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„Kostenloses Bauland im Outback!“

Weißwasser ist besonders und soll es bleiben. Entdeckungen und Gedanken zu einer Stadt zwischen den Welten – eine Kolumne von Gregor Schneider.

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Nicht zu verkaufen, wie wäre es mit verschenken?
Nicht zu verkaufen, wie wäre es mit verschenken? © dpa-Zentralbild

Na, wurden Sie von der reißerischen Überschrift angelockt und wollen wissen, wo die Parzellen liegen? So viel: nicht hier. Wobei steigende Inzidenzen bei niedrigen Bodenpreisen zurzeit die Großstädter bestimmt wieder über das Leben auf dem Land nachdenken lassen. Zudem locken allerlei Jobs. So kommet, ihr Leute!

Natürlich zieht nicht jeder einfach so mit Sack und Pack hier her „in den Winkel“. Es braucht schon ein paar reizvolle Argumente. Das hat sich wohl auch der Gemeinderat von Quilpie gedacht, einem 600-Seelen-Kaff im australischen Outback, als er beschloss, 1.000 Quadratmeter große Grundstücke kostenfrei denen zur Verfügung zu stellen, die hinziehen, ein Haus bauen und mindestens sechs Monate bleiben. Man hoffte auf ein paar Interessenten, wurde aber binnen zwei Wochen von über 250 Anfragen aus dem In- und Ausland überrollt. Hintergrund der Aktion war, dass der Ort dringend Fachkräfte benötigt.

Da klingelt es doch – geht es uns nicht genau so? Überall werden Leute gesucht, in der Medizin und Pflege, in Schulen, in Handel, Gastronomie, Handwerk, Behörden und Industrie. Und wie bekommen wir gute Leute nach Weißwasser? Etwa mit der Aussicht auf die guten ÖPNV-Verbindungen? Oder mit einer herausragenden Bildungslandschaft? Das im Vergleich zum polnischen Nachbarland beachtliche Lohnniveau könnte man auch noch nennen, doch wären das alles nicht wirklich schlagende Argumente. Die kleine australische Gemeinde hat einfach mal etwas „Wildes“ gewagt – und gewonnen. Außerdem gab es weltweite Aufmerksamkeit obendrauf. Nicht, dass so etwas auch hier passieren könnte, aber es zeigt, dass ein Gemeinderat schon in die Zukunft denken und auch mutig sein darf, zumal wir im Standortwettbewerb mit anderen leben und nicht gerade die Favoritenrolle innehaben. Da braucht es vielleicht auch mal gewagte Ansätze– zum Wohle der Gemeinde.

Ja, Quilpie ist ein Dorf, Weißwasser eine Große Kreisstadt. Und wenn alle lang genug überlegen, wird es noch ausreichend andere Gründe geben, warum dieses und anderes hier keinesfalls funktioniert. Dann lässt man es lieber und schaut anderen zu, wie sie es machen. Zum Beispiel die besser vergleichbare brandenburgische Stadt Wittenberge. Da geht einiges, da passiert Zuzug, sogar von jungen Leuten! Ob Quilpie, Wittenberge oder Weißwasser, aktives Werben für den Standort kann viele Gesichter haben. Doch (wage-)mutige Entschlüsse erfordern Einigkeit. – Ein dickes Brett, das da zu bohren wäre ...

Vielleicht schaut man sich erst mal nach neuen Partnerstädten um. Das lässt frischen Wind ’rein. In Österreich gehen viele kleine, teils abgelegene Städte mutige und pfiffige Wege, um sich attraktiv zu machen. Dort gäbe es übrigens auch ein Weißwasser – allerdings ein ganz kleines Nest. Und wem auch Quilpie zu kaffig ist: Nur gut 700 Kilometer östlich davon, also für Australien fast um die Ecke, liegt Blackwater – Schwarzwasser, eine von Kohletagebauen umgebene Kleinstadt. Die Zeit für gute, auch mal aufsehenerregende Ideen für die Zukunft von Weißwasser ist jetzt! Dumm wäre nämlich, wenn hier neue Jobs entstehen und keiner wäre, der sie macht. Spätestens dann wird der Bodenpreis gegen Null gehen müssen.

Unser Autor Gregor Schneider ist gebürtiger Weißwasseraner und Rückkehrer. Der Stadtplaner begleitet aktiv die Transformation der Heimatregion. Hier äußert er seine privaten Gedanken zum Stadtgeschehen.

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