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Die Wow-Effekte vom Pückler-Park

Neue Angebote sollen die Welterbestätte in Bad Muskau noch beliebter machen – bei Touristen und Einheimischen.

Symbolfoto.
Symbolfoto. © Ullmann

Wellness für Zuhause, das ist voll im Trend. Warum nicht mit Sole-Wasser aus Bad Muskau? Das für gesundheitliche Anwendungen wertvolle Nass könnte man sich an einer Tankstelle selber zapfen. So, wie es Tankstellen für Leinöl gibt, könne eine für Sole-Wasser „ein Stück Natur zum Mitnehmen für zu Hause“ bieten. Wenn es nach Diana Thüngethal geht, müsste das Sole-Wasser in jeder Tourist-Info der Region zu haben sein, könnte man einen Tag der Sole begehen, mit Experimentierkoffern das Thema in Schulen behandeln. Die Mitarbeiterin aus dem Fachbereich Tourismusmanagement der Kreisverwaltung Görlitz verweist auf Leknica, wo sie „eine große Nachfrage nach Welterbe als Wellness für Zuhause“ vermutet.

Sie weiß aber auch, dass das Vorhaben nicht einfach mal so umzusetzen geht. Zunächst sei in einer Machbarkeitsstudie zu klären, unter welchen Bedingungen Förderung des Sole-Wassers zulässig ist. Zudem stünden weitere Fragen: nach einem oder am besten mehreren geeigneten Standorten von Sole-Tankstellen, wer das Ganze betreiben und wer es wie vermarkten könnte.

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Nach Corona neue Ideen gesucht

Es ist eine von etlichen Ideen, wie man den Tourismus in der Region nach der Corona-Zwangspause wieder in die Spur kriegt. Und zwar so, dass die Welterbestätten der Oberlausitz nicht nur Gäste aus Hamburg oder München anziehen, sondern ebenso die Menschen in der Oberlausitz selbst begeistern. Dass dem Fürst-Pückler-Park Bad Muskau dabei eine besondere Rolle zukommt, darin waren sich die 40 Teilnehmer der Design-Thinking-Werkstatt, wie man Workshops neuerdings nennt, einig.

Schon jetzt gibt es hierzulande ein weitverzweigtes Radwegenetz, einen schnellen Wechsel verschiedener Landschaftstypen, eine reiche Tierwelt und viel Freiraum, aber auch ein Spannungsfeld zwischen alter und neuer Kulturlandschaft, die gelebten Traditionen der Sorben, drei Länder, vier Kulturen und fünf Unesco-Welterbestätten. „Die Gäste haben viele Bilder im Kopf und entdecken trotzdem immer wieder etwas Neues“, so Juliane Koch von der Agentur BTE (Büro für Tourismus und Erholungsplanung) aus Berlin. Und während sich in der Sächsischen Schweiz die Gäste „stapeln“, könne man hier „im Landschaftsmeditationsraum“ im Herzen von Europa ganz wunderbar entschleunigen.

Um aber den Wow-Effekt auf Dauer zu erhalten, sollen neue Ideen her. Nach Aussage von Juliane Koch bräuchten Einwohner und Akteure „mehr Mut und Selbstbewusstsein, um die Schätze vor der eigenen Haustür zu erkennen und selber mit dem Welterbe vertrauter zu werden“. Vorschläge gab es da so einige. Da war von Outdoor-Abenteuertouren mit Boxenstopps in der freien Natur die Rede, von Pückler 2.0 für Individualtouristen, von einem Rad-Erlebnis-Netz, von interaktiver Gartengestaltung á la Pückler oder auch von einem Highlight-Bus, der an den Wochenenden verschiedene Orte anfährt und schon unterwegs die Fahrt selber mit einer Lesung oder Kleinkunst zum Erlebnis werden lässt. Abgesehen davon, dass es Ähnliches mit dem Oberlausitzer Kunstbus bereits gibt, zeigte dieser Vorschlag, dass der Workshop nur ein erster Anfang sein kann, die Ideen weiter qualifiziert werden müssten. „Alle Orte ständig zu verbinden, ist kostentechnisch nicht stemmbar und auch nicht sinnvoll“, gab einer der Teilnehmer zu bedenken. Auch bräuchte es dafür dringend einen Koordinator, der das Ganze lenkt.

Dem ersten Workshop sollen weitere folgen, um aus den Ideen buchbare Angebote zu machen.
Dem ersten Workshop sollen weitere folgen, um aus den Ideen buchbare Angebote zu machen. © Constanze Knappe

„Wir haben viele tolle Ideen gehört“, fand der Schleifer Bürgermeister Jörg Funda (CDU). Er selber würde am liebsten an den vielfältigen kulturellen Veranstaltungen anknüpfen, die der Pückler-Park (abgesehen von der Corona-Zeit) schon jetzt auf hohem Niveau zu bieten hat. Für ihn stelle sich da auch die Frage, wie man im Nordkreis noch mehr Kultur aufs Land kriegt. Er jedenfalls würde sich wünschen, dass das vor zwei Jahren gestartete Straßentheaterfestival Via Thea verstetigt oder eine Reihe wie ein Kultursommer initiiert wird, „wenn die Bühnen sowieso einmal aufgebaut sind“ oder das Lausitzer Braunkohleorchester und andere Klangkörper in die Fläche gehen. Daraus entwickelte Projekte hätten seiner Ansicht nach den gewünschten Wow-Effekt – und zwar sowohl für die Menschen hier als auch für Touristen.

Der Schleifer Bürgermeister Jörg Funda sieht in mehr Kultur die Chance, den Pückler-Park als Welterbestätte auch den Einheimischen vertrauter zu machen.
Der Schleifer Bürgermeister Jörg Funda sieht in mehr Kultur die Chance, den Pückler-Park als Welterbestätte auch den Einheimischen vertrauter zu machen. © Constanze Knappe

Die Veranstaltung der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH (MGO) im Neuen Schloss Bad Muskau bildete den Auftakt zu einem Projekt, in dessen Rahmen bis Dezember 2022 touristisch buchbare Angebote entstehen sollen, um ausgehend vom Pückler-Park Bad Muskau mehr Gäste in die ganze Region zu holen. Nach Aussage von MGO-Geschäftsführer Olaf Franke haben die Ideen „Lust gemacht, auf dem Weg weiterzugehen“. Er hoffe, dass die Vorschläge nicht bloß irgendwo als Erinnerung bleiben. Um die hohen Erwartungen an das Projekt zu erfüllen, werde man nach Teillösungen suchen und touristische Anbieter einbeziehen.

Anfang Januar 2021 war der Startschuss dafür gefallen. Neben den 400.000 Euro aus Fördertöpfen des Freistaats sind als Projektpartner die Landkreise Görlitz und Bautzen, die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau und die Touristische Gebietsgemeinschaft (TGG) Neißeland mit Eigenmitteln beteiligt. Dem wegen Corona mehrfach verschobenen ersten Workshop sollen noch zwei weitere folgen.

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