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Das Wasser wird trüber in der Erlebniswelt

Krauschwitz sichert per Ratsbeschluss die Liquidität des Bades. Ums Überleben gekämpft wird zudem auf vielen Wegen.

Nichts bewegt sich in der Erlebniswelt Krauschwitz. Nicht mal die Wasseroberfläche. Zum zweiten Mal, und nun seit fünf Monaten, hat die Einrichtung wegen Corona zu.
Nichts bewegt sich in der Erlebniswelt Krauschwitz. Nicht mal die Wasseroberfläche. Zum zweiten Mal, und nun seit fünf Monaten, hat die Einrichtung wegen Corona zu. © Joachim Rehle

Michael Weihrauch ist täglich im Badeparadies. Allein. Fast. Denn bis auf den Wellnessbereich, in dem laut Corona-Verordnung seit Kurzem wieder Fußpflegebehandlungen möglich sind, herrscht seit fünf Monaten gähnende Leere statt Badespaß. Solange ist die Erlebniswelt Krauschwitz (EWK) schon wieder zu.

Eine Situation, die Geschäftsführer Weihrauch zum Amtsantritt am 1. März 2021 nicht erwartet hätte, obgleich er wusste, dass es durch Corona schwer wird. Er, Besucher und die Gemeinde Krauschwitz als Gesellschafter gingen, nach den Erfahrungen vom Vorjahr, davon aus, das Bad ab Mai oder Juni öffnen zu können. Ein Trugschluss. Vorerst bis Ende Juni müssen Einrichtungen wie das Badeparadies dicht bleiben. Ob, wann und unter welchen Bedingungen sie geöffnet werden können und ob es dann wirtschaftlich ist, kann noch niemand sagen. „Es fehlt bisher seitens der Politik eine Planungssicherheit und Öffnungsstrategie“, begründet Badchef Michael Weihrauch.

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Gemeinde sichert Bad finanziell ab

Noch hofft er auf den Start im Sommer. Nicht nur, um die 31 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit endlich aus der Kurzarbeit holen zu können. Vor allem aber, weil das Bad dringend Einnahmen braucht. Denn das Wasser wird langsam trüber. Nicht nur in den Becken, wo das Nass seit Schließung nicht mehr gewechselt wird. Auch, weil die finanziellen Möglichkeiten, unbeschadet durch die Krise zu kommen, begrenzt sind. Konkret bedeutet dies, dass das Bad bis etwa Anfang viertes Jahresquartal mit Komplettschließung überleben kann.

Möglich macht dies eine vom Gemeinderat Krauschwitz beschlossene schuldrechtliche Vereinbarung der Gemeinde mit der EWK. Auf deren Basis stellt die Gemeinde für April bis Dezember dem Bad insgesamt 249.000 Euro zur Verfügung, sprich den Rest der diesjährigen kommunalen Zuschusssumme. Und: Das Geld wird auf „Zuruf“ ausgezahlt. Denn der operative Auszahlungsplan sieht vor, dass der EWK-Geschäftsführer jeweils bis 10. Kalendertag des Monats direkt über den Bürgermeister die Auszahlung benötigter Beträge beantragen kann, ohne dass der Rat jeweils zustimmen muss.

Gespräche mit Land und Kreis

„Die Gemeinde sichert damit die Liquidität des Bades“, bekennt Michael Weihrauch, der nun allerdings monatlich Gemeinderat und Verwaltung über den wirtschaftlichen Stand zu informieren hat. Darauf drangen Räte wie Mario Mackowiak, Mitglied im EWK-Aufsichtsrat, in der Ratssitzung im April, als die schuldrechtliche Vereinbarung beschlossen wurde. Schon vor der Ratssitzung wurde in gemeinsamen Klausurtagung die Auszahlungsstrategie abgesegnet. Denn, so die Begründung von Kämmerin Maren Helbig, Auswirkungen der Einnahmeausfälle sowie Zuschusshöhen vom Kreis seien nicht planbar. Und, auch das ist kein Geheimnis, die wirtschaftliche Lage des Bades verschlechterte sich seit die Bundesregierung ab 1. Januar 2021 staatliche Corona-Zuschüsse für Freizeitbäder und Thermen komplett gestrichen hat.

„Ich gehe davon aus, dass das Geld eine Weile reicht. Wenn es kritisch wird, muss man sich mit Kreis und Land Gedanken machen“, so der Krauschwitzer Bürgermeister Tristan Mühl. Schon jetzt, sagt er, liefen entsprechende Gespräche. Auch in Richtung generelle Entwicklung der Erlebniswelt. „Was keiner will, ist die Schließung der Einrichtung“, bekennt Mühl.

Erlebniswelt verschickt Brandbrief

Um auf die Lage von Bädern wie in Krauschwitz und ihren Kampf ums Überleben aufmerksam zu machen, wird parallel auf weitere Mittel und Wege gesetzt. Michael Weihrauch hat Anfang April einen Brief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig gesandt. Darin erläutert er nicht nur die Bedeutung des Badeparadieses, welches jährlich 90.000 Besucher anlockt, als Freizeit- und Tourismusmagnet sowie Arbeitgeber der Region. Er schildert auch, wie sich die Streichung der Corona-Hilfen auswirkt. „Wir stehen erneut vor der Aufgabe, die Liquidität des Unternehmens zu sichern, unseren Verpflichtungen weiter nachzukommen. Es kann nicht von Interesse sein, dass die Lausitz noch mehr Arbeitsplätze verliert“, heißt es im Schreiben. „Wir möchten Sie mit diesem Brief auf unsere sehr angespannte Lage aufmerksam machen und bitten Sie, Ihre Entscheidung zur Streichung der Coronahilfen zu überdenken, damit sich der Tourismus in unserer Region weiter etablieren und ein erfolgreicher Strukturwandel erfolgen kann.“

Noch hat Michael Weihrauch auf seinen Brief keine Antwort aus Berlin erhalten. „Vom Land kam eine Antwort, dass das Schreiben eingegangen ist und geprüft wird“, erzählt er. Entmutigen lässt sich der Krauschwitzer Badchef – wie viele seiner Kollegen in Sachsen – dadurch nicht. Vielmehr machen über 30 Bäder vom Erzgebirge über Vogtland, Elbland bis zur Oberlausitz nun gemeinsam Druck auf die Politik. Über den Verein „Interessenmeinschaft Bäder Sachsen“, in denen die Bäder – darunter die Erlebniswelt – vereint sind. Gegründet wurde die Gemeinschaft 2005, um voneinander zu lernen. „Markt , Technik und Bestimmungen entwickeln sich schnell. Da lag ein Zusammenschluss nahe“, begründet der Vorsitzende Jörg Schneider. Bisher trafen sich die Mitglieder mehrmals im Jahr zu Erfahrungsaustauschen. Seit Corona ist das hinfällig. Doch Fragen und Probleme, die die Pandemie mit sich brachte, wurden mehr und größer. Inzwischen kämpfen alle Bäder ums Überleben.

Protestaktion sächsischer Bäder

„Die meisten Bäder erhielten im November und Dezember 2020 noch Corona-Hilfen. Nun gibt es bis auf das Kurzarbeitergeld nichts mehr an staatlichen Hilfen. Obwohl Anlagen, Technik, Verbindlichkeiten und Kosten weiterlaufen“, weiß Schneider.

Um auf die dramatische Lage aufmerksam zu machen, wird nun ein gemeinsam unterzeichneter Brandbrief an den Bundeswirtschaftsminister und den Sächsischen Ministerpräsidenten gesandt. Verantwortlich ist Michael Weihrauch, dessen Schreiben den Ausschlag gab. Man wisse, sagt Jörg Schneider, dass Bäder ein Zuschussgeschäft und freiwillige Aufgabe für Kommunen seien und die, wenn Geld ganz knapp wird, schnell mal ein Bad schließen. Aber es sei auch zu bedenken, dass Bäder Schulschwimmen, Rettungsschwimmer- und Schwimmmeister-Ausbildern absichern, Gesundheitskurse und vieles mehr anbieten. Dies sei durch Corona seit über einem Jahr nicht möglich. „Sobald Bäder für immer schließen, wird es langfristig spürbaren Folgen haben. Daher machen wir uns gemeinsam für den Erhalt der sächsischen Bäder-Landschaft stark“, so Schneider.

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