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Kooperation Wirtschaft und Hochschulen erhöht Chancen im Strukturwandel

Wie die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Hochschulen gehen kann, dazu zeigte am Dienstag der „Treffpunkt Wirtschaft“ viele gute Beispiele.

Zum Beispiel die Leag will neue Geschäftsfelder erschließen und dafür mit Hochschulen zusammenarbeiten.
Zum Beispiel die Leag will neue Geschäftsfelder erschließen und dafür mit Hochschulen zusammenarbeiten. ©  Wolfgang Wittchen

Weißwasser. Einwegprodukte lassen die Berge aus Plastikmüll weiter wachsen. Allein schon aus hygienischen Gründen kann man aber nicht immer auf derlei Erzeugnisse verzichten. Ein StartUp in Ebersbach hat sich der Herstellung von Einwegprodukten aus Restbiomasse der Lebensmittelindustrie verschrieben; selbstverständlich vollständig biologisch abbaubar. Hervorgegangen ist das StartUp aus dem Projekt Lander3, in dessen Rahmen an der Hochschule Zittau/Görlitz neuartige Naturfaserverbundstoffe entwickelt werden. Das dem Projekt zugrunde liegende Netzwerk ist eine von zehn regionalen Forschungspartnerschaften, die bundesweit gefördert werden – die einzige in Ostdeutschland.

Zu erfahren war das unter dem Motto „Zukunft gemeinsam gestalten“ am Dienstag beim „Treffpunkt Wirtschaft“ in Weißwasser. Dieser fand nach dem erfolgreichen Auftakt im vorigen Jahr diesmal allerdings online statt. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, dass dort Entwicklung stattfindet, wo Hochschulen angesiedelt sind. Dies sei im Norden des Kreises aber leider nicht der Fall, konstatierte Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Er verwies auf einen bayerischen Weg in den Siebzigern, wo Hochschulbereiche auch in kleineren Städten angesiedelt wurden. Davon könnte Weißwasser profitieren, ist der OB überzeugt.

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Das Modellprojekt Bauhaus 2.0 zur Erschließung eines so energiearm wie möglich funktionierenden Wohn- und Arbeitsgebiets, die Erweiterung des Industriegebiets, die Belebung der Glasfachschule, die Sanierung des Bahnhofs – Torsten Pötzsch benannte einige Beispiele, wie Weißwasser die Zukunft gestalten will. Dabei wird die Stadt auch auf Hilfen aus dem Strukturstärkungsgesetz angewiesen sein. Im Hinblick auf den Topf mit dem Kohleausstiegsgeld sieht der Rathauschef aber einige Gefahren. „Viele springen auf den Zug des Strukturwandels auf“, sagte er und mahnte das Solidarprinzip an. Das Geld müsse dort ankommen, wo die meisten Arbeitsplätze wegfallen, betonte er. Leider sei sich die Region selbst nicht einig. Es gebe keine Zuversicht, weil der erste Strukturbruch der 90er-Jahre noch nicht aufgearbeitet ist. Und es gebe keine Identität. Zudem sei viel zuwenig bekannt, was andere machen. Daher seien Veranstaltungen wie der „Treffpunkt Wirtschaft“ so wichtig. Er jedenfalls habe viel gelernt, so Torsten Pötzsch.

Neue Dimension für IT-Sicherheit

Das dürfte den zuschauenden Unternehmern nicht viel anders ergangen sein. Etwa bei der Frage, wie man zu einem IT-Sicherheitsplan kommt. Durch Corona sei die Nutzung von IT in der Arbeitswelt gestiegen, beispielsweise bei Online-Veranstaltungen, Videokonferenzen oder beim Homeoffice. „Damit ist aber auch die Gefahr durch Cyberattacken erheblich gewachsen“, stellte Alexander Reichel von der Industrie- und Handelskammer Dresden fest. Jedoch könnten sich die wenigsten Klein- und mittelständischen Unternehmen eine eigene IT-Abteilung leisten. Zudem seien Angebote auf dem Markt unübersichtlich und deren Nutzen für den jeweiligen Unternehmer oft schwer einzuschätzen, erklärte der IHK-Referent für Technologie und Innovation. Der Bund habe darauf reagiert und eine Transferstelle für IT-Sicherheit eingerichtet. Auf einer Plattform könnten Unternehmen ihren Sicherheitsbedarf ermitteln und einen IT-Sicherheitsplan erstellen lassen. Welche der auf die Firma angepassten Umsetzungsvorschläge er wann realisiert, entscheidet der Unternehmer selbst. Die IHK Dresden ist eine von bisher 30 IHKen bundesweit als regionale Anlaufstellen für die IT-Sicherheit.

Leag erschließt neue Geschäftsfelder

Ebenfalls um Sicherheit, aber in ganz anderer Hinsicht, ging es in dem Vortrag von Frank Mehlow. Der Leiter Strategische Geschäftsfeldförderung des Bergbauunternehmens Leag erklärte, wie man sich in dem Konzern den Strukturwandel vorstellt. Dafür hätte es drei Szenarien gegeben. Die Leag gemäß dem Kohleausstiegsgesetz abzuwickeln, den Konzern für eine artfremde Branche komplett umzubauen oder aber sich aus dem bestehenden Kerngeschäft heraus neu aufzustellen. Seit geraumer Zeit arbeite man daran, sich neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Der Konzern will sich vom Bergbau- und Kraftwerksbetreiber zum Energie-, Infrastruktur und Service-Unternehmen wandeln. Eine der wichtigsten Botschaften gestern: „Die Leag ist als regionales Unternehmen beheimatet und will das auch bleiben. Wir sind stark daran interessiert, mit der Region an den Themen zu wachsen“, erklärte Frank Mehlow. Als Energieunternehmen setzt die Leag künftig einen ihrer Schwerpunkte auf Erneuerbare Energien, Wasserstofferzeugung und Energiemana-gement. Die Kraftwerksstandorte sollen weiterentwickelt werden. So wird in Boxberg eine Pilotanlage zur Herstellung von Carbonfasern gebaut. Eine Vereinbarung mit dem Fraunhofer Institut ist bereits unterzeichnet. Auch mit der Bundeswehr sei man „in guten Gesprächen“.

Bund fördert auch Unternehmen

Zur Unterstützung der Energiewende und des Klimaschutzes fördert der Bund Firmen im Rahmen des Modellvorhabens „Unternehmen Revier“. Für die Lausitz stehen jährlich 3,2 Millionen Euro bereit. Gedacht ist das Geld zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ansässiger Unternehmen, für Produktentwicklung und Digitalisierung, erklärte Projektmanager Norman Müller von der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH. Die hat bisher 240 Projektideen bewertet, 63 Firmen bis zur Antragstellung begleitet, 35 bis zur Zuwendung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geführt. Die Nachfrage nach dem Programm mit einer Förderquote von 60 Prozent sei gestiegen, der Beratungsaufwand ebenso. Gern gesehen sei die gewollte Kooperation von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Wie die funktionieren kann, da zeigte der „Treffpunkt Wirtschaft“ gestern etliche erfolgversprechende Beispiele auf. „Ein Erfolgsgeheimnis könnte die regionale Verzahnung der Forschungs- und Entwicklungsthemen sein“.

Dass Strukturwandel nur gemeinsam gelingen kann, darin waren sich alle einig. Die Online-Veranstaltung hatte den Vorteil, dass sich Teilnehmer aus ihren Büros zuschalten konnten. Dass man nur die Referenten sah, war ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Und dass man anschließend – wie für einen „Treffpunkt Wirtschaft“ üblich – nicht gleich noch untereinander ins Gespräch kommen konnte, dürften manche der 32 Zuschauer als Nachteil empfunden haben. Gelohnt hat es sich dennoch.

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