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Alte Schleifer Schule ist nun endgültig Geschichte

Am 4. März 1971 war der erste Bauabschnitt übergeben worden. 50 Jahre später ist der Bagger zum Abriss angerückt. Gelernt wird im neuen Schulkomplex.

Mit schwerer Technik rückte die Firma Kurylyszzyn aus Beeskow am Montag zum Abriss des Schulgebäudes an der Hoyerswerdaer Straße in Schleife an. Inzwischen ist der Verbindungsgang der beiden Schulen schon weg.
Mit schwerer Technik rückte die Firma Kurylyszzyn aus Beeskow am Montag zum Abriss des Schulgebäudes an der Hoyerswerdaer Straße in Schleife an. Inzwischen ist der Verbindungsgang der beiden Schulen schon weg. © Joachim Rehle

Schleife. In diesem Jahr hätten Schüler und Lehrer in Schleife Jubiläum gefeiert. Am 4. März 1971 wurde der erste Bauabschnitt der neuen 10-klassigen Polytechnischen Oberschule übergeben. Am 9. November 1972 folgte der zweite Abschnitt. Weitere fünf Jahre später wurde am 10. Dezember 1977 die neue Schulsporthalle eingeweiht.

Ganze Generationen von Einwohnern aus dem Kirchspiel Schleife erlernten in dem Schulgebäude nicht nur das Einmaleins, sondern ebenso die Grundkenntnisse der Naturwissenschaften, wurden in Sorbisch als Mutter- und Fremdsprache fit gemacht, paukten Vokabeln in Russisch und Englisch. Zwar nicht ganz auf den Tag der Eröffnung im März 1971, aber so ziemlich genau 50 Jahre später fallen Grund- und Oberschule an der Hoyerswerdaer Straße dem Abrissbagger zum Opfer. Ein kleines bisschen Wehmut darf daher erlaubt sein.

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Lange aufhalten muss man sich bei derlei trüben Gedanken aber nicht. Denn mit dem neuen Deutsch-Sorbischen Schulkomplex „Dr. Maria Grollmuß“ an der Spremberger Straße in Schleife stehen den Grund- und Oberschülern ungleich bessere Lernbedingungen zur Verfügung. Zum großen Teil finanziert wurde der Neubau vom Energiekonzern Vattenfall Europe Mining (VEM) und der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) als Nachfolger – auf Grundlage des Umsiedlungsvertrags zwischen Vattenfall und der Gemeinde Schleife aus dem Jahr 2008. Auch der Freistaat war im Boot.

Am 7. Februar 2020, dem letzten Schultag des ersten Halbjahres, verabschiedeten sich die Schüler nicht nur vom Schulgebäude, sondern auch von Rektor Wolfgang Goldstein, der in den Ruhestand ging. Eine Woche später begann das Packen hunderter Umzugskisten. Am 28. Februar wurde das neue Bildungszentrum aus Grund- und Oberschule, Hort, Sporthalle und Bibliothek feierlich übergeben, begann der Unterricht in neuen, mit modernster Technik ausgestatteten Klassenräumen.Im Gesamtbudget von 24 Millionen Euro – zuzüglich weiterer zwei Millionen für Lärmschutzwand, Rodelberg, Radweg und dergleichen mehr – sind die Kosten für den Abriss enthalten. Doch bevor der Bagger anrücken konnte, blieb so einiges zu tun. Während der Sommerferien 2020 waren in mehreren Schulen der Umgebung verschlissene Möbel gegen gut gebrauchtes Mobiliar aus Schleife ausgetauscht worden. Abnehmer für Einrichtung und Sportgeräte fanden sich ebenso in Vereinen, in Kitas und bei der Feuerwehr. Ende August öffnete die alte Schule für jedermann. Auch da gab es viele Interessenten für Schränke, Stühle, Tische und Kaffeetassen. Der Rest wurde vom Bauhof fachgerecht entsorgt.

Danach galt es, Ver- und Entsorgungsleitungen der Schule vom Netz zu trennen. Mit der neuen Anbindung der ehemaligen Sporthalle an die Medien schuf die Gemeinde Schleife die Voraussetzungen für den Verkauf von Gaststätte und Turnhalle. All das hatte sich nach den Worten von Bauamtsleiter Steffen Seidlich „aufwendiger gestaltet als ursprünglich gedacht“. Zudem musste der Rückbau der Unteren Bauaufsichtsbehörde angezeigt werden, weil man bei der Größe des Objekts „nicht einfach so loslegen“ dürfe. Erst dann konnte das Gebäude der Leag zum Abriss übergeben werden. Nachdem eine Entsorgungsfirma das Objekt entkernt hatte, rückte am Montag nun der Bagger an. Bald wird von der Schule nichts mehr übrig sein.

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