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Kulturszene in Weißwasser bringt sich in Stellung

Ein Saisonstart zu Ostern ist im SKZ Telux eher unrealistisch. Doch es gibt viele Termine und Ideen für den Sommer.

Patrick Pirl (li.) und Sebastian Krüger beim Aufbau von Fab-Labor-Technik.
Patrick Pirl (li.) und Sebastian Krüger beim Aufbau von Fab-Labor-Technik. © SKZ/Hüßler

Weißwasser. Oster-Deko-Sträucher zieren das Außengelände und im Gebäude-Inneren Fensterbänke und Tische. Noch können sich nur wenige Menschen daran erfreuen. Denn im Soziokulturellen Zentrum (SKZ) Telux in Weißwasser herrscht, wie anderswo im Freizeit-- und Kulturbereich, weiter Corona-Lockdown. Doch die Macher sind startbereit, können jederzeit loslegen.

„Wie überall in der Kulturszene bringen auch wir uns langsam in Stellung, stehen schon mit einem Fuß im Startblock“, umschreibt Sebastian Krüger die Lage. Trotz staatlich verordneter Zwangspause hat die Szene auch in Weißwasser im Hintergrund an Plänen, Ideen, Konzepten, Terminen und Durchführungsvarianten für Veranstaltungen gearbeitet. Digitale Angebote wie Mitschnitte von einstigen Konzerten, Livestreams regionaler Künstler oder DJs vor Videokameras in besucherfreien Räumen – beispielsweise anlässlich der abgesagten Christmas City-Party oder beim virtuellen Adventskalender der Stadt – gab es ebenfalls, um den Menschen wenigstens per Social Media Unterhaltung und Musik näherzubringen. Dies galt auch für Formate wie Poetry Slam „Worte aus Glas“ oder die Porträt-Serie „Hafenstube & Friends“. Direktkontakte blieben ausgeschlossen. Das soll sich bald ändern.

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Depeche Mode geht wohl noch nicht

„Die Depeche-Mode-Party zu Ostern wird es wohl noch nicht geben. Es sei denn, Lockerungen machen es möglich. Prinzipiell planen wir mit festen Terminen erst ab 2. Halbjahr 2021. Dafür in Richtung Normalität“, erklärt Sebastian Krüger vom SKZ. Und dies, obwohl ausgefallene und noch nicht mögliche Veranstaltungen inhaltlich und finanziell schwer wiegen. „Einnahmeverluste tun weh, weil Geld für die gesamte Arbeit des Hauses fehlt, da institutionelle Förderung allein nicht reicht.“ Überhaupt sei nicht abschätzbar, so der Kulturexperte, wie sich Corona langfristig auf die Kulturlandschaft, auch in Weißwasser, auswirke. „Umso wichtiger ist es, jetzt mit Optimismus und Vorfreude zu planen.“

Dabei sind die Macher im SKZ schon einige Schritte weiter, können in allen Bereichen – sobald unter gewissen Bedingungen möglich – die Türen wieder für Besucher öffnen. Vorhanden sind verschiedene Konzeptvarianten für Neustarts von Werkstätten und Arbeitsgemeinschaften über Theateraufführungen, Kochkurse, Tauschbörsen bis hin zu Abenden mit Spielen, Kino, Barmusik und Konzerten. Die Basis wurde in den letzten Monaten geschaffen: mit Teamwork per Mailverkehr und Videokonferenzen, mit Kreativität und viel Engagement. Weil auch Künstler, selbst namhafte wie Toni Krahl und Veronika Fischer, endlich wieder vor Publikum spielen wollen, kommen sie diesen Sommer ins SKZ Telux.

Gearbeitet wurde und wird im SKZ zudem an der inhaltlichen Erweiterung von Angeboten. Laut Robert Seidel von der Medienstube startet noch im März ein Aufruf an Jugendliche zur Ideenabgabe für oder zum Mitmachen bei neuen Digital- sowie Präsenz-Formaten. Fast startreif ist auch das Fab-Labor der Hafenstube des SKZ. Das Fabrikationslabor ist eine offene Werkstatt mit dem Ziel, vorrangig Jugendlichen den Zugang zu modernen Geräten und Fertigungsverfahren für Einzelstücke zu ermöglichen. Typische Geräte dafür sind 3D-Drucker, Laser-Cutter, CNC-Maschinen, Pressen zum Tiefziehen oder Fräsen, um unterschiedliche Materialien und Werkstücke bearbeiten zu können. Fab-Labs erlauben so die Anfertigung individualisierter Einzelstücke: aus Abfallprodukten wie Plastik nachhaltig produzierte Neuerzeugnisse – oder nicht mehr verfügbare Ersatzteile.

Zudem wird das Labor Kindern und Jugendlichen innerhalb schulischer Ganztagsangebote und in der Freizeitgestaltung zur Verfügung stehen und sie mit der Zukunftstechnologie und ihrer praktischen Anwendung an mögliche künftige Handwerksberufe heranführen. Finanziert wird die technische Erstausstattung des Labors in Weißwasser, mit Annaberg-Buchholz und Löbau eines von drei Pilotprojekten in Sachsen, durch die Drosos-Stiftung. „Die ersten Geräte wie Thermopresse, 3-D-Scanner und -Drucker sind da. Kontakte zu Schulen laufen, und ebenso zum Fab-Labor in Löbau, mit dem wir im Sommer in Weißwasser ein Ferien-Angebot für Kinder ab 12 Jahren durchführen “, blickt Patrick Pirl voraus.

Für den Neustart investiert wurde beim SKZ ebenfalls in Hygieneschutz wie Desinfektionsspender und in Digitaltechnik für entsprechende Formate oder Konferenzen. Geld kam vom Bundeskulturministerium. Doch es wurde während des Lockdowns auch viel in Eigeninitiative getan. So hat der Tagungsbereich nun eine eigene Kaffeeküche. „Durch Corona hatten wir dafür etwas Freiraum und auch fürs Aufhübschen des Bürotrakts“, sagt Patrick Pirl.

Inzwischen können bei Bau- und Renovierungsarbeiten auch wieder Jugendliche über Sozialmaßnahmen praktisch helfen. „Die sind froh, dass es wieder losgeht“, weiß Pirl. Dies gelte auch für die Hoffnung auf baldige Normalität. Gute Digitalangebote, so Sebastian Krüger, könnten Liveformate, Treffen und Kontakte nicht ersetzen.

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