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Hoyerswerdaerin wird Chefin im Baureferat

Dorit Baumeister folgt auf Thomas Böse im Rathaus Weißwasser. Ganz unumstritten ist die Entscheidung aber nicht.

Dorit Baumeister ist attraktiv, hat Stil und vor allem Köpfchen, so sagen ihre Freunde. Das Foto zeigt die 57-Jährige auf der Kirchstraße in Hoyerswerda, wo sie mit „Boulevard Altstadt“ eines ihrer Lieblingsprojekte erfolgreich initiierte.
Dorit Baumeister ist attraktiv, hat Stil und vor allem Köpfchen, so sagen ihre Freunde. Das Foto zeigt die 57-Jährige auf der Kirchstraße in Hoyerswerda, wo sie mit „Boulevard Altstadt“ eines ihrer Lieblingsprojekte erfolgreich initiierte. © Silke Richter

In Hoyerswerda pfeifen es die Spatzen von den Dächern. Dorit Baumeister tritt in der Stadtverwaltung Weißwasser die Nachfolge von Baureferatsleiter Thomas Böse an, der in den Ruhestand geht. Mittlerweile ist es auch in der Glasmacherstadt kein Geheimnis mehr. Am Montag unterschrieb die 57-Jährige den Arbeitsvertrag. „Ich brauchte gut drei Wochen, um den Schritt zu gehen und mich zu bewerben“, sagt sie. Auch, dass es ihr nicht leicht gefallen sei, nach so vielen Jahren des Engagements für Hoyerswerda den Fokus auf eine andere Stadt zu lenken. Das aber will sie nun mit vollstem Engagement tun. Sie trete in Weißwasser ja nicht nur einen Acht-Stunden-Job an, so Dorit Baumeister.

Die gebürtige Mecklenburgerin ist in Hoyerswerda aufgewachsen. Als gelernte Baufacharbeiterin und studierte Hochbauingenieurin sattelte sie postgradual noch im Denkmalschutz drauf. Anfang der 90er- Jahre war sie in einem Regensburger Architektenbüro angestellt, gründete danach zusammen mit ihrem Vater ein eigenes Büro in Hoyerswerda. Sie war an zahlreichen Bauprojekten in der Stadt beteiligt, etwa der Sanierung des Leon-Foucault-Gymnasiums oder dem Umbau des früheren Pionierhauses zum Bürgerzentrum.

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Als gewichtige Pfunde wirft sie noch andere Erfahrungen in die Waagschale. So war sie Initiatorin des Projektes „Superumbau“ – eine künstlerisch-architektonische Auseinandersetzung mit Schrumpfung und Stadtentwicklung in Hoyerswerda. In der Folge stieß sie noch weitere Projekte in dieser Richtung an. Seit 2018 war sie halbtags als Altstadtmanagerin in Hoyerswerda tätig und hat als solche den „Boulevard Altstadt“ mit kultureller und kulinarischer Nutzung des öffentlichen Raums in der Altstadt erfolgreich initiiert. Die verheiratete Mutter zweier erwachsener Kinder engagierte sich viele Jahre in der Kufa, der Kulturfabrik Hoyerswerda (vergleichbar mit der Telux in Weißwasser). Ihre mitunter für andere anstrengende Art, nicht nur von sich selbst immer mindestens 120 Prozent zu erwarten, kam über die Jahre nicht in jeder Amtsstube gut an.

Im Sommer 2020 trat sie als parteilose Kandidatin (mit Unterstützung von Linkspartei, Bündnis 90/Grüne und Wählervereinigung Aktives Hoyerswerda) bei der Oberbürgermeisterwahl an. Im zweiten Wahlgang wurde sie Zweite. Von ihrer anfänglichen Enttäuschung ließ sie sich aber nicht unterkriegen. Bei einem Gespräch mit Wahlsieger Torsten Ruban-Zeh (SPD) fand man vorsichtig gesagt nicht zusammen. „Schade“, bedauert es der neue Rathauschef. Sie erklärt: „In Weißwasser hat sich eine Tür geöffnet, die es hier nicht gab.“

Drei Bewerber standen zur Wahl

Im September 2020 war die Leitung des Baureferats in Weißwasser ausgeschrieben worden. Mit dem Hinweis, dass eine Personalfindungskommission aus Mitarbeitern der Verwaltung und Stadträten mit der Nachfolgesuche für den langjährigen Baureferatsleiters Thomas Böse betraut sei. Drei Bewerber standen zur Wahl. Sie stellten sich den Stadträten in Weißwasser in einer nichtöffentlichen Sitzung persönlich vor. Der Beschluss zur Nachfolge sei mit klarer Mehrheit gefasst worden, heißt es.

Kein Einwand der Rechtsaufsicht

Dorit Baumeister erfuhr von der schon vorher veröffentlichten Ausschreibung zur Nachfolgersuche in der Nachbarstadt nach dem zweiten Wahlgang. Zuvor schon hatte sie sich Tipps zur Führung einer Kommune unter anderem bei Weißwassers OB Torsten Pötzsch (Klartext) geholt, welcher sie bei einer Wahlkampf-Gesprächsrunde in Hoyerswerda unterstützte. „Mir gefällt seine engagierte und progressive Art“, sagt sie als seine nunmehrige Mitarbeiterin über ihn. Grundsätzlich seien Weißwasser und Hoyerswerda nicht so verschieden: „Es gab in den letzten dreißig Jahren vergleichbare Erfahrungen, die Menschen haben Ähnliches erlebt.“ Und an Weißwassers Stadtoberhaupt schätzt sie noch etwas: Der sächsische Sprecher der kommunalen Lausitzrunde habe verstanden, dass sich die Zukunft nur regional sowie im Netzwerk der Städte und Gemeinden gestalten lasse.

Am 1. Februar sollte Dorit Baumeister die neue Stelle als Chefin des Baureferats antreten. Am Sonntag zuvor ging in der Verwaltung die Mail eines Stadtrats ein, der in seinem eigenen wie im Namen seiner Fraktion das Auswahlverfahren, die Entscheidung wie auch die Personalie an sich kritisierte. Der Abschluss des Arbeitsrechtsverhältnisses widerspreche allen kommunal- und personalrechtlichen Regeln im öffentlichen Dienst. OB Torsten Pötzsch wurde aufgefordert, Widerspruch gegen den Ratsbeschluss einzulegen, um Schaden von der Stadt abzuwenden. Vorsorglich wurde außerdem auf eine mögliche Anfechtung des Beschlusses vor dem Arbeits- und Verwaltungsgericht hingewiesen.

Im Rathaus wollte man diese Kritik nicht auf sich sitzenlassen. „Die Stadtverwaltung hat mit der Rechtsaufsicht des Landkreises alle Einwendungen geprüft und unter anderem mit der Architektenkammer Sachsen und dem Arbeitgeberverband alle Punkte geklärt. Die Neubesetzung ist korrekt“, erklärt Stadtsprecher Wulf Stibenz. Und mit der Unterschrift von Frau Baumeister sei sie nun abgeschlossen.

Für die Hoyerswerdaerin wird es eine große Herausforderung, in die Fußstapfen ihres langjährigen Vorgängers Thomas Böse zu treten, der in Weißwasser jeden Pflasterstein kennt. Heute wird er ein letztes Mal im Stadtrat Rede und Antwort stehen. Morgen ist sein letzter regulärer Arbeitstag, am Freitag hat er frei – und mit dem Monatsende war‘s das dann für ihn.

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