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Landkreis plant Bürgerbüro in Weißwasser

In Räumen des Rathauses schafft die Kreisverwaltung eine Anlaufstelle für Dienstleistungen. Eröffnung ist im Mai 2022.

Om September 2020 wurde das Bürgerbüro des Landkreises in Löbau eröffnet. Im Mai 2022 soll eines in Weißwasser folgen.
Om September 2020 wurde das Bürgerbüro des Landkreises in Löbau eröffnet. Im Mai 2022 soll eines in Weißwasser folgen. © Matthias Weber/photoweber.de

Ab dem nächsten Jahr will der Landkreis ein Bürgerbüro in Weißwasser betreiben. Nach dem Standort in Löbau, der im September 2020 eröffnet wurde, soll der in der Glasmacherstadt „ein zweiter Pilot“ sein. An beiden Orten will man sozusagen genauer hinschauen, was sich bewährt und was verändert werden muss, um es an den weiteren drei in Zittau, Niesky und Görlitz bis 2024 geplanten Standorten besser machen zu können. Das Ganze nennt sich Verwaltung 4.0 und meint eine Verwaltungsmodernisierung des Landkreises. Unter dem Schlagwort Bürgerservice ist das Projekt im Hauptamt der Kreisverwaltung angedockt. Dessen Leiter Sebastian Twork erläuterte das Vorhaben jetzt im Haupt- und Sozialausschuss (HSA) des Stadtrats.

Kürzere Wege zur Verwaltung

Um die Verwaltung des Landkreises moderner zu machen, soll sie in einem Verwaltungscampus in Görlitz zentralisiert und damit Verwaltungsprozesse optimiert werden. Im Gegenzug erwarten die Bürger in der Fläche mehr Service vor Ort. Und nicht zuletzt möchte der Landkreis im Wettbewerb um Fachkräfte auch künftig ein attraktiver Arbeitgeber sein. Wie man all das am besten unter einen Hut kriegt, hat man sich nach Aussage von Sebastian Twork im Landkreis Ludwigslust-Parchim angeschaut. Daraus sei dann ein Grobkonzept für den Kreis Görlitz entwickelt worden – mit fünf Bürgerbüros in den Mittelzentren. „Unser Anspruch ist, dass künftig kein Bürger für eine Dienstleistung der Kreisverwaltung weiter als 30 Kilometer fahren muss“, sagte er. Unter dieser Prämisse sei das Feinkonzept zu den organisatorischen, personellen, technischen und räumlichen Voraussetzungen entstanden.

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Service des Kreises aus einer Hand

Die Bürgerbüros bieten ausgewählte Leistungen: Führerscheinangelegenheiten bis hin zum EU-Pflichtumtausch, die Beantragung von Wohngeld und alle Anliegen zum Schwerbehindertenrecht. Später sollen auch Anträge zum Kita-Beitrag möglich sein. Noch andere Bereiche seien vorstellbar. In Löbau werde als eine allgemeine Dienstleistung beispielsweise auch die Beglaubigung von Urkunden angeboten.

Für all das würden Front- und Back-Office, also die Bereiche mit und ohne Kontakt zu den Bürgern, getrennt, wie es anderswo schon üblich sei. Das habe den Vorteil, dass sich die Mitarbeiter im Front-Office den Kunden ungestört zuwenden können, wobei spezielle Anfragen auf direktem Draht an die Zuständigen in der Behörde weitergeleitet werden. Im hinteren Bereich, wo auch immer der sich dann räumlich befindet, sei damit mehr Zeit für die eigentliche Sacharbeit. „Das setzt aber eine starke Digitalisierung voraus. Denn niemand will die Anträge zur weiteren Bearbeitung durch den ganzen Landkreis fahren“, betonte er.

Im Bürgerbüro in Weißwasser werden ein Teamleiter und drei Sachbearbeiter tätig sein. Derzeit laufe die zweite Runde des Auswahlverfahrens. Man habe sich bewusst für den Standort im Rathaus entschieden – wegen der Nähe zur Stadtverwaltung, der Parkplätze, der Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Personennahverkehr und der Innenstadtnähe. Der Zugang erfolgt von der Dr.-Altmann-Straße aus.

Der Umbau ist im Gange. Die Herausforderung besteht in dem erheblichen Höhenunterschied der beiden Gebäude. Dieser soll mit einer Plattform überbrückt werden. Im Zentrum sind ein Thekenarbeitsplatz etwa für Terminvergabe oder die Abgabe von Unterlagen sowie der Wartebereich vorgesehen, dazu ein separater Arbeitsplatz, wo körperlich beeinträchtigte Bürger ihre Fragen klären können. Über eine Rampe gelangen Menschen im Rollstuhl barrierefrei ins Bürgerbüro, wo sie im Erdgeschoss alle Anliegen erledigen und auch das Kassenterminal finden. Für alle anderen Bürger geht es eine halbe Etage tiefer zu den drei Beratungsplätzen. Alles wird mit viel Glas und unter Beachtung datenschutzrechtlicher Belange gestaltet. Etwas abgetrennt sind Toiletten, Personal- und Wirtschaftsraum sowie ein Team-Raum für Besprechungen und Schulungen geplant.

Kooperation mit der Stadt

Im zweiten Bauabschnitt wird das Obergeschoss ertüchtigt. Dorthin soll auf eine Fläche von 100 Quadratmetern das Archiv der städtischen Verwaltung umziehen, welches sich bisher noch im unteren Bereich befindet. Doch dafür muss wegen der hohen Lasten des Archivguts die Decke durch Stahlbeton ersetzt werden, erklärte Herr Neumann von der RDS Planungsgesellschaft mbH. Die neue Decke soll in zwei Wochen eingezogen werden, danach die Trockenbauarbeiten beginnen. Das werde sich wohl bis Ende 2021 hinziehen. „Bis dahin gibt es keine Baufreigabe für das Erdgeschoss“, sagte er.

Das Bürgerbüro in Weißwasser soll im Frühjahr 2022 eröffnet werden. Ursprünglich war das für April vorgesehen, wegen langer Lieferfristen sei mit der Inbetriebnahme nicht vor Mai zu rechnen, kündigte Twork an. Durch die Nähe zur Stadtverwaltung bietet sich eine direkte Kooperation mit der Stadt an. Es sei im Interesse der Bürger, wenn sie etwa im Falle eines Umzugs gleichzeitig die Ummeldung beim Einwohnermeldeamt und des Fahrzeugs erledigen könnten. „Das aber ist noch Zukunftsmusik“, dämpfte er Erwartungen.

Aufwertung des Rathauses

Der Landkreis wird für sein Bürgerbüro eine Fläche von 240 Quadratmetern nutzen. Der Rest sei noch in der Planung, man würde das Haus gerne wieder neu beleben, ließ Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) im HSA wissen. Im Gespräch mit TAGEBLATT hatte er vorab das Bürgerbüro als „ein richtiges Zeichen“ bewertet, da ja die Zentralisierung der Kreisverwaltung ihren Vorteil habe, der Service für Bürger aber ausgebaut werden müsse. Bislang konnten diese einige Anliegen in Niesky klären, in Weißwasser jedoch so gut wie gar nichts. Seit 2019 seien Kreis und Stadt im Gespräch gewesen, bis die Entscheidung für die Räume im Rathaus fiel, die noch DDR-Standard aufweisen. Er freue sich, dass mit dem Projekt ein Teil des Rathauses aufgewertet wird. „Das Bürgerbüro in Weißwasser als ersten Schritt auszubauen, statt im Landratsamt in Görlitz, wäre bei den Bürgern hier besser angekommen“, sagte er.

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