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PLUS Weißwasser

Diese Bungalows werden verkauft

Gegenüber vom Badesee Kromlau gibt es seit den 1970er-Jahren die Ferienbungalows. Nun werden alle privatisiert.

ln der Bungalowsiedlung in Krauschwitz gibt es 21 private und kommunale Ferienhäuser.
ln der Bungalowsiedlung in Krauschwitz gibt es 21 private und kommunale Ferienhäuser. © Sabine Larbig

Rund um Weißwasser wurde einst Kohle gefördert. Was blieb, waren meist Badeseen. Auch in Kromlau wurde die aufgegebene Braunkohlegrube ab 1966 zum Badeteich ausgebaut, um das Park-Idyll zu nutzen und das Dorf zum attraktiven Erholungsort zu entwickeln. Ende der siebziger Jahre entstanden daher am Nordufer ein Campingplatz und eine Bungalowsiedlung im ehemaligen Forstgarten.

Campingplatz und Ferienhaussiedlung wurden bis heute weitestgehend von der Gemeinde Gablenz unterhalten und bewirtschaftet. Um Kosten zu minimieren, bemühte man sich immer wieder um Pächter und Betreiber. Meist scheiterte dies, wie zuletzt Ende 2020, am Campingplatz – an den Investitionskosten für die in die Jahre gekommenen Einrichtungen. Für sie ist momentan wieder die Gemeinde zuständig. Doch das soll sich ändern.

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Vermietung bringt kein Geld mehr

Geplant ist, die etwa 200 Meter vom Badesee entfernte Bungalowsiedlung zu privatisieren. Hier, wo sich einst Urlauber um Plätze in den 21 Bungalows, in der angegliederten Gaststätte oder dem Mini-Laden anstellten, herrscht seit Jahren gähnende Leere. Einige Bungalows wurden daher schon verkauft. Der Großteil der Holzhäuser unterschiedlicher Größe verblieb jedoch im Gemeindeeigentum. So wie Grund und Boden. Zwar wurden die Kommunalbungalows schrittweise saniert. Gablenz stellte dafür jährlich rund 5.000 Euro bereit. Dennoch haben noch nicht alle Ferienhäuser den heute erforderlichen Standard, um sie auslastend und kostendeckend vermieten zu können, weshalb die Gemeinde sie verkaufen will. So beschloss es der Gemeinderat in der Juni-Sitzung einstimmig.

Was sich einfach anhört, ist ein komplexer und schwieriger Prozess, der noch viele Monaten in Anspruch nehmen wird. Knackpunkt ist, dass der Grund und Boden der kommunalen (bereits privaten) Häuser an bisherige und künftige Eigentümer übergehen muss. So fordert es das Gesetz. Das heißt im Klartext, dass die Gemeinde schnellstmöglich alle Parzellen und Gemeinschaftsbereiche vermessen und Grundstücke an die Bungalowbesitzer verkaufen muss. Ausgenommen öffentliche Wege, Parkplätze, Freiflächen. „Es ist eine Mammutaufgabe. Aber wir müssen sie angehen, um geordnete Verhältnisse zu schaffen. Diese Grundsatzentscheidung hätte schon vor Jahren getroffen werden müssen“, begründete Bürgermeister Dietmar Noack in der öffentlichen Ratssitzung. Und er informierte, dass die Gemeinde zur Vorbereitung der Beschlussumsetzung alle bisherigen Bungalowbesitzer voraussichtlich im September zu einer Informationsrunde einladen wird. Da sich das Verkaufsvorhaben bereits in der Siedlung herumgesprochen hatte und diverse angeblich „amtliche Informationen“ sowie Gerüchte kursierten, kamen etwa zehn Bungaloweigentümer zur jetzigen Ratssitzung.

Investor soll es nicht kriegen

In der Bürgerfragestunde zeigten sie mit ihren Wortmeldungen, dass sie wenig erfreut über das Vorhaben und die damit verbundenen Neuregelungen sind. Man hätte längst mit ihnen reden müssen, war eine gemeinsame Kritik. „Jeder macht sich Sorgen, ob und wie es weitergeht. Wir zahlen Grundsteuer an die Gemeinde, da kann sie auch mit uns reden und Winterdienst und andere Arbeiten übernehmen“, meinte nicht nur ein Ehepaar aus Ilsenburg, das einen Bungalow kaufte, nachdem es zuvor zehn Jahre Urlaub in der Kromlauer Ferienhaussiedlung machte.

Vor allem interessierte die Anwesenden, warum Bungalows verkauft statt vermietet werden sollen. Dazu erklärte Noack, dass in die noch offene Sanierung rund 100.000 Euro investiert werden müssten. Da man aber plane, den Badesee samt Campingplatz für einen Ganzjahresbetrieb zu ertüchtigen, müsse sich die Gemeinde, die auch den Park unterhalte, von etwas trennen. „Wir haben weder Geld noch Personal für alles. Die Belastungen sind zu groß, und abgesehen davon deckt Vermietung nicht die Kosten.“

Eigentümergesellschaft wird erforderlich

„Kein Wunder“, so eine weitere Besitzerin, „bei dem Zustand und der Ausstattung, dem Aussehen des Sees und dem Fehlen von Gaststätte, Versorgung, W-Lan ...“. Daher, entgegnete Noack, wolle man ja den Badesee sanieren und die Bungalows verkaufen. „Aber wir werden an keinen Investor verkaufen, nur an Einzelpersonen.“ Diese Aussage beruhigte die Anwesenden. Die Kritik, dass Grund und Boden gekauft werden müssten und man nichts wisse zu Verträgen und Preisen, blieb jedoch laut. Laut Bürgermeister sollen in Härtefällen Ratenzahlungen möglich werden. „Doch ohne Grundstücke können Sie die Bungalows auch nicht verkaufen“, erklärte er.

Und Dietmar Noack verwies zum allgemeinen Erstaunen darauf, dass die Siedlung unter Denkmalschutz steht. Alle Eigentümer müssten daher später beim Amt Anträge stellen. Wegen der Gemeinschaftsanlagen und Großbäume sowie einer nötigen Gestaltungssatzung müsse zudem eine Eigentümergesellschaft gegründet werden, die unter anderem beschließen muss, ob Ganzjahresnutzung der Bungalows, Einbau von Dämmung und Heizung möglich sein und wie Verwaltung und Pflege der Anlage erfolgen sollen. „Wir haben als Gemeinde bisher die Hände über die Bauten und das Areal gehalten. Das geht nicht mehr.“

Noch sind die Bungalowbesitzer nicht überzeugt. „Es wird wohl mancher Rechtsstreit mit der Gemeinde entstehen“, meinte ein Eigentümer nach der Ratssitzung.

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