißwasser prangen die wichtigsten Sponsoren. Das rote „W“ oder der Schriftzug „weeEisarena“ fehlen nach wie vor. © Joachim Rehle

Beim Eishockey-Zweitligisten Tölzer Löwen sind die Sorgen derzeit riesengroß. Die Absicherung des Spielbetriebes über diese Saison hinaus ist in Gefahr. Es gibt Probleme mit dem Hauptsponsor wee, dessen Gründer Cengiz Ehliz in Bad Tölz geboren ist und der laut Süddeutscher Zeitung mit insgesamt rund einer Million Euro für diese und die kommende Saison der wichtigste Geldgeber für den Club ist. In dieser Saison sollen aber erst 20.000 Euro geflossen sein, noch 450.000 Euro fehlen. Die weeBusiness GmbH, ein Teil der weeGroup, hatte im Dezember Insolvenz angemeldet. Und wee steht auch mit dem Eishockey in Weißwasser in Verbindung, als Werbepartner der Lausitzer Füchse – unter anderem prangt das rote „w“ auf den Trikots – und als (vermeintlicher) Namensgeber der Eisarena. Schwappen die Bad Tölzer Probleme jetzt auch nach Weißwasser über?

Füchse von wee weniger abhängig

Dirk Rohrbach, Geschäftsführer des EHC „Lausitzer Füchse“ Spielbetriebs GmbH, gibt Entwarnung: „Unsere Situation ist mit der in Bad Tölz nicht vergleichbar. Während wee in Bad Tölz einen erheblichen Teil des Etats als Sponsor abdeckt, sicherlich rund die Hälfte der Sponsoringeinnahmen beiträgt, ist das bei uns viel weniger, vielleicht drei bis vier Prozent.“ Die Abhängigkeit von diesem Sponsor ist damit erheblich kleiner als beim oberbayrischen Zweitligisten, wo sich nach Uneinigkeit über den Umgang mit dem Hauptsponsor die Wege des Clubs und des Geschäftsführers Christian Donbeck trennten.

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Außerdem, so Rohrbach weiter, habe man in Weißwasser einen Vertrag mit der in der Schweiz ansässigen wee AG, nicht mit der insolventen GmbH. Für die vergangene Saison sei das vereinbarte Geld zum Großteil geflossen, in dieser Saison habe die besondere Situation mit der Pandemie dazu geführt, dass die „Zahlungsmodalitäten neu besprochen“ werden mussten, wie sich der Geschäftsführer ausdrückt.

Dass wee als Cashback-System in Zeiten von den Corona-Lockdowns in Deutschland und ganz Europa besonders betroffen ist, ist leicht nachvollziehbar. Die Geschäftsidee: Für jeden über wee bei einem Partner getätigten Einkauf – ob online oder lokal vor Ort – gibt es Geld zurück. Bei wee kann man sich das auszahlen lassen, es beim nächsten Einkauf bei einem wee-Partner zum Bezahlen nutzen oder es für einen guten Zweck spenden. Je mehr Partner mitmachen, desto attraktiver für die wee-Kunden und auch wieder für die Partner, die sich ein Umsatzplus erhoffen. Leidet der Handel wie schon seit Monaten in der Pandemie, leidet auch die wee-Geschäftsidee.

Vollmundige Versprechen von wee

Die Schweizer wee-Group wollte 2019 ihre Geschäftsidee mit Hilfe der Lausitzer Füchse in der Lausitz populärer machen, titelte in einer Sonderveröffentlichung der Sächsischen Zeitung vollmundig: „weeEisarena wird neuer Leuchtturm in der Europastrategie der Schweizer“ und führte im Text aus: „Vom strategischen „Win-Win-Win“ profitieren alle beteiligten Partner – die Stadt überträgt die Namensrechte der städtischen EisArena an wee für einen sechsstelligen Eurobetrag über die Laufzeit des Engagements. Die Heimstätte der Lausitzer Füchse wird zu einem technologischen Vorzeigeobjekt mit internationaler Ausprägung und dabei gibt es für den DEL2-Club noch ein zusätzliches Sponsoring im unteren sechsstelligen Bereich. Die weeConomy AG erhält für die erfolgreiche Einführung ihres Loyalty-Programms in einer Region die volle Unterstützung aller relevanten Partner.“

Stadt hat noch kein Geld erhalten

Nur: mit dem Namen „weeEisarena“ oder dem technologischen Vorzeigeobjekt (Kassensystem) wurde es bis heute nichts; weder vor der Pandemie, erst recht nicht seit deren Ausbruch. Auch wenn die Lausitzer Füchse ihn immer wieder benutzen. „Das ist ein nettes Entgegenkommen an unseren Sponsor“, sagt Geschäftsführer Dirk Rohbach. Dazu fehlt bis heute schlichtweg der Vertrag zwischen der Stadt Weißwasser, die auch wettbewerbsrechtliche Vorschriften beachten muss, und „wee“. Deshalb ist bislang auch kein Geld von wee an die Stadt Weißwasser geflossen, mit dem die Betriebskosten der Eisarena gedrückt werden sollten.

„Wir sind deshalb auch über diese Namensverwendung der Füchse nicht besonders glücklich. Das Eisstadion heißt nach wie vor Eisarena Weißwasser“, sagt Stadtsprecher Wulf Stibenz. Der Stadtrat hat zwar die Vergabe der Namensrechte an der Eisarena an die Unternehmensgruppe „wee“ gegen ein Entgelt beschlossen, und daraufhin haben Stadt und wee über die Vertragsgestaltung verhandelt. Aber diese Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen, über den Inhalt dürfe öffentlich nicht informiert werden. „Es hat immer wieder Gespräche und die Zusendung der jeweils überarbeiteten Vertragsentwürfe gegeben. Ziel ist es, sich ins Benehmen zu setzen, sobald es die Pandemielage zulässt. So ist es Ende 2020 mit wee vereinbart worden. Bislang hat es dieses Treffen noch nicht gegeben. Der städtische Vertragsentwurf liegt bei wee“, erklärt Wulf Stibenz.

Füchse haben neue Lizenz beantragt

Ob es angesichts der neuen Entwicklung bei wee noch dazu kommt, ist offener denn je. Auch wenn die wee-Verantwortlichen gegenüber der Süddeutschen Zeitung beteuern, in Bad Tölz allen Verpflichtungen nachkommen zu wollen und es die Probleme deshalb gebe, weil „das für Sportsponsoring vorgesehene Geld auf einem Konto in Tschechien liegt und zurzeit nicht verfügbar ist“. Täglich würde auf die Freigabe der Gelder gewartet, lässt sich Cengiz Ehliz zitieren.

Die Lausitzer Füchse haben inzwischen fristgerecht die Unterlagen für das Lizenzprüfungsverfahren für die kommende Saison 2021/2022 in der Deutschen Eishockey Liga 2 abgegeben. In Weißwasser soll der Puck unabhängig von wee rutschen.

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