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Hier ist der Schulweg ziemlich sicher

Wie Weißwasser beim Familienkompass-Thema Verkehr abschneidet. Ein Punkt ärgert nicht nur den OB schon lange.

Viele der Mädchen und Jungen kommen an die 1.Grundschule(im Hintergrund) nur mit einem Fahrzeug.Dafür fährt der Linienbus oder ein dafür gecharteter Schulbus.Foto:Joachim Rehle
Foto: Johannes Rehle
Viele der Mädchen und Jungen kommen an die 1.Grundschule(im Hintergrund) nur mit einem Fahrzeug.Dafür fährt der Linienbus oder ein dafür gecharteter Schulbus.Foto:Joachim Rehle Foto: Johannes Rehle © Jochim Rehle

Wenn Familien sich ihren Traumwohnort im Geist ausmalen, sehen viele eine Idylle mit zwitschernden Vögeln aber ganz ohne Verkehrslärm, mit spielenden Kindern an oder sogar auf einer Spielstraße mit minimalem Verkehr. Zugleich wäre die Schule nicht weit weg, für die Kinder mit dem Fahrrad leicht erreichbar (auf extra Radwegen) und zu Fuß über mit Ampeln oder Zebrastreifen gesicherte Querungen der möglichst wenigen Straßen. Zugleich sollen möglichst alle Wege kurz, die nächste Stadt schnell und bequem auch mit dem Öffentlichen Personennahverkehr erreichbar sein. Wie nah dran sind Weißwasser und die umliegenden Orte an diesem wohl wenig realistischen Ideal?

Nun, so schlecht schneiden Weißwasser und die umliegenden Orte beim Thema Verkehr im Rahmen der Familienkompass-Umfrage im Sachsenvergleich gar nicht ab, landen auf den Plätzen 50 und 66 unter den 146 verglichenen Regionen. Die Städte Görlitz und Zittau belegen in dieser Kategorie übrigens die beiden letzten Plätze. Trotzdem: In einer im Vergleich kleinen Stadt und einer insgesamt ländlichen Region würde man noch bessere Einschätzungen der Familien erwarten, wenn es um die Themen Verkehrsbelastung und -lärm sowie Sicherheit für die Kinder geht. Der Notendurchschnitt für diese Umfragepunkte liegt jeweils nahe am sächsischen Schnitt. Rund jeder fünfte Umfrageteilnehmer gibt für Verkehrsbelastung die Schulnote vier oder fünf, beim Lärm macht das sogar rund jeder Dritte.

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Änderungen an Bundes- und Staatsstraßen schwierig

Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch erklärt das so: „Wir haben mit der B 156, der Berliner Straße und der Heinrich-Heine-Straße Straßen im Ort, die eine hohe Verkehrsbelastung haben. Anwohner dort geben für Verkehrsbelastung und -lärm sicher auch mal schlechte Noten. Unsere Einflussmöglichkeiten sind bei diesen Bundes- und Staatsstraßen aber gering.“ Ein Beispiel: Auf der Heinrich-Heine-Straße, die vom Industriegebiet im Südosten ins Stadtzentrum führt, hat eine Verkehrszählung 30.000 Fahrzeuge pro Woche ergeben. Die Stadt hat die erlaubte Geschwindigkeit für Lkw schon auf 30 km/h gesenkt. Anwohner forderten jetzt mit einer Unterschriftenaktion, dies für alle Fahrzeuge zu tun. Vergangene Woche fand vor Ort eine Verkehrsschau unter anderem mit Landesverkehrsamt und Polizei statt. Ergebnis: Die Staatsstraße darf weiter mit 50 Sachen befahren werden, zumal hier kein Unfallschwerpunkt liegt.

Den Durchgangsverkehr könnte man auch mit neuen Ortsumfahrungen aus der Stadt heraushalten. Dieses Thema ist in Weißwasser, anders als in Krauschwitz, derzeit keins und wäre auch ein Riesenprojekt. „Die Medaille hat zwei Seiten. Der Durchgangsverkehr bringt auch Umsatz in die Stadt und lässt Menschen davon leben“, gibt Torsten Pötzsch zu bedenken.

Diese Schulnoten haben Umfrageteilnehmer verteilt:

Die Grafik zeigt ausgewählte Fragen aus dem Fragebogen. Der Wert rechts über der Farbskala gibt die durchschnittliche Bewertung der Frage von 5 (sehr schlecht) bis 1 (sehr gut) an, der graue Balken zeigt die Abweichung vom Sachsen-Schnitt. Grünes Dreieck: Diese Frage wurde im ausgewählten Ort deutlich besser bewertet als im Sachsen-Schnitt. Rotes Dreieck: deutlich schlechtere Bewertung als im Sachsen-Schnitt. Gelbes Quadrat: Bewertung entspricht dem Sachsen-Schnitt (+/–10%).
Die Grafik zeigt ausgewählte Fragen aus dem Fragebogen. Der Wert rechts über der Farbskala gibt die durchschnittliche Bewertung der Frage von 5 (sehr schlecht) bis 1 (sehr gut) an, der graue Balken zeigt die Abweichung vom Sachsen-Schnitt. Grünes Dreieck: Diese Frage wurde im ausgewählten Ort deutlich besser bewertet als im Sachsen-Schnitt. Rotes Dreieck: deutlich schlechtere Bewertung als im Sachsen-Schnitt. Gelbes Quadrat: Bewertung entspricht dem Sachsen-Schnitt (+/–10%). © undefined
Die Grafik zeigt ausgewählte Fragen aus dem Fragebogen. Der Wert rechts über der Farbskala gibt die durchschnittliche Bewertung der Frage von 5 (sehr schlecht) bis 1 (sehr gut) an, der graue Balken zeigt die Abweichung vom Sachsen-Schnitt. Grünes Dreieck: Diese Frage wurde im ausgewählten Ort deutlich besser bewertet als im Sachsen-Schnitt. Rotes Dreieck: deutlich schlechtere Bewertung als im Sachsen-Schnitt. Gelbes Quadrat: Bewertung entspricht dem Sachsen-Schnitt (+/–10%).
Die Grafik zeigt ausgewählte Fragen aus dem Fragebogen. Der Wert rechts über der Farbskala gibt die durchschnittliche Bewertung der Frage von 5 (sehr schlecht) bis 1 (sehr gut) an, der graue Balken zeigt die Abweichung vom Sachsen-Schnitt. Grünes Dreieck: Diese Frage wurde im ausgewählten Ort deutlich besser bewertet als im Sachsen-Schnitt. Rotes Dreieck: deutlich schlechtere Bewertung als im Sachsen-Schnitt. Gelbes Quadrat: Bewertung entspricht dem Sachsen-Schnitt (+/–10%). © undefined

Schulkinder kommen sicher an

Beim Thema sicherer Schulweg und allgemein Sicherheit im Straßenverkehr sieht der Oberbürgermeister seine Stadt auf einem guten Stand, auch wenn ein Drittel der Befragten dem Schulweg, ein Viertel der Verkehrssicherheit für Kinder die Schulnoten vier oder fünf geben. „Die Kinder können ihre Schule überwiegend auf Radwegen erreichen, auch wenn der Bund diesbezüglich eine Rolle rückwärts gemacht hat und den Radverkehr wegen Unfällen mit Fußgängern wieder zurück auf die Straße verlagern will“, sagt Pötzsch. Außerdem seien vor den Schulen sichere Querungen der Straßen (Ampeln oder Zebrastreifen) eingerichtet. So etwas bei der Bundesstraße durchzubekommen, sei nicht einfach. Aber immerhin sind Verkehrsinseln eingerichtet. „Viel mehr können wir nicht tun“, ist sich Pötzsch sicher, zumal es zu diesem Thema auch kaum Beschwerden im Rathaus gibt. Im Umland, wo Radwege teilweise fehlen, wird die Sicherheit der Kinder im Straßenverkehr oft deutlich schlechter bewertet.

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Richtig schlecht kommen Weißwasser und Umgebung beim Thema ÖPNV-Anbindung weg. Für die Aussage: „Unsere Wohngegend ist sehr gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen“, gab es in Weißwasser den Notendurchschnitt 3,15 (in Sachsen 2,22). Im Umland haben zwei Drittel der Befragten dafür die Schulnote vier oder fünf vergeben. „Der Schülerverkehr funktioniert gut “, schätzt Weißwassers OB ein. Den Nahverkehr in der Stadt zu verbessern, etwa mehr Strecken einzuführen oder die Taktung zu erhöhen, dafür sieht Torsten Pötzsch wegen der hohen Kosten kaum Spielraum. „Aus meinem Fenster sehe ich auf eine Bushaltestelle. Wenn da drei Fahrgäste drin sind, ist das schon viel.“ Die Nachfrage für das vorhandene Angebot ist schon gering. Verständlich: Das Auto ist bequemer, schneller und immer verfügbar, Parkplätze stehen ausreichend und oft kostenlos zur Verfügung. Richtig schlecht ist aber die Anbindung von Weißwasser und Umgebung an die großen Städte. „Wenn ich nach Dresden will, fahre ich ewig und mit dem Zug durch verschiedene Tarifzonen. Autobahnen oder Schnellstraßen sind weit weg von Weißwasser. Das schreckt nicht nur Investoren ab, sondern lässt Busse auch lange unterwegs sein“, kommentiert Torsten Pötzsch das Dilemma. Mehr als immer wieder die Stimme dagegen zu erheben kann aber auch er nicht tun.

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