SZ + Weißwasser
Merken

Im Park gibt’s Wissen zur Stadtgeschichte

Der neu gestaltete Jahnpark ist fertig und hat nun auch einen Punkt, an dem an Weißwassers erstes Eisstadion erinnert wird.

Von Sabine Larbig
 4 Min.
Teilen
Folgen
Klaus Hirche, Eishockey-Legende von Weißwasser, setzte sich lange für eine Erinnerung ans einstige Natureis-Stadion im Jahnpark ein. Nun gibt es Info-Tafel und Findling.
Klaus Hirche, Eishockey-Legende von Weißwasser, setzte sich lange für eine Erinnerung ans einstige Natureis-Stadion im Jahnpark ein. Nun gibt es Info-Tafel und Findling. © Joachim Rehle

Ein Findling mit Textplatte und eine große touristische Informationstafel stehen seit wenigen Tagen dort, wo professionelles Eishockey in der Stadt seinen Anfang nahm: im Jahnpark. „Man kann es sich nicht mehr vorstellen. Aber da stand der Sozialtrakt, ein einfacher Bau mit Umkleiden. Es gab Zuschauertraversen, die aber eines Tages einfach abrutschten, weil hier Altbergbaugebiet ist. Und wir hatten feste Banden, die den Puck hielten“, erinnert sich Klaus Hirche, Eishockey-Legende, Torhüter und langjähriger DDR-Nationalspieler aus Weißwasser. Der „Mann mit der schwarzen Maske“ erinnert sich noch genau an die Anfänge seiner Karriere im ersten Natureisstadion der Stadt. Von ihm und dem Teich sind nur ein Mini-Tümpel und Treppenfragmente übrig. Dennoch waren sie die Basis für regulären Spielbetrieb – obgleich Eishockey nur auf dem gefrorenen Teich möglich war.

Erinnerung an Natureis-Stadion

„Bei Spielen der Männer mussten wir Jugendlichen die Spielfläche präparieren. Dafür fuhr ein Schlitten mit Fass, aus dem Wasser über Rohre lief, über den Teich. Wir verteilten es mit Wischmobs gleichmäßig, trotzdem bleiben Pfützen und Unebenheiten. Trainiert und gespielt wurde selbst bei Regen und Sturm und den dadurch schwankenden, selbstgebauten Lampen“, erzählt Hirche bei der Einweihung der Tafel für den vergessenen Ort, an dem die Weißwasseraner Cracks von 1950 bis 1959 spielten und neun DDR-Meistertitel holten, bevor das Wilhelm-Pieck-Kunsteis-Stadion für 12.000 Zuschauer öffnete.

Obwohl Eishockey in Weißwasser nachweislich seine Geburtsstunde noch früher auf dem Braunsteich hatte und es seit 1932 einen Verein gibt, gilt das Natureisstadion im Jahnpark als Meilenstein, weshalb sich Klaus Hirche lange mühte, den Ort der Stadt- und Vereinsgeschichte hervorzuheben. Dafür lagerte er sogar viele Jahre einen aus seiner Sicht geeigneten Findling im Vorgarten. Alle Versuche scheiterten, bis er sich an Verantwortliche bei Glasmuseum und Unesco-Geopark „Muskauer Faltenbogen“ wandte und auf Interesse stieß.

Die Aufwertung des Jahnparks, grüne Oase mitten in Weißwasser, war eines der großflächigsten Förderprojekte in der Stadt. Erhalt und Weiterentwicklung sind auch nötig, weil der Park große Bedeutung für die Identität der Stadt hat.
Die Aufwertung des Jahnparks, grüne Oase mitten in Weißwasser, war eines der großflächigsten Förderprojekte in der Stadt. Erhalt und Weiterentwicklung sind auch nötig, weil der Park große Bedeutung für die Identität der Stadt hat. © Sabine Larbig

Die Einrichtungen arbeiteten 2017 mit drei Schülerinnen des Landau-Gymnasiums Weißwasser an einem Projekt, bei dem sich intensiv mit der Stadtgeschichte auseinandergesetzt wurde. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen Faltenbogen-Geologie, lokalen Rohstoffvorkommen, industrieller Entwicklung sowie Stadtplanung sichtbar zu machen und selbst bereits Verschwundenes zu integrieren. Aus dem Projekt entstand die Glasroute. Sie führt Stadtspaziergänger inzwischen von Bahnhof über Gelsdorfhütte, Glasmuseum, Bärenhütte, Grube Hermann, Telux, Neu-fert-Bau bis hin zu Stölzle Lausitz und vermittelt auf Tafeln das Wichtigste zu den historischen Orten.

Glasroute verbindet Geschichte

Geld und Leistungen dafür kamen 2018 durch Förderung der Kulturstiftung des Freistaates und Privatunternehmen. „Bereits bei der Konzeption war angedacht, die Route Stück für Stück um weitere Tafeln der Stadtgeschichte zu erweitern. Dazu passte die Idee von Klaus Hirche, und ich freue mich, dass die Umsetzung nun gelang“, erklärt Glasmuseum-Chefin Christine Lehmann bei der Einweihung mit Vertretern von Eissport und Stadt. In ihrem Beisein enthüllt wurde ebenfalls der nun vom Vorgarten in den Jahnpark umgesetzte Findling samt Textplatte, den Klaus Hirche nun als „Stein des Anstoßes im positiven Sinn“ bezeichnet. Laut OB Torsten Pötzsch habe man wegen der Info-Tafel lange am sich nicht doppelnden Text gefeilt.

Fakt ist dennoch, wenn auch im weitesten Sinne, dass es Eissport und Natureis-Stadion, den einst Turnvater Jahn und seiner Sportbewegung für jedermann gewidmeten Freizeitpark, Jahnteich und sein Naturbad wegen der Geologie des Faltenbogens samt Rohstoffabbau und Industrialisierung gibt. Wieso, erklären die Glasroute-Aufsteller und im Park aufgestellte touristische Informations- und Geschichtstafeln.

Neubau und Betreibersuche im Bad

Apropos Geschichte. Die wurde in den letzten Jahren auch in Jahnpark und Jahnbad im Form von Sanierungsarbeiten fortgeschrieben. Während sie im Park, wo der Rad-Rundweg „Badesee-Tour“ entstand, abgeschlossen sind und Besucher nun Rondelle, Sitzplätze, Geländemodellierungen, Beleuchtung und Beschilderung von Wegen, Anpflanzungen von 20 Bäumen, 2.000 Weidenstecklingen und Tausenden Blumenzwiebeln vorfinden, gehen sie im Jahnbad weiter. Das Bad wurde inklusive Gebäuden zwar parallel zum Park saniert, erhielt sogar einen Caravan-Stellplatz mit Sanitärcontainer. Weil es von 1. Juni bis 31. August 2022 öffnen soll, zuvor seine Betreibung ausgeschrieben und klar sein muss, sind noch im Frühjahr infrastrukturell-bauliche Anpassungen nötig. „Für viel Flexibilität des Betreibers und Angebotsentwicklungen, um das Objekt ganzjährig nutzen zu können“, begründet Baureferatsleiterin Dorit Baumeister mit Blick auf Betreibervertrag bis 2025 und Option auf Verlängerung. Da vom Jahnpark-Gesamtprojekt noch 300.000 Euro Fördermittel übrig sind, soll ein kleiner Multifunktionsbau in Holzrahmenbauweise und mit Container überspannendem Flachdach entstehen – zur Abrundung des Badareals sowie aus technischen, funktionellen und ästethischen Gründen, die noch nicht optimal sind.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.