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Weißwasser

Heiligabend nicht in Familie

Für Kinder und Jugendliche bei StattRand in Weißwasser soll Weihnachten dennoch schön werden. Dabei hilft Lichtblick.

Im Familienhaus ist für die Kinder und Jugendlichen nach einem Spaziergang Bescherung.
Im Familienhaus ist für die Kinder und Jugendlichen nach einem Spaziergang Bescherung. © Stattrand

Bratwurst mit Kartoffelsalat wird heute Abend vermutlich einer der Renner im Familienhaus in Weißwasser sein. So, wie es vielerorts in Deutschland Tradition ist. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Kinder und Jugendlichen Weihnachten in der Betreuung der StattRand gGmbH Weißwasser erleben und nicht zu Hause bei ihren Familien.

An fünf Standorten im Landkreis betreibt StattRand Objekte mit insgesamt 80 Plätzen, davon 41 in Weißwasser. Vom Säugling bis zu jungen Frauen Anfang Dreißig sind im Familienhaus alle Altersgruppen vertreten. Sie kommen zumeist aus den Landkreisen Görlitz, Bautzen und Spree-Neiße, einige Kinder und Mütter ebenso aus dem ganzen Bundesgebiet, etwa aus der Nähe von Kiel und dem Berliner Raum. „In Absprache mit dem Jugendamt wurden so viele Kinder und Jugendliche wie möglich beurlaubt, damit sie Weihnachten in ihren Familien oder bei nahen Angehörigen verbringen können“, erklärt Geschäftsführerin Anna Zirps.

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Mit denen, die im Familienhaus besser als zu Hause aufgehoben sind, haben die Betreuer ein schönes Fest vorbereitet. Die Räume der Wohngruppen wurden weihnachtlich geschmückt. Es wurden Kekse gebacken und gemeinsam entschieden, was heute Abend auf den Tisch kommt.Beim Schnippeln für den Salat packen alle mit an. Heiligabend ist nun mal aufregend. Daran ändert die besondere Situation der Kinder und Jugendlichen nichts, die normalerweise sonst schöne Stunden in der Eisarena Weißwasser, auf der Reinert Ranch, einem Bauernhof, im Tierpark oder Kino erleben. All das wurde 2020 wegen der Pandemie gestrichen.

Weihnachtsmann kommt nicht

Selbst der Weihnachtsmann darf nicht kommen. „Es wäre auch seltsam, wenn er statt den Geschenkesack zu öffnen, erstmal einen negativen Corona-Test zeigen müsste“, sagt Anna Zirps, die selbst mal eine Wohngruppe leitete und nur zu gut um die Aufregung der Knirpse weiß. Weihnachten ohne Weihnachtsmann – das ist eine von vielen Pandemie-Einschränkungen. Die Bescherung findet natürlich trotzdem statt. Nach dem Spaziergang der Bewohner, werden die Geschenke bereits unter dem Baum liegen. Über die Feiertage werden Filme geguckt, es wird gebastelt und gespielt. Die Mitarbeiter sind vorbereitet.

Als im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr das Haus unter Quarantäne stand und die Kinder nicht raus durften, sei das eine große Herausforderung gewesen, erzählt Anna Zirps. Aber auch eine große Solidarität in den Teams. „Ein Stück weit kann man sich an die Situation gewöhnen“, sagt sie. Aber schön sei es für niemanden. Pro Team arbeiten fünf bis sechs Leute, von denen an Weihnachten je zwei im Hause sind. Sie tragen die ganze Zeit Mund-Nasen-Schutz. Im Frühjahr war ihnen das noch freigestellt, jetzt ist es Pflicht. „Mit unserem strengen Hygienekonzept wollen wir den regulären Ablauf in der Einrichtung sichern. Es wäre eine Katastrophe, wenn wir auf fremde Hilfe – womöglich von Bundeswehrsoldaten in Uniform – angewiesen wären“, erklärt die Geschäftsführerin. Die Kinder hätten auch so schon viel Schwieriges, bis hin zur Entnahme aus der Familie, erlebt. Im Familienhaus kommen sie zur Ruhe, lernen einen strukturierten Alltag kennen, erleben ein harmonisches Miteinander. Erst recht zu Weihnachten.

Ziel: Rückkehr in die Familien

In der sozialpädagogischen oder therapeutischen Betreuung bei StattRand werden sie auf eine Rückkehr in ihre Familie oder auf ein selbstständiges Leben vorbereitet. Für den Notfall gibt es selbst an Feiertagen einen Bereitschaftsdienst, falls es nötig wird, ein Kind zu seiner Sicherheit in Obhut zu nehmen. Weihnachten 2019 war das nicht erforderlich. Darüber sind alle froh und hoffen, dass es auch 2020 nicht dazu kommen muss.Allerdings, weiß Anna Zirps, eskaliere Streit nicht selten gerade an Feiertagen. Deshalb werden Familien, die sozialtherapeutische Hilfe brauchen, im Vorfeld intensiv beraten. Regelmäßig besuchen die Sozialpädagogen der Einrichtung die Familien zu Hause. In diesem Jahr war es nur eingeschränkt möglich. Ganz ausfallen mussten Gruppenfahrten, Erntedankfest, Adventsandachten.

Im Sommer waren Aktivitäten nur dort möglich, wo das Hygienekonzept einzuhalten war. Dabei sei viel von dem, beim Diakonischen Einrichtungsträger weit oben angesiedelten, Gemeinschaftsgefühl auf der Strecke geblieben, bedauert Zirps. Dennoch sei man gut durch das Jahr gekommen, habe niemand Kurzarbeit gehabt, musste sich nicht um die Existenz gesorgt werden, wurden viele Dinge, die Kindern und Jugendlichen ihren bis zu zweijährigen Aufenthalt verschönern, durch Spenden von Unternehmen möglich.

Die Stiftung Lichtblick stellte dem Familienhaus in Weißwasser 2020 drei Fahrräder mit Kindersitz und Helmen zur Verfügung, finanziert seit Jahren Ausfahrten mit. Dafür ist man bei StattRand sehr dankbar. Und was wünscht sich die Geschäftsführerin zum Fest? „Gesundheit als Maß aller Dinge“ und, dass die Mitarbeiter nicht den Mut und die Hoffnung verlieren. „Die Kinder und Jugendlichen brauchen uns.“

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