Weißwasser
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Gelungene Party für den Glasmacherbrunnen

So viele Menschen feierten seit Jahren nicht mehr auf dem Platz vor dem Bahnhof Weißwasser. Dabei ging es beim Fest „nur“ um ein Brunnen-Jubiläum.

Von Sabine Larbig
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Musik, nette Gespräche, ein besonderer Jubilar – der sich still im Hintergrund hielt – und Sommertemperaturen zogen viele Weißwasseraner zur Glasmacherbrunnen-Feier.
Musik, nette Gespräche, ein besonderer Jubilar – der sich still im Hintergrund hielt – und Sommertemperaturen zogen viele Weißwasseraner zur Glasmacherbrunnen-Feier. © Sabine Larbig

Weißwasser hat 54 erhaltenswerte und geschichtsträchtige Denkmale. Doch nur wenige sorgen einst wie heute für so viel Zustimmung, Unterstützung, Erinnerungen und Zusammenhalt in der Bevölkerung wie der Glasmacherbrunnen vor dem Bahnhof. Das zeigte sich einmal mehr am Donnerstagabend, als 100 Jahre Einweihung des Brunnens gefeiert wurden.

Mehr als 150 Menschen kamen zur Jubiläumsfeier, zu der das Glasmuseum, dessen Förderverein und die Denkmalkommission – die einst aus der Arbeitsgemeinschaft Glasmacherbrunnen hervorging und nun ihr 20-jähriges Bestehen hatte – einluden. Gefeiert wurde dennoch nicht mit Glanz und Gloria, sondern wie bei einer sommerlichen Gartenparty mit Freunden: unter freiem Himmel, mit Jazz-Musik vom Ferdinand-Büchner-Trio aus Dresden, lockeren Gesprächen, Feuerwerk und besonderen Getränken. Dazu gehörten nicht nur der obligatorische Sekt zum Anstoßen auf den Jubilar, sondern auch eine Sonder-Edition frisch gebrauten Schnitter-Biers mit Glasmacherbrunnen-Etikett.

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Das Bier fand, wie die vor Ort erhältliche Chronik zur Wiedererrichtung des Brunnens, reißenden Absatz. „Ich sammle die Schnitter-Bier-Flaschen in meinem Mitropa-Schuppen“, erzählt Karl-Heinz Bläck. Gekommen war er jedoch wegen des Brunnens. „Als ich 1974 nach Weißwasser zog, gab es den Brunnen nicht mehr. Da ich aber jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit musste, verfolgte ich über Jahrzehnte, wie sich alles entwickelte, der Brunnen wieder aufgebaut und 2002 eingeweiht wurde.“

Damals, am 9. Juni, war es die zweite Weihe des Brunnens, der nach dem Original neu errichtet wurde. Denn obwohl der Glasmacherbrunnen in Deutschland das einzige Kriegerdenkmal seiner Art ist und 52 Jahre das Wahrzeichen von Weißwasser war, wurde er 1974 auf Geheiß der DDR-Staatsführung abgerissen und an unbekannter Stelle verkippt. Den Grund für den Abriss kennt bis heute, trotz intensiver Forschung im Rahmen des Wiederaufbau-Projekts, ebenfalls niemand. Schließlich entstand der Brunnen zu Ehren der 432 gefallenen Weißwasseraner Opfer des Ersten Weltkrieges, erinnert er – durch die Darstellung friedlicher Arbeit und Zukunft in Form von vier Glasbläsern – gleichzeitig an die Glastradition der Stadt. Eigentlich keine Gründe, die den Abriss rechtfertigen. Zumal, so Glasmuseums-Leiterin Christine Lehmann, die Tradition der Glasherstellung in Weißwasser ihren Ursprung im Areal Gelsdorf-Hütte, Bahnhof, Wasserturm und Hotel gehabt habe, weshalb der Brunnen genau dort, „im Glasmacher-Viertel, der Keimzelle der späteren Stadt“, errichtet worden sei. „Übrigens mit vielen Spenden der Bürger durch Lotterielose, die sie eigens für das Denkmal und Wahrzeichen kauften.“ Trotz aller Widrigkeiten habe sich „die unverwüstliche Begeisterung“ der Menschen für den Traditionsbrunnen bis in die Gegenwart erhalten und auch bei den Wiederaufplänen gezeigt. „Auch da spendeten die Menschen über 68.000 Euro für Modelle, Guss und Aufbau der Figuren“, begründet Christine Lehmann.

Gregor Schneider (li.) schlüpfte in die Rolle des Braumeisters und verkaufte die Schnitter-Bier-Sonderedition. Die Flaschen fanden reißenden Absatz, waren schnell ausverkauft. Viele kauften die Flaschen auch zu Sammlerzwecken.
Gregor Schneider (li.) schlüpfte in die Rolle des Braumeisters und verkaufte die Schnitter-Bier-Sonderedition. Die Flaschen fanden reißenden Absatz, waren schnell ausverkauft. Viele kauften die Flaschen auch zu Sammlerzwecken. © Sabine Larbig

„Der Glasmacherbrunnen ist Wahrzeichen und Tradition, gehört einfach zu Weißwasser und muss bleiben. Deshalb bin ich heute hier“, meint ebenfalls Festbesucher Uli Teichert. Ähnlich sahen es alle Anwesenden. Und die Weißwasseraner haben Unterstützung für ihre Hoffnung, dass der Brunnen nun auf ewig bleibt. Denn dafür setzen sich auch Denkmalkommission, Glasmuseum und Förderverein sowie Stadtverwaltung ein. „Der Brunnen ist Zeugnis unseres Glasmacher-Erbes, stellt Tradition und Geschichte der Stadt dar, und wir sind optimistisch, dass es mit der Glasindustrie in Weißwasser weiter geht. Trotz der Probleme mit Gaslieferungen und Kostenexplosionen, Klima- und Strukturwandel. Denn noch haben wir einen bestehenden Betrieb und zwei weitere interessierte Investoren“, so Oberbürgermeister (OB) Torsten Pötzsch in seiner Eröffnungsrede zur Jubiläumsfeier. Wie er weiter erklärte, wolle die Stadt zudem erreichen, dass bis 2026 die einstige Glasingenieurschule saniert und dort dann wieder in Glas- und Zukunftsberufen ausgebildet wird. „Das gibt Mut und ist eine Chance für die Menschen der Stadt und Region.“ Zudem, so Pötzsch weiter, solle der sanierte Bahnhof in zwei Jahren eröffnet werden. „In Zukunft wollen wir deshalb gleichfalls mehr Veranstaltungen auf dem Bahnhofsvorplatz machen, eine Willkommenskultur umsetzen, mehr Bänke aufstellen und den Platz entsprechend gestalten. Auch darum machen wir uns bereits Gedanken.“

Mit dieser Vision traf das Stadtoberhaupt den Nerv der Anwesenden, wie der Beifall zeigte. Sie alle wünschen sich, obgleich Parkplätze in der Stadt auch ein Thema sind, einen attraktiveren Bahnhofsvorplatz mit Veranstaltungen, Festen und Feiern. „Der Platz ist dafür toll geeignet und ideal gelegen“, so eine Weißwasseranerin. „Ich bin wirklich begeistert, wie spitze es hier ist und dass es heute so ein schönes und trotzdem informatives Fest gibt. Noch dazu aus würdigem Anlass. So etwas wünsche ich mir viel mehr.“

Selbst Glasmuseums-Chefin Christine Lehmann zeigte sich „begeistert und total platt“ davon, dass so viele Menschen zum Brunnenjubiläum kamen. „Vielleicht wird das Tanztheater am heutigen Sonnabend auch noch ein voller Erfolg, obwohl bisher nur wenige Karten gekauft worden sind.“

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