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Die Überraschung aus dem Ei

Zwei Freundinnen aus Weißwasser und Weißkeißel sind aufs Huhn gekommen. Da sind sie nicht die Einzigen, wie ein neuer Trend erkennen lässt.

Von Constanze Knappe
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Andrea Schubert (l.) und Claudia Wernicke sind aufs (Strupp-)Huhn gekommen. Wie die beiden Freundinnen beschäftigen sich zunehmend mehr Frauen mit diesem Hobby. In der Corona-Pandemie wurden Haustiere noch beliebter – auch die Geflügelhaltung.
Andrea Schubert (l.) und Claudia Wernicke sind aufs (Strupp-)Huhn gekommen. Wie die beiden Freundinnen beschäftigen sich zunehmend mehr Frauen mit diesem Hobby. In der Corona-Pandemie wurden Haustiere noch beliebter – auch die Geflügelhaltung. © Constanze Knappe

Den Wunsch, Hühner zu halten, hatte Andrea Schubert schon immer. Nur bot sich der Lehrerin aus Weißwasser nie so richtig die Gelegenheit dazu. Mit einem eigenen Haus eröffnete sich der 53-Jährigen nun aber die Chance, sich diesen Traum zu erfüllen. „Zahme Hühner sollten es sein, die auf keinen Fall in den Kochtopf kommen“, erzählt sie. Die Eier, die in einer Brutmaschine zum Schlüpfen gebracht wurden, bekam sie von ihrer Freundin Claudia Wernicke. Die Weißkeißelerin kam zwar schon vor mehr als zehn Jahren aufs Huhn. Als Profi fühlt aber auch sie sich nicht. Deshalb freuen sich die beiden Frauen auf dieses Wochenende. Da veranstaltet der Rassegeflügelzüchterverein Schleife seine bereits 29. Vereinsschau auf der Reinert-Ranch in Trebendorf.

Durch Ausstellungen wie diese sei sie damals neugierig geworden, erinnert sich Claudia Wernicke. „Weil es so viele verschiedene Rassen gibt“, fügt sie hinzu. Begonnen hat die Physiotherapeutin mit ganz normalen Legehennen, die wegen Eiern und Fleisch im Allgemeinen gern gehalten werden. Mittlerweile ist sie auf Hühner der Rasse Pawlowskaja umgestiegen. „Sie sind vom Charakter her sehr freundlich, neugierig und man kriegt sie nahezu zahm“, begründet die 39-Jährige. Die Rasse stammt aus Russland, galt um 1900 herum sogar als „nationales Huhn“, geriet dann aber offenbar mehr und mehr in Vergessenheit, bis sie in den Achtzigern wieder auftauchte.

Neues Hobby zur Entspannung

Die Pawlowskaja-Hühner gelten als winterfest und halten sogar strenge Fröste aus. Sibirische Kälte hat Claudia Wernicke hierzulande nicht zu befürchten. Sie ist vielmehr vom Aussehen der Haubenhühner fasziniert. „Die Federn auf ihrem Kopf stehen ab wie bei einem Punk“, erklärt sie lachend. Vier Hühner und einen Hahn dieser Rasse nennt sie ihr eigen, dazu weiteres Federvieh anderer Rassen. In Ausstellungen aber sind die Pawlowskaja-Hühner nicht zu sehen. Weil die Rasse in Deutschland noch nicht anerkannt ist, so Claudia Wernicke.

Mit ihrer Begeisterung für Hühner hat sie ihre Freundin Andrea Schubert sozusagen „infiziert“. Die beiden Eier, die sie der Weißwasseranerin überließ, entpuppten sich als „Überraschungseier“. Denn es schlüpften ein Strupphuhn sowie ein Hahn in einer Mischung aus Strupphuhn und Pawlowskaja. Den Namen haben die Strupphühner wegen ihrer gekräuselten Federn, die ein bisschen struppig wirken. Bis auf zehn Hühner möchte es Andrea Schubert bringen. Momentan sei sie dabei, dafür den nötigen Platz zu schaffen.

Ursprünglich komme sie ja vom Dorf und sei mit Hühnern groß geworden, erzählt sie. „Andere haben ins Aquarium geguckt, ich in den Hühnerstall“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Dass die Hühnerhaltung mit einem gehörigen Aufwand verbunden ist, hält die beiden Frauen nicht von ihrem Hobby ab. „Das ist keine Arbeit, das ist Entspannung“, sagen sie übereinstimmend. Außerdem habe es auch sein Gutes. „Von meinen Hühnern habe ich immer Mist für den Gemüsegarten, das ist ein ganz normaler Kreislauf“, betont Andrea Schubert. Ein Lieblingshuhn hat sie zwar nicht, aber allen einen Namen verpasst.

Vereinsschau mit 400 Tieren

In der Lausitz gibt es von Zittau bis Cottbus regelmäßig Rassegeflügelausstellungen – eigentlich. Doch die Corona-Pandemie hat diese Form der Öffentlichkeitsarbeit wie auch den Austausch der Züchter unterein-ander für lange Zeit ausgebremst. 2020 war der Schleifer Verein weit und breit der Einzige, der sich an eine Geflügelschau traute und dafür ein umfangreiches Hygienekonzept umsetzen musste. Davon kann man an diesem Wochenende profitieren.

Im Vergleich zu den Vorjahren waren schon 2020 weniger Käfige aufgestellt und die Gänge verbreitert worden. Die Ausstellungshalle auf der Reinert-Ranch ist unter dem Dach offen und bietet somit eine permanente Be- und Entlüftung. Richtungspfeile weisen den Besuchern den Einbahnstraßenweg. Zudem herrscht Maskenpflicht. Zwar hat der Verein sein Hygienekonzept noch einmal angepasst. Doch wegen des ständigen Kommens und Gehens sei großes Gedränge nicht zu befürchten.

Etwa 400 Tiere werden die 32 Aussteller am 23. und 24. Oktober in Trebendorf präsentieren: indische Pfautauben, Kölner Thümmler. Altenburger Trommeltauben, Moderne Englische Zwergkämpfer und viele andere Rassen. Auch Landenten, Pommerngänse und Cröllwitzer Puten werden zu sehen sein. Und wie schon 2020 gibt es wiederum eine Sonderschau der Gruppe Lausitz des SV Thüringer Farbentauben.

Eier in Naturfarben angesagt

Aktuell hat der Rassegeflügelzüchterverein Schleife um die 30 Mitglieder. 2020 konnten vier Jungzüchter gewonnen werden. Andrea Schubert und Claudia Wernicke wollen im nächsten Jahr beitreten. Nachdem einige Züchter altersbedingt ausgetreten oder gar verstorben sind, freut man sich umso mehr darüber. Noch dazu, weil es zwei Frauen sind. Das sei zwar noch immer nicht typisch, weiß Enrico Noack vom Verein. Doch zunehmend würden Frauen das Hobby für sich entdecken. „Durch Corona sind viel mehr Menschen auf Haustiere fokussiert und auch die Hühnerhaltung ist stark im Kommen“, so der Gablenzer.

Er selber wird auf der Ausstellung wieder farbige Eier zeigen – von dunkelrotbraun bis zu den grünen Nuancen wie hellgrün oder blaugrün. Seit einigen Jahren sind Eier in Naturfarben angesagt. Und das nicht nur, weil man damit dem Osterhasen die Arbeit abnehmen kann. „Das Auge isst mit“, so die simple wie einleuchtende Erklärung von Enrico Noack. Für Claudia Wernicke und Andrea Schubert hat er noch einen Geheimtipp parat: Oreganotee mit Knoblauch, Zwiebeln und Apfelessig. Das Naturmittel wirke wahre Wunder, es schütze das Immunsystem der Hühner und helfe vorbeugend gegen alle möglichen Krankheiten. Ratschläge wie diesen erhoffen sich die beiden Frauen in der Vereinsschau noch viel mehr. In der Vorbereitung auf ihr neues Hobby hat Andrea Schubert „unendlich viele Bücher verschlungen“. Aber von den erfahrenen Züchtern könne sie ja „immer noch was lernen“.

Rassegeflügelausstellung: Sonnabend, 23.10, 9 bis 18 Uhr, Sonntag, 24.10., 9 bis 15 Uhr. Eintritt 3 Euro, Kinder frei.
Reinert-Ranch in Trebendorf, Rohner Weg 7.

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