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Leag stellt Weichen für ihren Umbau

Das Energie-Unternehmen konzentriert sich vermehrt auf alternative Energien – und leitet einen Generationswechsel ein.

Die Lausitz Energie Bergbau AG mit ihren Tagebauen und Kraftwerken will Teil des Strukturwandels sein. Das versicherte Vorstand Hubertus Altmann (re.) der Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp- Karrenbauer und dem sächsischen Ministerpräsidenten
Die Lausitz Energie Bergbau AG mit ihren Tagebauen und Kraftwerken will Teil des Strukturwandels sein. Das versicherte Vorstand Hubertus Altmann (re.) der Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp- Karrenbauer und dem sächsischen Ministerpräsidenten © Gernot Menzel

Das Kraftwerk Boxberg ist eines der modernsten Braunkohlekraftwerke Europas. Doch die Kohleverstromung ist endlich, wie bekannt ist, was nicht nur mit den bis maximal 2042 beschränkten Ressourcen im Tagebau Nochten zu tun hat. Seit dem Sommer 2020 steht fest, dass die ersten beiden Kraftwerksblöcke Ende 2029 vom Netz gehen, die Blöcke Q und R mit der längsten Betriebserlaubnis wohl erst 2038. Bei der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) macht man sich aber längst Gedanken, wie es nach dem Kohleausstieg weitergehen soll. „Wir wollen Teil des Strukturwandels sein“, hatte der für Kraftwerke zuständige Leag-Vorstand Hubertus Altmann neulich im Gespräch mit Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Ministerpräsident Michael Kretschmer (beide CDU) bekräftigt.

Zukunft mit neuen Geschäftsfeldern

Die beiden waren am 31. März nach Boxberg gekommen, um im Besucherzentrum des Kraftwerks eine Vereinbarung über die Beteiligung der Bundeswehr am Strukturwandel in der sächsischen Lausitz zu unterzeichnen. Bei der Gelegenheit ging Hubertus Altmann auf die verstärkte Hinwendung der Leag zu alternativen Energiequellen ein. Und womöglich ergebe sich ja auch für das Kraftwerk Boxberg in irgendeiner Form eine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. „Es wäre doch schade, wenn man die Gebäude und Anlagen nicht nachnutzen würde“, so Kraftwerksleiter Carsten Marschner. Auch der für das Weiterbildungszentrum der Leag zuständige Leiter Martin Heusler hofft, dass es eine Kooperation mit der Bundeswehr gibt.

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Wesentlich deutlicher war Leag-Vorstand Hubertus Altmann schon Anfang Januar im Gemeinderat Schleife geworden. „Wir wollen uns stärker in den erneuerbaren Energien engagieren“, hatte er dort angekündigt. Man werde „das Interesse mit gutem Willen und Bereitschaft unterlegen“, um auch nach außen hin viel stärker als Ansprechpartner für erneuerbare Energien wahrgenommen zu werden. Und das mit Leistungen aus einer Hand: Die Leag plant und errichtet die Anlagen selbst, betreibt sie selber und vermarktet auch den Strom. So der Plan. Ein konkretes Grundstück für eine Solaranlage habe man – im Gegensatz zu anderen Investoren aus Hamburg und München – in der Gemeinde Schleife aber noch nicht im Auge.

Standort Boxberg soll weiterentwickelt werden

Auch für die Gemeinde Boxberg werde bewertet, inwieweit sich die Leag dort womöglich in der Stromerzeugung aus Sonnenenergie engagieren könnte. Im dortigen Gemeinderat stellte Kraftwerksleiter Carsten Marschner im November 2020 das Projekt Max 4 vor, eine Mitverbrennungsanlage für kommunale Abfälle im Kraftwerk Boxberg. Der Antrag auf Genehmigung soll 2021 gestellt werden und, wenn es nach der Leag geht, der Probebetrieb 2022 beginnen. Marschner bezeichnete das Vorhaben als „ein Signal, dass wir den Standort Boxberg weiterentwickeln“. Damit wolle man nicht erst bis 2035 warten.

Mit Sonnenenergie in die Zukunft, das will man bei der Leag schon länger. Auf den Dächern seiner Bürostandorte betreibt das Unternehmen Photovoltaikanlagen. Ende 2019 ging der erste eigene Solarpark auf dem Flugplatz Welzow in Betrieb. An Plänen für weitere Standorte werde gearbeitet. Um dies zu voranzutreiben, war 2019 das Kompetenzzentrum EP New Energies GmbH (Epne) in Berlin gegründet worden.

Man werde ein Energieunternehmen bleiben, hatten die Leag-Vertreter in Schleife betont. Aber auch, dass man sich weitere Geschäftsfelder erschließen will: Zum Teil sind es bisher nur Ideen, aber auch schon „kleine Pflänzchen“´, hieß es.

Wandel zu mehr grünem Strom

Nun vollzieht das Unternehmen innerbetrieblich den Wandel zu mehr grünem Strom – mit einem strukturell und personell veränderten Vorstand. Die Leag möchte sich als Energieversorger breit und digital aufstellen und den Anteil der erneuerbaren Energien an der Strom- und Wärmeerzeugung deutlich erhöhen. Damit trage man dem politisch gewollten Kohleausstieg Rechnung. Mit Technologie-, Infrastruktur- und Servicedienstleistungen benennt Leag-Sprecher Thoralf Schirmer weitere Schwerpunkte der Unternehmensentwicklung. Am 31. März hatten die Aufsichtsräte der Lausitz Energie Bergbau AG und der Lausitz Energie Kraftwerke AG einem neuen Ressortzuschnitt mit künftig vier Vorstandsmitgliedern zugestimmt und zwei neue Vorstandsmitglieder berufen. Damit soll der Generationswechsel im Vorstand vorbereitet und innerhalb von 24 Monaten umgesetzt werden.

Ab dem 1. Mai 2021 wird Andreas Huck (52) im Vorstand mit einem eigenen Ressort für den Aufbau und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder sowie für die Digitalisierung der Leag verantwortlich sein. Der diplomierte Kaufmann war viele Jahre in führenden Positionen eines international agierenden Unternehmens tätig, unter anderem in der mit dem Bergbau verbundenen Fördertechnik-Sparte. Ihm werden alle Projekte der erneuerbaren Energieerzeugung, der Speichertechnologien und der Standortentwicklung direkt unterstellt.

Zum 1. September dieses Jahres wird Dr.-Ing. Philipp Nellessen (44) in den Leag-Vorstand eintreten und das Ressort Bergbau von Uwe Grosser übernehmen, der dann das Unternehmen verlässt. Perspektivisch sollen in den kommenden zwei Jahren der Bergbau- und der Kraftwerksbereich in einem Ressort Produktion zusammengeführt werden. Der promovierte Diplom-Ingenieur war zuletzt in der Geschäftsoptimierung tätig und verantwortete Bergbau und Kraftwerke in Afrika und dem Mittleren Osten

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.„Die klare Fokussierung auf neue Geschäftsfelder und die Konzentration von Bergbau- und Kraftwerksbetrieb in einem Ressort sind sinnvolle und notwendige Schritte, um die Leag für die kommenden Aufgaben in der sich wandelnden Energieregion gut aufzustellen“, unterstrich Vorstandsvorsitzender Dr. Helmar Rendez. Der neue Zuschnitt des Vorstandes zeige, wo die Reise hingeht. Auf der Basis eines hocheffizienten Kerngeschäftes soll mit dem Umbau des Energieunternehmens noch mehr Schwung in die Entwicklung neuer Geschäftsfelder kommen – auch, um den Mitarbeitern Perspektiven aufzuzeigen.

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