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Weißwasser

Ein neuer Lebensraum für Schmetterlinge

Die Stadtwerke Weißwasser engagieren sich für eine grüne Stadt – und biologische Vielfalt. Dafür gibt’s sogar einen Preis.

Für die Schmetterlingswiese bekam SWW-Mitarbeiter Mathias Horn (li.) aus den Händen von Landrat Bernd Lange (re.) jetzt den Vielfalt-Preis. Begleitet wird das Projekt von SWW-Sprecherin Bettina Brandt (M.).
Für die Schmetterlingswiese bekam SWW-Mitarbeiter Mathias Horn (li.) aus den Händen von Landrat Bernd Lange (re.) jetzt den Vielfalt-Preis. Begleitet wird das Projekt von SWW-Sprecherin Bettina Brandt (M.). © Constanze Knappe

Hätten Sie gewusst, was ein Dornfinger ist? Nun, es ist ein hierzulande recht seltenes Spinnentier. Entdeckt hat es Christian Hoffmann vom Naturschutzbund Nabu Sachsen in den Blüten eines Ampfers. Und der wächst auf einer Schmetterlingswiese in Schleife. Auch Grabwespen tummeln sich dort. Dass sich noch Etliches mehr, was kreucht und fleucht, dort heimisch fühlen kann, ist den Stadtwerken Weißwasser GmbH (SWW) zu verdanken. Die Schmetterlingswiese wurde auf dem Gelände der ehemaligen Kläranlage in Schleife (Glück-Auf-Siedlung) angelegt. Sie ist anerkannt als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Und dafür gab es jetzt aus den Händen des Görlitzer Landrats sogar einen Preis. Den Vielfalt-Baum. Bernd Lange würdigte den Einsatz der Stadtwerke Weißwasser, die auch in Krisenzeiten wie jetzt in der Corona-Pandemie das gesellschaftliche Leben fördern sowie Projekte und Vereine unterstützen.

„Wir haben uns überraschen lassen“

Den Stein ins Rollen brachte Mathias Horn, SWW-Mitarbeiter im Bereich Abwasser. Er hatte sich im vorigen Jahr an Christian Hoffmann vom Nabu gewandt – mit dem Verweis auf eine brachliegende Fläche, auf der man doch etwas für die Artenvielfalt tun könne. Gesagt, getan. Auf 1.500 der insgesamt 2.000 Quadratmeter wurde regionales Saatgut ausgesät. „Wir haben uns überraschen lassen, was daraus wird“, so Bettina Brandt. Angefangen vom ersten Grün in diesem Frühjahr entwickelte sich das Areal zu einem neuen Lebensraum für Schmetterlinge und andere Insekten. Die SWW-Sprecherin, die das Projekt begleitet, schwärmt von Tigerschmetterlingen und anderen Schönheiten, die ansonsten hierzulande immer seltener zu sehen sind.

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Schmetterlingspate Christian Hoffmann räumte ein, dass „zwar nicht so viel gekommen ist, wie gewollt“, aber der Anfang sei gemacht. Man bräuchte Flächen, die so bewirtschaftet werden, dass für alle Stadien der Insekten von den Eiern über Larven bis zu den fertigen Schmetterlingen ausreichend Platz bleibt. Christian Hoffmann betreut das Projekt „Puppenstuben gesucht – blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“. Auf den Wiesen fühlen sich aber auch andere Insekten wohl. Deren Situation habe sich durch den Klimawandel verschärft, sagte er. „Artenvielfalt ist aber nicht nur ein Thema, damit auch die nächsten Generationen noch einen Tiger sehen können, sondern wichtig für den Erhalt des biologischen Gleichgewichts überhaupt“, erklärte er.

Geschäftsführerin kennt sich aus

Die Stadtwerke setzen seit Jahren auf Netzwerke und Kooperation. „Das zeichnet Nachhaltigkeit aus“, betonte Geschäftsführerin Katrin Bartsch. Ohne Mitarbeiter gehe es allerdings nicht. Deshalb habe sie das von Mathias Horn angeregte Projekt von Beginn an befürwortet. Die Thematik sei ihr sehr vertraut. Acht Wiesenknopf-Ameisenbläulinge, eine Schmetterlingsart, hätten sie und ihr Mann in diesem Jahr in ihrem Biotop an der Neiße schon gezählt.

Sylke Freudenthal von Veolia Deutschland, zu deren Gruppe die Stadtwerke Weißwasser seit 2002 gehören, sieht in dem Projekt „ein tolles Signal für die Stadt Weißwasser“. Alljährlich unterstützt Veolia Projekte, die von Mitarbeitern aus den einzelnen Standorten vorgeschlagen werden. Die Schmetterlingswiese habe gar nicht auf der Wunschliste gestanden. Umso bemerkenswerter sei die Aktivität.

Mit SWW-Unterstützung hat die Stadt Weißwasser in den vergangenen Jahren Bäume an Kitas gepflanzt. Und alles in allem 9.000 Bäume müssten an den Straßen jedes Jahr begutachtet werden. Da seien die dahinter noch gar nicht mitgezählt. „Im Vergleich zu anderen Mittelzentren ist Weißwasser eine sehr grüne Stadt. Und sie wird noch viel grüner werden“, erklärte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Die Schmetterlingswiese habe einen positiven Nebeneffekt. Es müsse nicht so viel gemäht werden, was letztlich Kosten spare, sagte er. Umso wichtiger sei es, Schilder aufzustellen, gab Christian Hoffmann zu bedenken. „Damit die Leute wissen, dass es Absicht ist, dass nicht gemäht wird.“

Die Vereinten Nationen haben die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade für die biologische Vielfalt erklärt. In Deutschland läuft seither ein Wettbewerb, um Menschen anzuregen, etwas zu tun für biologische Vielfalt, auch Biodiversität genannt.

Das Pflanzen ersetzt das Absägen

In jedem Jahr setzen die Stadtwerke – neben ihrer vielseitigen Förderung von Vereinsaktivitäten – eine Maßnahme zur Verschönerung des Stadtbilds um. Voriges Jahr erhielt die Kita „Regenbogen“ einen Baum, der auch als Weihnachtsbaum geschmückt werden kann. Ein solcher steht jetzt ebenso am Marktplatz. Am Dienstag war die Zirbelkiefer gepflanzt worden. Die muss zwar noch etwas wachsen, wird aber, so hoffen alle, ein schöner Weihnachtsbaum. Bislang wurden Bäume, die ihren Besitzern zu groß geworden sind, auf privaten Grundstücken abgesägt und auf den Markt transportiert, um vor dem Rathaus anheimelnde Atmosphäre zu schaffen. 

Künftig ist das nicht mehr erforderlich. Die Zirbelkiefer steht auf der anderen Seite des Marktes. „Weil ein Nadelbaum vor dem Rathaus mitten im Sommer ein bisschen seltsam aussehen würde“, begründete der OB. Katrin Bartsch übergab ihm jetzt zwei Weihnachtskugeln – verbunden mit dem Wunsch, dass andere diesem Beispiel folgen mögen. So könnte der Baumschmuck Jahr für Jahr üppiger ausfallen.

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