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Arbeitseinsätze wider das Vergessen

Reservisten aus Sachsen und Braunschweig sanierten erneut Kriegsgräber. Diesmal in Weißwasser und Krauschwitz.

Sven Knischke, Sven Zschiedrich, Axel Förster und Karl-Heinz Melcher (Mi.) von der Denkmalkommission Weißwasser beim Einsatz am Denkmal der Verfolgten des Naziregimes.
Sven Knischke, Sven Zschiedrich, Axel Förster und Karl-Heinz Melcher (Mi.) von der Denkmalkommission Weißwasser beim Einsatz am Denkmal der Verfolgten des Naziregimes. © Sabine Larbig

Die Mühen und die harte körperliche Arbeit der letzten Tage sind vergessen. Nun stehen sie, kurz vor ihrer Abreise, bei einer Andacht mit Pfarrerin Miriam Arndt Seite an Seite vor der neu gestalteten Kriegsgräberanlage auf dem Friedhof in Krauschwitz-West.

Sie sind betagte Reservisten aus Braunschweig, die vor über 20 Jahren begannen, regionale Soldatengräber im ehrenamtlichen Engagement zu sanieren und zu pflegen, sowie junge Reservisten aus Sachsen. Während die einen noch den letzten Weltkrieg samt Folgen als Kinder erlebten, wissen die anderen davon nur aus Büchern, Filmen, Erzählungen. 

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Urlaub für die lebendige Erinnerung

Dennoch setzen sich die rund 20 Reservisten gemeinsam und freiwillig in ihrer Freizeit dafür ein, Kriegsgräber und -gedenkstätten zu erhalten. Unterstützt werden die Braunschweiger Reservisten und die Mitglieder der Reservisten-Arbeitsgemeinschaft (AG) Kriegsgräberpflege Sachsen dabei von Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bundeswehr-Landeskommando Sachsen und Kommunen. Mit Letzteren stimmen die Helfer erforderliche Arbeiten, Bereitstellung von Technik, Bau- und Pflanzmaterial sowie Verpflegung, Unterkünfte und ein Rahmenprogramm samt Begegnungen mit Einwohnern ab. Denn der Großteil der Reservisten nimmt Urlaub für die Einsätze.

In diesem Jahr lagen die Schwerpunkte in Weißwasser und Krauschwitz. Während eine Gruppe auf dem Friedhof der Stadt an der Gedenkstätte für Opfer des Nationalsozialismus den Rindenmulch, einen Baum sowie hunderte Grün- und Blühpflanzen erneuerte beziehungsweise neu pflanzte, legte eine andere Gruppe auf dem Friedhof Krauschwitz-West die Kriegsgräberanlage neu an. „Hier war alles verwildert, die Umrandung schief und manche der 16 Grabsteine für Gefallene des Zweiten Weltkrieges waren bei Aufräumarbeiten unter der Erde verbuddelt gefunden worden. Einige sogar als Grabstein-Stützen auf dem Friedhof Krauschwitz-Ost“, erzählt Wilhelm Minschke aus Braunschweig. Er ist einer der aus Altersgründen noch wenigen aktiven Männer der ersten Stunde und wird inzwischen von seinem Sohn unterstützt.

Nicht nur Minschke ist stolz und froh, dass die Grabsteine, die auch gereinigt wurden, wieder stehen und das Gräberfeld neuen Boden, Wege, Umrandungen und Deckschicht hat. Sogar die Anpflanzungen im Umfeld haben die Reservisten geschnitten, so dass alles nun einen würdigen Anblick bildet.

„Die Männer haben ganz schön rangeklotzt und viel geschafft“, lobt Minschke die Mitstreiter. Zu ihnen zählt auch Nils Dietrich, der das erste Mal dabei war. „Es ist eine gute Sache und die Gefallenen haben eine würdige Anlage verdient. Viele von ihnen waren ja nicht mal 20 Jahre alt. Abgesehen davon spielt Optik eine große Rolle, damit Leute stehenbleiben und sich Gedanken über Krieg und Gefallene machen.“

Manchmal ist die Familie dabei

In Krauschwitz schon dreimal bei einem Einsatz gewesen ist Sven Knischke, Vorsitzender der AG Sachsen. Obwohl die AG erst 2018 gegründet wurde, unterstützte er zuvor viele Jahre schon die Braunschweiger, hat dadurch bereits auf Anlagen in Boxberg und Uhyst, Podrosche, Kringelsdorf und Weißwasser gearbeitet. „Uns allen ist Kontinuität wichtig. Daher haben wir in Sachsen auch die AG gegründet, um begonnene Arbeit fortzuführen. Abgesehen davon läuft die Unterstützung in der Region super“, erklärt Knischke. Dass er seit Jahren Urlaub für die Einsätze nimmt, akzeptiert seine Familie. „Manchmal rücke ich nebenbei im Familienurlaub oder am Wochenende sogar mit ihr im Schlepptau an, um irgendwo schnell Unkraut zu zupfen oder was auszubessern.“

Enthusiasmus, der nicht selbstverständlich ist, aber noch immer nötig. Daher visieren die Reservisten 2021 erneut einen Einsatz auf dem Friedhof in Weißwasser an. Dann werden Stützmauern saniert und mit schwerer Technik Pflegearbeiten am Sowjetischen Ehrenmal erledigt. Auch in Krauschwitz gehen die Arbeiten weiter: An der seit 1990 kaum noch gepflegten Kriegsgräberanlage in Skerbersdorf. Selbst Einsätze in Schleife und Weißkeißel haben die Reservisten für die Zukunft auf dem Schirm. Sie wissen, dass viele Gemeinden kein Geld haben, dankbar für Hilfe sind.

An der gemeinsame Andacht mit Kranzniederlegung mit Pfarrerin Miriam Arndt nahmen die in Krauschwitz tätigen Reservisten und Vertreter der Gemeinde teil.
An der gemeinsame Andacht mit Kranzniederlegung mit Pfarrerin Miriam Arndt nahmen die in Krauschwitz tätigen Reservisten und Vertreter der Gemeinde teil. © Sabine Larbig

„Kriegsgräber müssen aber als Orte des Gedenkens, der Trauer, der Mahnung an Frieden und wider das Vergessen gepflegt werden. Sie tun dies mit großem Einsatz. Dafür unser Respekt und großer Dank“, erklärte Pfarrerin Miriam Arndt vor der gemeinsamen Andacht in Krauschwitz, bei der sie an die rund 70 Millionen Menschen erinnerte, die im Zweiten Weltkrieg starben, und den im Ausland gefallenen Bundeswehr-SoldatInnen gedachte.

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