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Gablenzer baut Miniatur-Gotteshaus

Die Kirche Gablenz wird wieder eingerüstet. Der Turmsanierung folgt nun das Kirchenschiff. Parallel entsteht ein Modell.

Dieter Platzk ist noch nicht ganz zufrieden mit seinem Nachbau des Gablenzer Kirchturms. So manche Kleinigkeit wie die Wetterfahne oder die Vergoldung der Kuppel fehlen noch am Modell im Maßstab 1:10. Im Spätherbst will er es öffentlich präsentieren.
Dieter Platzk ist noch nicht ganz zufrieden mit seinem Nachbau des Gablenzer Kirchturms. So manche Kleinigkeit wie die Wetterfahne oder die Vergoldung der Kuppel fehlen noch am Modell im Maßstab 1:10. Im Spätherbst will er es öffentlich präsentieren. © Sabine Larbig

Sein Blick ist kritisch. „Ich muss mir noch was einfallen lassen, damit die Glocken läuten. Die Wetterfahne fehlt noch. Außerdem suche ich jemanden, der die Kuppe vergoldet, damit der Turm wirklich wie das Original aussieht“, beschreibt Dieter Platzk vor seinem drei Meter hohem Kirchturm-Modell, was diesem noch fehlt.

Wie viele Stunden er seit September 2020 daran gearbeitet hat, kann er nicht sagen. Immerhin besteht das Modell aus hunderten Metern einzeln zugeschnittener und zusammen gebauter Holzleisten-Stücke. Ganz zu schweigen von Details wie Fenstern, Uhren, Innentreppen, Etagenböden samt Luken, dem oktogonalen Glockengeschoss mit Glockenspiel und Aufhängung, hunderten Mini-Dachschindeln, Blenden, Turmkugel und einem Gasbetonstein. Der bildet den Sockel, musste ebenfalls ausgeschnitten und bearbeitet werden. „Das war die einfachste Aufgabe“, bekennt der Gablenzer, den schon viele für verrückt erklärten, weil er das aufwendige Modell macht.

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Als Modellbauer mit Leib und Seele, den Bauweise, Baukunst und Statik historischer Gebäude seit jeher faszinieren und der seit der Jugendzeit Modelle anfertigt, sieht Dieter Platzk das anders. Er achtet nicht auf die Zeit, die er für das Hobby braucht, sondern vielmehr akribisch auf jedes noch so kleine Detail. Dafür werkelt so lange, bis alles passt, funktioniert, dem Original in nichts nachsteht, außer in der Größe. Denn „von der Stange“ gibt es kaum etwas. Nur die Messingglocken und die Dachschindeln fanden sich bei einem Spezialanbieter.

Fast alle ist Marke Eigenbau

Das Glockenspiel en miniature wird künftig sogar läuten.
Das Glockenspiel en miniature wird künftig sogar läuten. © Sabine Larbig

Alles andere ist Marke Eigenbau. „Als ich durch die Kirchturmsanierung die Möglichkeit hatte, dort wirklich jeden Winkel zu entdecken, zu vermessen und zu skizzieren, reizte mich natürlich der Gedanke des Turmnachbaus als Schnittmodell“, erzählt der 62-Jährige.

Den Turm im Maßstab 1:10 wollte er eigentlich längst fertig haben. Doch es fehlte, vor Corona und damit verbundener Kurzarbeit einfach die Zeit. Immerhin war Dieter Platzk in der Bauphase vom Turm, zusätzlich zum Job, auch Verbindungsmann zwischen Gemeindekirchenrat, Architekten, Bauarbeitern und somit sehr viel bei Beratungen, Absprachen und auf der Baustelle. „Glücklicherweise hat mein Arbeitgeber viel Verständnis für meinen ehrenamtlichen Einsatz für den Erhalt des historischen Bauwerks“, sagt Platzk, der so „ganz nebenbei“ auch regelmäßig Bilder für ein Fotobuch machte. Das von ihm erstellte Buch war bei historisch Interessierten, Kirchenmitgliedern und Einwohnern als Zeugnis der neueren Kirchen(bau)geschichte gefragt. Immerhin wurde die über 260 Jahre alte Trinitatiskirche zuletzt vor 50 Jahren saniert.

Dies gilt ebenfalls für das Kirchenschiff, welches nun ebenfalls endlich saniert (und wodurch das gesamte barocke Gotteshaus vor dem Verfall gerettet) werden kann. Für Dieter Platzk, der seit 1980 aktiv in der Kirchgemeinde Gablenz ist, ein wichtiges Ereignis. „Unsere Trinitatiskirche ist nicht nur Zeichen und Ort des christlichen Glaubens. Sie prägt das Ortsbild, ist Dorfmittelpunkt und Treffpunkt für alle Menschen. Auch außerhalb christlicher Feiern und Feste. Ihre Sanierung ist damit ein Beitrag für ganz Gablenz und seine Einwohner.“

Der nunmehr zweite Bauabschnitt, der ab Mai mit dem Gerüststellen beginnt, kostet – nach den rund 201.000 Euro für den Turm – nochmals stolze 328.000 Euro. Da die Barockkirche als Kleinod in der Oberlausitz gilt und unter Denkmalschutz steht, fand die Kirchgemeinde auch dafür fachliche sowie finanzielle Unterstützung bei der Landeskirche, dem Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz, dem europäischen Leader-Programm und sogar bei der Kirchgemeinde Schleife, die den Gablenzern ein Darlehen für den aufzubringenden Eigenanteil gewährte. „Dafür sind wir sehr dankbar. Ohne Darlehen und Leader könnten wir unsere Kirche nicht sanieren und retten“, weiß Platzk, der mit dem Wort „retten“ nicht übertreibt. „Es sieht wirklich alles sehr schlecht aus. Dach und Dachgebälk hätten schon vor Jahren erneuert werden müssen, weil Ziegel gerissen und undicht und dadurch Balken morsch, Schimmel und Schwamm im Dachstuhl sind“, verdeutlicht der Gablenzer, der auch beim Kirchenschiff der Bau-Verbindungsmann ist.

Es lag, wie stets, am Geld

Dass eine Sanierung nicht früher möglich war, lag am fehlenden Geld. Denn trotz eines 2009 anlässlich der Namensgebung für das Gotteshaus gestarteten Spendenaufrufs für das historische Gebäudeensemble konnten die rund 300 Kirchenmitglieder die erforderlichen Mittel nicht aufbringen. Erst mit finanziellen Zuschüssen und Zuschüssen wurde die Turm-, und nun durch das Darlehen, auch die Kirchenschiffsanierung möglich. Mitgemacht werden können jetzt auch Anstrich von Fassade, Fenstern und Kircheninnerem sowie eine altersgerechte Anbindung zwischen Kirche und benachbarter Diakonie St. Martin. Durch die Sanierung wird zudem gesichert, dass in der Trinitatiskirche weiterhin Gottesdienste, Taufen, Konfirmationen oder Trauungen möglich sind. Eine Sorge, die alle Kirchenmitglieder beschäftigte. Aus Sicherheitsgründen durften verschiedene Bereiche schon längere Zeit nicht mehr betreten werden, wie Pfarrerin Miriam Arndt den Zustand bereits vor zwei Jahren gegenüber TAGEBLATT beschrieb.

Wieder Fotobuch geplant

Gehofft wird in Gablenz, den zweiten Bauabschnitt, also die Komplettsanierung, Ende Oktober oder Mitte November abschließen zu können, so dass das traditionelle Hubertus-Konzert endlich wieder im Gotteshaus stattfinden kann. „Und wir hoffen auf viele weitere Spenden, weil die Rücklagen unserer Kirchengemeinde durch das Großprojekt weitestgehend aufgebraucht sind“, appelliert Dieter Platzk.Und während er den Turm noch nicht fertig hat, liegen in seiner Werkstatt-Schublade bereits Pläne für ein 2,70 Meter langes Modell vom Kirchenschiff samt Gebälk und Altar . „Das ist dann mein Lebenswerk, an dem die Leute sogar sehen, wofür sie spendeten.“ Selbst ein Fotobuch zum Kirchenschiff plant er wieder.

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