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Altenheime wollen keine Schnelltest-Center sein

Der harte Lockdown stellt Heimbetreiber vor neue Herausforderungen. Denn für Schnelltests bräuchten sie mehr Personal.

Vor der Wohnstätte für Menschen mit Behinderung „Christall“ in der Heinrich-Heine-Straße in Weißwasser verbietet ein Schild das Betreten. Auch hier sind erst eine Anmeldung und ein negativer Schnelltest erforderlich.
Vor der Wohnstätte für Menschen mit Behinderung „Christall“ in der Heinrich-Heine-Straße in Weißwasser verbietet ein Schild das Betreten. Auch hier sind erst eine Anmeldung und ein negativer Schnelltest erforderlich. © Joachim Rehle

Ein Besuch im Altenheim ist aktuell nur mit einem negativen Corona-Test möglich. Das ist eine der Festlegungen aus der verschärften Allgemeinverfügung, die im Landkreis Görlitz ab heute gilt. Altenheime stellt das vor weitere große Herausforderungen. Ziel dieser Maßnahme ist es, das Virus nicht mehr in die Alten- und Pflegeheime hineinzutragen. Mehr als 40 Prozent aller Corona-Fälle im Kreis treten in Heimen auf, wo zum Großteil hochbetagte Menschen leben.

Riesiger Aufwand für die Diakonie

Die Diakonie St. Martin Rothenburg hat 73 Einrichtungen von Senftenberg bis Weißwasser, Krauschwitz, Rothenburg, Görlitz und Bautzen. Darunter Altenpflegeheime, Wohnstätten für Menschen mit Behinderung wie das „Christall“ in Weißwasser (Foto rechts), Tagespflegen, Bildungsstätten und die Klinik in Rothenburg.„Angesichts der vielen Standorte wird es für viele individuelle Lösungen geben“, sagt Pressesprecherin Doreen Lorenz. Sie erklärt: Die Altenhilfe und die Behindertenhilfe haben ein gemeinsames Konzept für die Tests entwickelt: vier Testteams und ein Reserveteam (bestehend aus je zwei Fachkräften) werden an den verschiedenen Standorten und in den verschiedenen Häusern unterwegs sein und die Tests vornehmen. Vorher wurden die Teams von einem Allgemeinmediziner in die Handhabung der Tests eingewiesen. Vorrangig werden natürlich die Bewohner und Mitarbeitenden getestet. Bei den beiden Personengruppen sind die Tests freiwillig.Besucher müssen getestet seinVerpflichtet, einen tagesaktuellen Negativtest vorzulegen, sind laut Verordnung hingegen Besucher. Dieser Test kann – wenn sich alles eingespielt hat – in der jeweiligen Einrichtung vorgenommen werden. Dazu werden im Moment die räumlichen Möglichkeiten in den Häusern geprüft. Auch muss geschaut werden, wann das Testteam in welchem Haus sein kann. „Es ist also ein enormer logistischer und personeller Aufwand, und wir werden Woche für Woche schauen, wie er umgesetzt und verbessert werden kann. Ziel ist es, dass einmal pro Woche ein Testteam in einem Haus sein kann, vielleicht später ja sogar öfter“, sagt Doreen Lorenz.

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Auf dem Campus Martinshof in Rothenburg wird es eine zentrale Teststelle geben, über die die Häuser auf dem Gelände abgedeckt werden können. Unberührt davon bleibt natürlich, dass sich Besucher auch weiterhin in den Häusern anmelden müssen. „Wir können nur auf Verständnis hoffen, wenn nicht alles sofort reibungslos verläuft. Für alle Beteiligten ist diese Situation eine weitere enorme Herausforderung“, so Lorenz weiter.

Die Diakonie hat sich auch bemüht, Alternativen für den direkten Besuch zu finden: „Wir haben in neue Tablets und Laptops investiert. Diese werden in den Pflegeheimen zur Verfügung stehen und können bei Bedarf und nach zeitlicher Absprache zur Kommunikation mit den Angehörigen genutzt werden. Realisiert wird das ganze über Microsoft Teams. Die Angehörigen benötigen keinen eigenen Zugang zu der Plattform, diesen bekommen sie von uns elektronisch zugeschickt. Trotz aller Widrigkeiten hoffen wir, unseren Bewohnern in den acht stationären Einrichtungen ein schönes Weihnachtsfest bereiten zu können“, sagt Doreen Lorenz, die betont, dass diese Pläne nur deshalb umsetzbar sind, weil verschiedene Bereiche der Diakonie St. Martin zusammenarbeiten. Aber auch hier gilt: die personellen Ressourcen müssen für diese Extras ausreichen. Im Vordergrund stehen immer die Versorgung und Pflege der Bewohner.

Engpässe bei Schnelltests befürchtet

Im Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Görlitz-Königshufen trugen die umfangreichen Hygienemaßnahmen dazu bei, das Heim coronafrei zu halten. Bis zum Montag vergangener Woche. Seither gibt es einige Fälle, die stark eingegrenzt werden konnten, wie DRK-Vorstand Rüdiger Neumann auf Nachfrage erklärt.

Der Corona-Test müsse laut Allgemeinverfügung vom selben Tag stammen, an dem der Besuch stattfinden soll. Ausreichend Schnelltests hat das DRK dafür nicht zur Verfügung. „Wir haben zwar welche da, nutzen die in Verdachtsfällen für Heimbewohner und Mitarbeiter“, erklärt Neumann. Das DRK will weitere Schnelltests beschaffen. Neumann befürchtet dabei Engpässe, „denn jetzt greifen alle danach.“Der Einsatz der Schnelltests wird die Besuchsregelungen verändern. Bislang gab es eine Taktung von einer halben Stunde. Ein Besucher im Haus war da möglich in einem Extra-Zimmer, das jetzt weihnachtlich hergerichtet ist. Doch mit den Schnelltests wird sich die Taktung auf 1,5 Stunden ausdehnen, denn allein der Test benötigt bereits eine halbe Stunde Zeit. Das erfordert höheren personellen Aufwand, den das DRK kaum stemmen kann. Einige Mitarbeiter sind krank, andere in Quarantäne.

Idee schwer umzusetzen

Im Haus „Abendfrieden“, einem Altenheim der Diakonissenanstalt Emmaus in Niesky, werden die Besuche jetzt reduziert werden müssen - in erster Linie, um die Bewohner zu schützen. Schnelltests sind im „Abendfrieden“ vorhanden, sie werden aber nicht für das Testen von Besuchern eingesetzt, sagt Oberin Sonja Rönsch. Das könne das Altenheim personell nicht leisten. Sie verweist darauf, dass der Nachweis der Corona-Freiheit schwierig sei, der Schnelltest spucke ja keinen Zettel aus, den Angehörige beim Besuch im Heim vorlegen könnten, wenn sie ihn anderswo gemacht haben. Die Sache mit den Schnelltests sei eine prima Idee, praktisch ist sie aber schwer umzusetzen, sagt Sonja Rönsch.Cornelia Brussig leitet das Altenheim des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) am Grenzweg in Görlitz. Beim ASB gibt es einen Koordinator, der telefonisch erreichbar ist, Fragen der Angehörigen beantwortet und für Heimbewohner Sachen entgegennimmt. Er wird auch der Tester sein, wenn Besuche wieder möglich sind, informiert Cornelia Brussig. Der ASB bietet die Schnelltests vor Ort an. Auch ein Negativattest vom selben Tag vom Hausarzt wird akzeptiert werden.

Einig sind sich Doreen Lorenz, Rüdiger Neumann, Sonja Rönsch und Cornelia Brussig, dass die Altenheime keinesfalls zu „Schnelltestcentern“ werden dürfen. Ziel sei nicht, Angehörigen mit zur Verfügung gestellten Schnelltests ihre Frage nach der eigenen möglichen Infektion zu beantworten. Es gehe allein darum, den Bewohnern den sicheren Kontakt mit ihren Angehörigen zu ermöglichen in einer Zeit, die große Herausforderungen an alle stellt. Zusätzliche, auch unangenehme Maßnahmen seien nicht schön, aber unumgänglich.Anders als noch in der ersten Welle der Pandemie wird der Umgang von Angehörigen mit ihren Lieben im Heim, die jetzt im Sterben liegen, geregelt. Im Frühjahr war es ein einsames Sterben in den Heimen. Angehörige konnten sich nicht verabschieden und blieben zum Teil traumatisiert zurück. In allen befragten Heimen dürfen Angehörige nun zu den sterbenden Menschen – in Schutzausrüstung; mit FFP2-Maske.

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