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Gericht klärt Polizei-Verfolgungsfahrt auf

17 Monate, nachdem sich ein Autofahrer mit der Polizei ein nächtliches Rennen durch Weißwasser lieferte, kommt Licht in die Angelegenheit.

© dpa/David-Wolfgang Ebener

Weißwasser. Es ist kurios und spektakulär, was sich in drei Verhandlungsterminen am Amtsgericht Weißwasser abspielte. Es geht um eine Verfolgungsjagd, die sich ein Autofahrer am 6. Juli 2019, gegen 23.15 Uhr, in Weißwasser mit der Polizei lieferte.

Da der Fahrer entkam, wurde per Kennzeichen nach dem Autohalter gesucht. Es ist der Vater des wegen Gefährdung des Straßenverkehrs Angeklagten. Ein Verfahren gegen den Vater, sein Sohn hatte angegeben, er habe ihn zur Fahrt aufgefordert, ist inzwischen eingestellt. Doch ob der zur Nutzung des Autos berechtigte Sohn der Fahrer war, blieb bis kurz vorm dritten Verhandlungstermin am Montag dieser Woche unklar, weil der Angeklagte bisher vehement dazu schwieg.

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Nicht nur das. Bei der Verhandlung am 19. November 2020 erschien der Angeklagte, wie Amtsgerichtdirektor Christoph Pietryka am Montag erläuterte, nach der Pause nicht mehr im Gerichtssaal. Da er seinen Anorak dagelassen hatte, sei man von einer Rückkehr ausgegangen, was letztlich geschah. Doch dann sei es im Gerichtssaal zum Eklat gekommen. Der Angeklagte habe dabei ein Bein eines Tisches zerstört und drei Justizbeamte seien nötig gewesen, um ihm Handschellen anzulegen. In der Folge sei die Verhandlung abgebrochen, ein Sitzungshaftbefehl gegen den Angeklagten verkündet worden, weshalb er bis 4. Dezember in der Justizvollzugsanstalt Görlitz war. „Zwischenzeitlich wurde eine Erklärung ans Gericht zugestellt, in der sich der Angeklagte äußert“, so Pietryka weiter.

„Nun sind Sie also zur Vernunft gekommen und wollen aussagen. Ist das richtig?; fragte er den Angeklagten, der dies bestätigte und den Verlauf des 6. Juli 2019 schilderte. Danach habe er selbst gegen 15 Uhr die Polizei wegen eines Diebstahls zu sich nach Bad Muskau gerufen. „Das lief routinemäßig ab und 16 Uhr war die Polizei wieder weg.“ Später sei er mit dem an der Verfolgungsjagd beteiligtem Auto mit Bekannten zu einem Freund nach Weißwasser gefahren, in dessen Garten eine Grillparty stattfand. Da er gewusst habe, dass getrunken wird, habe er vorsorglich ein Fahrrad im Auto mitgenommen, um damit heimfahren zu können. Das Auto habe er auf dem Privatgrundstück des Freundes abgestellt und ihm beim Verlassen der Feier gegen 22 Uhr den Autoschlüssel dagelassen. Damit das Auto, falls nötig, im Grundstück bewegt werden könne und er den Schlüssel nicht verliert. „Ich bin ein sportlicher Radfahrer.“

Wie der Angeklagte weiter erklärte, habe er gegen Mitternacht einen Anruf des Freundes, bei dem das Auto stand, erhalten. Der habe ihm erzählt, dass er sich mit dem Auto gerade eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert habe. „Ich bin wieder per Rad nach Weißwasser gefahren, um den Freund mit weiteren Bekannten, die ich inzwischen als Zeugen angab, am Parkplatz Tierpark zu treffen.“ Da das Auto zu dem Zeitpunkt am Schulacker abgestellt war, habe er es erst am Montag nach dem Ereignis dort abgeholt. Seinen Vater habe er aber telefonisch informiert, dass sich die Polizei bei ihm wegen des Autos melden werde. „Ich sagte nichts weiter, gab ihm aber den Tipp, die Aussage zu verweigern.“ Denn vom „ganzen Umfang der Jagd“ habe er selbst erst im Gerichtssaal erfahren.

„Nun, jetzt haben wir als Fahrer einen Namen und eine dazugehörige Anschrift. Das ist ein Fortschritt“, äußerte Christoph Pietryka während der Verhandlung, Den, wie am 19. November schon, als Zeuge geladen Vater fragte er, wieso er beim Eklat nicht sagte, dass der Sohn nicht Fahrer war. Die Antwort blieb aus. „Und damals sagten Sie zu mir: Alles nur die Drogen. Helfen Sie meinem Sohn. Ist Ihnen der Drogenkonsum ihres Sohnes bekannt?“. Dies sei ihm nicht bekannt, so der Vater, er habe es wegen seines Verhaltens aber stets vermutet.

Die als Zeugin geladene Freundin des Angeklagten konnte wenig Angaben zur Verfolgungsjagd machen. Da das Paar damals getrennt war, habe sie nur von Bekannten davon erfahren und wer gefahren sei. Dennoch machen diese Aussagen weitere Zeugenbefragungen, auch des mutmaßlichen Fahrers und eines Anwalts aus Cottbus, möglich. Denn, auch dies kam zur Sprache, der Angeklagte hatte vor der Haft kein Vertrauen mehr zum Verteidiger aus Neukirch, suchte daher den Cottbusser Anwalt mit dem Freund auf.

Ziel war es, im Informationsgespräch zu erfahren, wie beide aus der Sache kommen könnten. Dabei habe der Freund erstmals „mit Kopfnicken“ bestätigt, bei der Verfolgungsjagd gefahren zu sein. Dies bestätigte der Vater des Angeklagten, der die Männer nach Cottbus fuhr und teils beim Gespräch dabei war. Am 15. Dezember wird am Amtsgericht Weißwasser weiter verhandelt.

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