Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Weißwasser
Merken

Das Ei als Glücksbringer

Zu Ostern im Sorbenland sind die kleinen Kunstwerke beliebt. Doch überall auf der Welt verbinden Menschen damit ihre Wünsche. Jetzt zu sehen im SKC.

Von Constanze Knappe
 4 Min.
Teilen
Folgen
NEU!
In einer Sonderschau sind derzeit 800 Eier aus aller Welt im SKC Schleife zu sehen. Der Leipziger Erhard Schwerin präsentiert damit Eier als Kunstobjekte, vermittelt aber zugleich einen Einblick in die mit dem Ei weltweit verbundene vielfältige Symbolik
In einer Sonderschau sind derzeit 800 Eier aus aller Welt im SKC Schleife zu sehen. Der Leipziger Erhard Schwerin präsentiert damit Eier als Kunstobjekte, vermittelt aber zugleich einen Einblick in die mit dem Ei weltweit verbundene vielfältige Symbolik © Constanze Knappe

Die bunten Eier sind das Ostersymbol im Sorbenland schlechthin. Dass sie im Mittelpunkt der Osteraustellung im Sorbischen Kulturzentrum Schleife (SKC) stehen, ist deshalb selbstverständlich. Zu sehen ist aber noch sehr viel mehr: 800 Eier aus 45 Ländern dokumentieren, dass den Eiern in aller Welt eine besondere Symbolik zukommt. Und so heißt auch die Sonderschau: „Eier der Welt – Welt der Eier“. Erhard Schwerin, ehemaliger Sammlungskonservator des Grassi-Museums für Völkerkunde in Leipzig, gibt damit einen Einblick, wofür Eier rund um den Globus stehen. Zu sehen ist die Schau bis zum 1. Mai.

„Ostern ist eines der fröhlichsten und buntesten Familienfeste“, so die SKC-Leiterin Sylvia Panoscha. Das Fest der Auferstehung und Wiedergeburt sei verbunden mit der Freude über das Erwachen der Natur. Darüber hinaus hätten Eier schon im Mittelalter eine große Rolle gespielt, wurden beispielsweise in Getreidegarben gebunden – in der Hoffnung auf eine ertragreiche Ernte. Eier wurden zu verschiedensten Anlässen verschenkt und tauchen auch in Sagen und Märchen immer wieder auf. Längst sind Eier „unglaublich faszinierende Kunstobjekte“ geworden. „Sie drücken Wünsche aus und das verbindet die Menschen in aller Welt“, erklärt sie.

Mit Leidenschaft und Fachwissen

In Schleife ist Erhard Schwerin nicht gänzlich unbekannt. 2009 stellte er schon einmal im SKC aus. Die jetzige Sonderschau gibt einen noch umfassenderen Einblick in die Welt der Eier, die nicht selten kleine Kunstwerke sind wie das Riesenei mit der Ansicht des Versailler Schlosses, die Ikoneneier aus Osteuropa, jenes Ei im Kettenhemd in der Tradition der böhmischen Kesselflicker oder die mit Leder und Perlen verzierten Straußeneier aus dem Sudan, denen ein Abwehrzauber inneliegt. Gegliedert ist die Ausstellung in einen christlichen und einen außereuropäischen Teil. Sie endet mit dem Norus-Fest, dem iranischen Frühlingsfest. Dafür hat der Leipziger einen Festtagstisch nachempfunden.

„Die Ausstellung ist super konzipiert. Sie verbindet die Sammelleidenschaft mit dem Fachwissen des Museologen“, stellt Sylvia Panoscha fest und verweist auf den roten Faden. Ein Zeitstrahl ordnet das Ei im Laufe der Geschichte ein. Abgerundet wird die Schau durch 19 Edelsteineier aus aller Welt und den Größenvergleich von Straußen- und Wellensitticheiern mit denen von Pfau, Pute, Nandu und anderen Vögeln. Selbstverständlich werden auch die unterschiedlichen Techniken samt Zubehör zum Verzieren sorbischer Ostereier gezeigt.

Erhard Schwerin ist in Salzwedel geboren. 1979 zog es ihn zur musealen Ausbildung nach Leipzig. Dort ist er dann quasihängengeblieben. Anfang der 1990er-Jahre fand er im Depot des Grassi-Museums Eier aus dem Balkan. „Die sahen etwas anders aus als die, wie man sie von den Sorben kennt“, erinnert er sich. Das hat ihn neugierig gemacht. Zudem stieß er in einem früheren Katalog des Museums auf das Thema „Eier der Welt“. Es begeisterte ihn, welche Rolle das Ei überall auf der Welt spielt. Damit war die Leidenschaft geweckt.

Fortan trug er selber Eier zusammen, wo auch immer er ganz besonderer Stücke habhaft werden konnte. Freunde und Kollegen brachten ihm Eier von ihren Urlauben aus aller Welt mit. 1994 fragte man ihn, ob er nicht mal eine Vitrine mit den Eiern gestalten könne. Und das sei, wie er jetzt sagt, „eine Initialzündung“ gewesen.

..., wie ukrainische. Jetzt wegen des Krieges nur in getrennten Vitrinen.
..., wie ukrainische. Jetzt wegen des Krieges nur in getrennten Vitrinen. © Constanze Knappe
Russische Ostereier sind in der Ausstellung genauso zu finden...
Russische Ostereier sind in der Ausstellung genauso zu finden... © Constanze Knappe

Zu jedem Ei eine Geschichte

Mittlerweile umfasst seine Sammlung mehr als 3.000 Eier, für deren Lagerung er ein Depot angemietet hat. Direkte Lieblingsstücke habe er nicht, dennoch würden an einigen Eiern „besondere Emotionen hängen oder Riesenstorys“. Erhard Schwerin erzählt von einer Hilfsaktion, die er mal in einer Karwoche nach Rumänien begleitete. Dort sah er Ikoneneier – und bestellte ein Straußen- und drei Gänseeier. Nach vier Monaten waren sie fertig. Über Umwege gelangte das Geld dahin. Danach habe er jedoch nichts mehr davon gehört. Seine Frau hatte sich schon damit abgefunden, die nicht unerhebliche Summe im Gedanken der Rumänienhilfe zuzuschreiben. Nach langer Zeit sei dann aber doch noch der ersehnte Anruf gekommen – und die Ikoneneier in seinen Besitz. Im Gegensatz dazu habe ein anderes, eher unscheinbares, braunes Ei keinen großen materiellen Wert. Man könne dafür leicht Ersatz beschaffen. Und dennoch ist es für Erhard Schwerin unersetzlich. Es liegt ihm besonders am Herzen, da er es einst in Moldawien als Dankeschön für eine Hilfsaktion von einer alten Frau geschenkt bekam.

Der inzwischen 67-Jährige könnte zu jedem Ei in der Sonderschau eine Geschichte erzählen. „Noch drei Ausstellungen, dann ist Schluss“, blickt Erhard Schwerin voraus. Was danach mit seiner umfangreichen Sammlung wird, das wisse er noch nicht.

Osterausstellung im SKC Schleife, Friedensstraße 65. 1035773 77230. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag 10 bis 16 Uhr, Sonntag 13 bis 17 Uhr. Zutritt nach 3G-Regel.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.