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Hier wird Obdachlosen geholfen

In Weißwasser gibt es seit 1995 eine Obdachlosenunterkunft. Corona erschwert den Alltag für Bewohner und Betreiber.

Maik Warich, Vorstandmitglied beim DRK Kreisverband Weißwasser, ist auch zuständig für die Obdachlosenunterkunft in der Brunnenstraße. Die Pandemieherausforderungen stellen Betreiber, Stadt und Bewohner vor bislang unbekannte Herausforderungen im Allt
Maik Warich, Vorstandmitglied beim DRK Kreisverband Weißwasser, ist auch zuständig für die Obdachlosenunterkunft in der Brunnenstraße. Die Pandemieherausforderungen stellen Betreiber, Stadt und Bewohner vor bislang unbekannte Herausforderungen im Allt © Sabine Larbig

Silvester war für jene, die auf der Straße ihr Dasein fristen, ein Tag wie jeder andere. Möglicherweise war der Jahreswechsel 2020/21 für Betroffene ruhiger und sicherer als andere, weil es wegen Corona eine Ausgangssperre und Böllerverbot gab. Doch egal, welcher Tag im Jahr ist: Wer in der Obdachlosenunterkunft in der Brunnenstraße in Weißwasser einen Unterschlupf braucht und findet, hat einen Glückstag. Denn Unterkünfte wie diese sind gefragte Zufluchts- und Übernachtungsstätten. Erst recht seit Corona und der damit verbundenen Verbote und Regelungen. Doch Corona stellt alle Beteiligten auch vor harte Belastungsproben und ganz neue Herausforderungen.

Regeln von Haustier bis Schnelltest

Zwar werden die Bewohner als ein Hausstand angesehen, weshalb die Zimmerbelegung nicht geändert werden musste. Jedoch dürfen jetzt, im Lockdown, die Bewohner natürlich auch nicht die Unterkunft verlassen. Außer, um Lebensmittel zu erwerben. „Laut Hausordnung sind zudem Tiere in der Obdachlosenunterkunft verboten. „Es gibt zwar einen Fall, da wurde seitens der Mediziner eine Hauskatze als elementarer Bestandteil für die psychische Stabilität der einquartierten Person bescheinigt. Fakt ist aber, dass aufgrund der engen Wohnverhältnisse Haustiere nicht statthaft sind. Auch, um andere Bewohner nicht unnötig einzuschränken“, erläutert Stadtsprecher Wulf Stibenz. Sollten die Herrchen oder Frauchen ihre tierischen Freunde nicht bei Bekannten unterkriegen, würden die Tiere in Tierheimen versorgt.

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Und: Um die Sicherheit der Bewohner mit Blick auf Corona zu gewährleisten, gibt es nach gemeinsamer Beratung von Stadt und Einrichtungsträger DRK-Kreisverband Weißwasser die Festlegung, dass Personen, die die Unterkunft in Anspruch nehmen wollen oder müssen, einen negativen Corona-Schnelltest vorzuweisen haben. Dank einer Kooperation mit dem Kreiskrankenhaus Weißwasser, sagt Stibenz, sei das unkompliziert und professionell möglich.

Corona bringt viele Probleme

Obdachlose, die trotz dieser Hürden in der Brunnenstraße eine Aufnahme finden, erwarten dennoch keinen Luxus. Den gibt es auch nicht. Es ist eine Notunterkunft, in der Betroffene warm, trocken und ruhig eine oder mehrere Nächte verbringen sowie Kleidung und sich selbst waschen können. Anders als bei Obdachlosenheimen werden hier auch keine hilfsbedürftigen Menschen durch Ämter zugewiesen. Dies sei, weiß Maik Warich, Vorstandsmitglied des DRK-Kreisverbandes Weißwasser und zuständig für die Unterkunft in der Stadt, ein wichtiger Unterschied. „Obdachlosenunterkünfte halten lediglich für Notfälle und besondere Lebenslagen Wohnraum und Betreuung vor“, unterstreicht er.

Dennoch würden für die Aufnahme klare Regeln gelten. „Es bedarf es einer offiziellen Einweisung durch die Stadtverwaltung oder die Polizeibehörde und es gibt ein Alkohol- und Rauchverbot in der Unterkunft“, umschreibt sie Stadtsprecher Wulf Stibenz. Aufgenommen würden in Weißwasser ebenfalls keine Familien. „Dafür gibt es Wohnungen und andere soziale Netze und Regelungen, damit insbesondere die Kinder ein kindgerechtes Umfeld haben.“ Ans Limit kommen die Mitarbeiter von DRK und Ordnungsamt der Stadt aufgrund der Corona-Schutzverordnung, insbesondere mit Blick auf die Kontaktbeschränkungen und die Einhaltung der Hausordnung, dennoch täglich.. Wir versuchen gemeinsam Lösungen für die Probleme und Themen zu finden, aber die Bedeutung der Regeln und die Mitmenschlichkeit werden in Corona-Zeiten auf eine harte Probe gestellt. Denn die Regelungen und die Hausordnung wurden nicht unter den Bedingungen einer Pandemie-Herausforderung aufgestellt“, sagt Maik Warich.

Als Beispiel nennt er die Räumung der Unterkunft unter normalen Bedingungen am frühen Morgen. Da dürften berechtigte Bewohner erst nachmittags wieder kommen. Dies sei nun durch Covid-19 anders geregelt. Doch daran, dass eine erneute Bestätigung der Bedürftigkeit in regelmäßigen Abständen zu erbringen sei, habe sich nichts geändert. Auch nicht daran, dass die Übernachtung nicht kostenlos sei. Zahlen müssen Bedürftige nämlich zehn Euro pro Nacht/Person. „Allerdings greifen hier die Sozialkassen im Fall der Fälle“, so Stibenz, „damit ein Nichtunterkommen aus finanzieller Notlage heraus nicht passiert“.

Unterkunft ist nahezu ausgelastet

In Weißwasser gibt es die Obdachlosenunterkunft seit 1995. Der Flachbau bietet vier Einbettzimmer, vier Zweibettzimmer, ein Notfallzimmer, eine Gemeinschaftsküche, Büro-, Lagerräume, Duschen, Toiletten, je einen Personal- und Waschraum. Im Haus sind die Bewohner, nach Männer und Frauen getrennt, in unterschiedlichen Gebäudeteilen untergebracht. Seit September 2018 betreibt das DRK Weißwasser, nach erfolgter Ausschreibung, die Unterkunft. Zwei Mitarbeiter, unterstützt durch zusätzliche Kräfte, arbeiten hier im Schichtdienst, stehen für Fragen der Bewohner, Hilfe beim Alltag und soziale Betreuung zur Verfügung. „In diesem Jahr ist festzustellen, dass es deutlich mehr Bewohner gibt. Die Unterkunft ist nahezu ausgelastet“, bekennt Maik Warich. Eine zeitliche Beschränkung der Aufenthaltsdauer gäbe es für die Bewohner trotz steigenden Bedarfs nicht. Der soziale Aspekt, Mitmenschlichkeit und das Credo der Hilfe für Menschen in Not stünden im Vordergrund. „Würde man eine Tagesfrist setzen und sich die Problematik nicht in dieser Frist klären, würde der Mitmensch ja wieder auf der Straße landen“, begründet er. Dies solle ja vermieden werden. Erst recht in Zeiten der Pandemie samt Ausgangssperre.

Weihnachts-Kochen fiel diesmal aus

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Umso mehr sind Feiertage wie Weihnachten dieses Jahr ein echtes Thema in der Unterkunft gewesen. „Wir vom DRK haben in der Vergangenheit immer ein großes gemeinsames Kochen organisiert. Dann gab es noch persönliche Geschenke, etwas Kaffee und Kuchen und Musik. In diesem Jahr war das, bis auf ein kleines Geschenk für jeden Bewohner dank Spenden, leider nicht möglich“,so Maik Warich.Abgesehen von den Bewohnern mit Bedürfnisbescheinigung kommen in Weißwasser auch immer mal wieder sogenannte Tippelbrüder zur Einrichtung, bitten um Übernachtung. Sie seien zumeist unauffällig, würden gehen und manchmal wieder kommen. Da sie ohne Wohnsitz seien und das zumeist im Personalausweis vermerkt sei, falle es jedoch schwer zu sagen, woher sie kommen. „Mit großer Wahrscheinlichkeit kommen sie aus dem ganzen Bundesgebiet“. vermutet Wulf Stibenz.

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