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Das Lausitz-Festival wächst weiter

80 Events an 50 Orten der sächsischen und brandenburgischen Lausitz warten auf Besucher. Und es kommen Weltstars.

Miacheal Kretschmer (vorn) war nach der Vorstellung des Programms gefragter Gesprächspartner. Länder und Bund wollen das Festival langfristig sichern.
Miacheal Kretschmer (vorn) war nach der Vorstellung des Programms gefragter Gesprächspartner. Länder und Bund wollen das Festival langfristig sichern. © Sabine Larbig

Das Lausitz-Festival soll Menschen zusammenbringen, sie stark machen, selbstbewusst, soll ihnen klarmachen, welche Schätze und Reichtümer ihre Heimat birgt, und dass dies auch anderen gefällt.

Als Daniel Kühnel, Intendant des noch jungen Festivals, vorigen Freitag bei der Pressekonferenz in der Görlitzer Stadthalle gefragt wurde, wie er es schaffe, so zahlreiche international bekannte Künstler in die Lausitz zu holen, antwortete er, das sei gar keine große Zauberei. Wenn man den größten, bekanntesten, berühmtesten Künstlern, aber auch anderen, von der Lausitz samt Vielfalt, Menschen und Herausforderungen nach der Braunkohle erzähle, seien viele berührt. „Dann fühlen sie sich in ihrem Kunstmachen ernstgenommen und sagen: Da will ich hin.“ Das zeige sich darin, dass manche Künstler von 2020 in diesem Jahr wiederkommen. „Aber wenn wir und die ganze Region nicht so gastfreundlich wären, würden sie nicht kommen“, bekennt Kühnel, der das diesjährige Programm als „Füllhorn und Feuerwerk“ bezeichnet. Das zweite Lausitz-Festival, es findet vom 25. August bis 18. September an 50 verschiedenen Orten statt, präsentiert sich noch vielfältiger als 2020. Aus den damals 50 Veranstaltungen sind 80 geworden. Darunter Theater, Konzerte, Jazz, Liederabende, Literatur, Gesprächsrunden mit Philosophen, Filme und Ausstellungen.

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Ein Stück für die Telux

Und das Lausitz-Festival kehrt auch zurück an Spielorte vom Vorjahr, wie der Telux in Weißwasser. „Der Auftakt 2020 mit der wirklich tollen Videoinstallation war so großartig, dass wir unbedingt wieder hier sein wollten“, bekennt Kühnel. Diesmal eröffnet das Festival mit der Theaterinstallation „Euro Hamlet“ eine ganz neue Halle, die Danner-Halle. „Sie soll künftig für die Lausitz als neue Spielstätte zur Verfügung stehen. Auch das kann das Festival“, so Kühnel stolz. Neu, und eigens für das Telux-Gelände von Regisseur Filip Markiewicz entwickelt, ist auch das Stück, das dort vom 27. bis 29. August zu erleben ist und den historischen Kontext der Region vorm Hintergrund des Shakespeare-Stoffes beleuchtet.

Erstmals trifft das Festival in Weißwassser auch auf zeitgenössische Poesie, wobei Schüler in Workshops unter Anleitung der „Spoken Word“-Künstlerin Jessy James La Fleur eigene Gedichte schreiben und sich im freien Vortrag vor Zuschauern üben.

Was die neue Sparte Film betrifft, so ist sie in der ersten Septemberwoche im Theater am Ohr in Boxberg angesiedelt. Gezeigt werden internationale Streifen unterschiedlicher Genre sowie „Morgenröte im Aufgang“, eine Hommage an den Görlitzer Mystiker und Visionär Jakob Böhme.

„Und wir haben die Kunstsparte im Fürst-Pückler-Park von Bad Muskau konzentriert“, blickt der Festival-Intendant voraus, der zudem die Zusammenarbeit mit Stiftungschef Cord Panning lobt. „Man kann ihn anrufen und er sagt ‚Ja‘ und es wird. Ich weiß nicht, wie er es macht.“ Ergebnis der unbürokratischen Kooperation ist eine Ausstellung, die vom 27. August bis 18. September Werke aus der Schenkung Sammlung Hoffmann zeigt. „Die Sammlung hat internationale Relevanz“, so Cord Panning. „Der Eiskeller der alten Brauerei wird damit ebenso wie das Kavaliershaus und der Gang unter der Schlossrampe aktiviert und mit eindrucksvollen Installationen in Szene gesetzt. Es wird ein ungewöhnlicher Kontrast zum sommerlichen Park.“ Erwartet werden im Muskauer Park zudem international bekannte Musiker. So gestalten Sopranistin Julia Kleiter und Tenor Werner Güra im Festsaal im Schloss einen Abend mit vertonten italienischen Liebesgedichten. Fünf Tage später, am 7. September, ist an gleicher Stelle zeitgenössische Kammermusik „Dreams and Prayers of Isaac the Blind“ mit dem preisgekrönten Klarinettisten Pierre Genisson und dem Quatuor Hermes zu hören. „Es ist ein sehr intensives, tolles Musikerlebnis innerhalb des Festivals“, schwärmt Cord Panning.

Daniel Kühnel, Enthusiast, Intendant und Verfechter des Lausitz-Festivals.
Daniel Kühnel, Enthusiast, Intendant und Verfechter des Lausitz-Festivals. © Sabine Larbig

Apropos Erlebnis. Zu den Künstlern, die 2020 schon begeistert vom Festival waren und wiederkommen, gehört die weltberühmte Pianistin Martha Argerich, die diesmal am 9. September im Görlitzer Theater auftritt – im Rahmen eines Liederabends mit Werken von Mussorgski und Strawinsky. Zwei Tage später spielt sie im Staatstheater Cottbus mit dessen Philharmonikern. Erstmals beim Festival auftreten werden dagegen Schauspielerin Iris Berben und Kollege Burghart Klaußner, die im Theater Cottbus lesen.

Maria Schulz, Geschäftsführerin des Görlitzer Kulturservice, die das vom Bund mit jährlich vier Millionen Euro geförderte Festival organisiert, sagt, es sei faszinierend, wie das Festival nicht nur Kunst in die Lausitz bringe, sondern auch die Menschen verbinde. Um für Veranstaltungen geeignete Orte zu finden, sei das Team in kleinen Dorfkirchen, in Schlössern, an ehemaligen Industriestandorten gewesen, die selbst Lausitzer nicht immer kennen. Dass die Menschen mobil sein müssen, um das Lausitz-Festival in seiner Gänze zu erleben, ist allerdings klar. Daniel Kühnel sagt, zwischen Senftenberg und Guben, wo im September drei Tage lang „Rein Gold“ von Elfriede Jelinek aufgeführt wird, gebe es zwar einen Shuttlebus. Aber sowas könne man noch nicht für alle Orte leisten.

Bei der großen Ankündigung des Festivals in der Görlitzer Stadthalle waren auch die Schirmherren, die Ministerpräsidenten von Sachsen und Brandenburg dabei: Michael Kretschmer persönlich, Dietmar Woidke via Übertragung. Woidke sagte, er sei zuversichtlich, dass das Lausitz-Festival eine große Strahlkraft nach außen entwickele. Denn Zeiten, da man Kultur weniger wichtig als die wirtschaftlichen Entwicklung einer Region sah, seien zum Glück vorbei. Heute wisse man, dass Unternehmen bei Ansiedlungen auch schauen, wie attraktiv eine Region für Mitarbeiter sei. Da seien Kunst und Kultur enorm wichtig.

Potenzial, das anziehen kann

„Wenn mancher sagt, das Problem der Lausitz sei nicht der Struktur-, sondern der demografische Wandel, so muss man eindeutig sagen“, erklärte Sachsens Ministerpräsident Kretschmer, „das eine hängt mit dem anderen zusammen. Eine Region, die innovativ ist, zu Veränderung bereit und so viel Potenzial hat wie die Lausitz, kann junge Menschen anziehen.“ Dazu trage auch das Festival bei, das viele Partner – wie SPD-Abgeordneten Thomas Jurk aus Weißkeißel – habe, die empfahlen, beim Strukturwandel auch auf Kultur als Zeichen für die Lausitz zu setzen. „Ich glaube daran, dass Zukunft gestaltbar ist. Die feurig rote Farbe des Festivals ist ein Zeichen für Elan und Kraft der Lausitzer“, so Kretschmer.

Infos zu Programm/Karten gibt es hier.

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