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Ein Feuerteufel in Weißwasser?

Nachdem das Volkshaus in Flammen stand, brannte es jetzt an der Gelsdorfhütte und unweit davon gleich noch einmal.

Nachdem es am Dienstag an der Gelsdorfhütte brannte, stand am Mittwoch unweit davon auf dem alten Fabrikgelände ein großer Stapel Altreifen in Flammen. Die Feuerwehr, die mit mehreren Fahrzeugen vor Ort war, löschte mit Schaum und verhinderte ein Übe
Nachdem es am Dienstag an der Gelsdorfhütte brannte, stand am Mittwoch unweit davon auf dem alten Fabrikgelände ein großer Stapel Altreifen in Flammen. Die Feuerwehr, die mit mehreren Fahrzeugen vor Ort war, löschte mit Schaum und verhinderte ein Übe © LausitzNews/Maik Petrick

Wut und Entsetzen machen sich in Weißwasser breit. Nachdem das Volkshaus am 25. April in Flammen stand, sind die katastrophalen Folgen dessen bis heute noch nicht abzuschätzen. Und da brennt es schon wieder.

Offenbar gezündelt wurde am Nachmittag des 1. Juni an der Ruine der Gelsdorfhütte auf der Forster Straße. Gegen 17.15 Uhr meldeten Zeugen der Feuerwehr den Brand. Gerade noch rechtzeitig, wie sich zeigen sollte. Denn die Kameraden der Feuerwehr Weißwasser konnten den brennenden Unrat löschen, bevor daraus ein größeres Feuer wurde.
Am Tag darauf, dem 2. Juni, stand am Nachmittag unweit davon ein knapp 100 Quadratmeter großer Stapel Altreifen in Flammen. Anwohner bemerkten Rauch und verständigten Feuerwehr und Polizei. Wie sich herausstellte, hatten Unbekannte auf dem alten Fabrikgelände offenbar vorsätzlich die alten Reifen in Brand gesetzt. Die schwarze Rauchsäule war weit sichtbar. Sie verhieß den Einwohnern der Stadt nichts Gutes und führte auch in den sozialen Netzwerken zu wilden Spekulationen.

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Ein Blick auf das, was das Feuer vom Volkshaus übriggelassen hat.
Ein Blick auf das, was das Feuer vom Volkshaus übriggelassen hat. © Joachim Rehle

Gegen 14 Uhr waren die Kameraden der Feuerwehr Weißwasser mit mehreren Fahrzeugen zur Stelle. Durch den schnellen und professionellen Einsatz mit Wasser und Schaum konnten die insgesamt 16 Einsatzkräfte eine weitere Ausbreitung des Brandes und vor allem das Übergreifen der Flammen auf den Wald verhindern.
In beiden Fällen wurde zum Glück niemand verletzt. Das schnelle Aufeinanderfolgen dieser Ereignisse legte die Vermutung nahe, dass ein Feuerteufel seine Hand im Spiel haben könnte. Eine Vorstellung, die den Kameraden der Feuerwehr den Schweiß auf die Stirn treiben dürfte, den Verantwortlichen im Rathaus aber ebenso. Ganz abgesehen von der Unruhe, die sich unter den Bürgern der Stadt breitmacht.

Am gestrigen Donnerstag waren die Vorkommnisse zumindest teilweise geklärt. Denn die sofort am Mittwoch eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen der Polizei führten zum Ergreifen zweier jugendlicher Tatverdächtiger. Wie aus dem Polizeibericht hervorgeht, nahmen die Beamten einen 16-jährigen Jungen und ein gleichaltriges Mädchen für weitere Maßnahmen mit aufs Revier. Die Ermittlungen aufgrund der Brandstiftung führt der zuständige Kriminaldienst. Der Brand am Dienstag legt ebenfalls den Verdacht einer Brandstiftung nahe. Auch dazu ermittelt die Polizei. An der Ruine der Gelsdorfhütte hatte es bekanntlich schon mehrfach gebrannt. Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) ist über die Ereignisse entsetzt und wütend zugleich. Nach seinem gegenwärtigen Kenntnisstand sollen in beiden Fällen die Brandstifter Jugendliche gewesen sein.

Vom Volkshausbrand angestachelt?

Er vermutet, dass es ihnen offensichtlich um Aufmerksamkeit geht, dass sie sich durch die große Resonanz des Volkshausbrandes in den sozialen Medien womöglich angestachelt fühlten und sich vielleicht eine ebensolche Beachtung erhofft haben. „Aber die Problemlage ist nicht einfach mit Unwissenheit, Aggression und Wut bei den Tätern zu erklären“, sagte Torsten Pötzsch auf Nachfrage von TAGEBLATT. Sowas müsse in einem größeren Zusammenhang gesehen werden.

Der OB hat sich deshalb mit Landkreis, Polizei, Staatsanwaltschaft und der Jugendsozialarbeit beraten. „Aus meiner Sicht ist eine Ursache für solche Taten auch in der fehlenden Ausstattung bei der Jugendsozialarbeit und der Anzahl von Streetworkern zu suchen. Hier können wir als Kommune und Stadt nicht alleine die Probleme von Bund, Land und Landkreis lösen. Es zeigt sich aber, dass Kürzungen an dieser Stelle fehl am Platze sind“, erklärte er. Schon der Volkshausbrand hatte die Frage nach der Sicherung kommunaler Immobilien in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Die Frage nach dem Schutz von Eigentum stellt sich angesichts der Brandstiftungen in dieser Woche nun erneut. „Bislang konnten wir bei der Gelsdorfhütte nicht so einfach aktiv werden, weil uns Gebäude und Gelände nicht gehört haben“, betonte Torsten Pötzsch. Nachdem der Stadtrat beschlossen hat, das Gelände zu erwerben, sei das jetzt anders. Die Stadt habe die Altreifen entsorgt und die Sicherung vor Ort verstärkt. Bedanken möchte sich der OB bei der NEG und dem städtischen Wirtschaftshof, „die sofort vor Ort und bei der Sicherung und Brandlastentfernung tätig waren.“

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Nach Aussage von Torsten Pötzsch wurden auch bei anderen Objekten im Besitz der Stadt weitere Maßnahmen ergriffen, die über die bisherige Sicherung hinaus gehen. „Insbesondere nach den Hinweisen aus dem Stadtrat haben wir mehrere Begehungen gehabt, um mögliche Schwachstellen zu beseitigen. Auch hier haben wir Zusatzmaßnahmen ergriffen“, betonte er. Zu den Details werde er sich jedoch nicht äußern, um potenziellen Tätern keine Hinweise zu geben.

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