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Eine Prunkgondel für den Rakotzsee

Schon vor über 100 Jahren fuhren Boote auf dem Rakotzsee. Sie soll es bald wieder geben: als Luxus-Variante für Hochzeiten.

Von Sabine Larbig
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Die Rakotzbrücke im Kromlauer Park ist durch Material, Bauform und Spiegelung im Rakotzsee als Rundbogenbrücke längst kein Geheimtipp mehr für Touristen und Fotografen, sondern weltberühmt. Künftig soll auf dem Rakotzsee und unter der Brücke sogar
Die Rakotzbrücke im Kromlauer Park ist durch Material, Bauform und Spiegelung im Rakotzsee als Rundbogenbrücke längst kein Geheimtipp mehr für Touristen und Fotografen, sondern weltberühmt. Künftig soll auf dem Rakotzsee und unter der Brücke sogar © Gernot Menzel

Wer sich das Ja-Wort gibt, will meist auch schöne oder außergewöhnliche Kulissen für Zeremonie und Hochzeitsfotos. Der Kromlauer Park bietet beides. Im sanierten Schloss wird getraut, kann gefeiert und geschlafen werden. Im Kavaliershaus gibt es eine Hochzeitssuite und als Hintergrund für Fotos zu Erinnerung an den schönsten Tag im Leben eignet sich die traumhafte Kulisse der Rakotzbrücke.

Kromlauer Park als Hochzeitskulisse

Dass der größte Azaleen- und Rhododendronpark Deutschlands über all dies verfügt, hat sich mittlerweile bei Hochzeitswilligen, -planern, -fotografen in Deutschland, Polen und anderen Ländern rumgesprochen. Auch, weil das nun in neuem Glanz erstrahlende Rakotzensemble in den letzten Jahren durch Film, Funk, Internet und Künstler weltweit bekannt wurde. Davon will die Gemeinde Gablenz nun profitieren. Und sie will den Park zum Eldorado für Hochzeitspaare entwickeln. Nicht nur, indem das Schloss als „Hochzeitsschloss“ vermarktet und samt Park entsprechend weiterentwickelt wird. Auch, indem neue Attraktion geschaffen werden.

Erste Ideen dafür gibt es bereits. So sollen künftig Sektempfänge im Schloss oder im Grünen sowie Kutschfahrten der Hochzeitspaare durch den Park möglich sein. „Und wir sollten einen Kahn anschaffen, mit dem über den Rakotzsee geschippert wird“, meint Bürgermeister Dietmar Noack mit breitem Lachen. Denn die Bezeichnung Kahn passt nicht zu dem, was ihm vorschwebt. In Kromlau sollen Braut und Bräutigam nicht in irgendein triviales Wassergefährt einsteigen, sondern in einer Prunkgondel über den Rakotzsee fahren und dabei Fotos machen können.

Gondeln wie zu herrschaftlicher Zeit

Ob in die Gondel an der historischen Prachttreppe, die im See endet, gestiegen wird oder anderswo – diese Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen. Doch klar ist schon, dass das Hochzeitsschiff einen livrierten Bootsführer, Sitzplätze und einen überdachten Aufbau haben wird. Der schützt nicht nur vor neugierigen Blicken, sondern auch Laune, Kleidung und Frisuren des Paares und einige wenige Mitfahrer Mitfahrern vor Wind, Sonne und Regen. Abgesehen davon ist ein geschlossenes Boot sicherer und gemütlicher als ein offenes. Selbstverständlich werden Innen- und Außengestaltung „prunkvoll“. Und natürlich muss nicht gerudert werden.

Fortbewegen soll sich die Gondel, anders als in Venedig oder dem Spreewald, auch nicht mit Staken. Die, oder Paddel, würden nämlich den Spezialbelag zur Abdichtung des flachen Sees beschädigen. Gesetzt wird in Kromlau deshalb auf Motorkraft. Ob über den Rakotzsee in Zukunft elektrisch oder per Solarantrieb gefahren wird, ist noch offen. In jedem Fall wird es eine umweltfreundliche und klimaschonende Motorart sein. Noch unklar ist dagegen, wie die Gondel hin und her transportiert wird. „Es ist ja kein Angelkahn, der irgendwo angebunden wartet. Alles muss zueinander passen und handhabbar sein“, so der Bürgermeister. Immerhin müsse die Gondel gehobenen Ansprüchen entsprechen und gleichzeitig transportabel sein. Schließlich soll sie nur nach Anfrage und Buchung durch Hochzeits- und Jubiläumsgesellschaften oder andere besondere Gäste und Anlässe über den Rakotzsee schippern. Ausnahmen sollen ebenfalls die Kutschfahrten durch den Park bleiben, die als besondere Zubringer für die Gondelfahrer gedacht sind. „Sonst würden das Aufkommen und die Geruchsbelästigung im Park ganz schön hoch und riechbar“, begründet der Gemeindechef, der all diese Ideen jüngst erstmals im Gemeinderat vorstellte.

Gemeinderat steht zum Gondel-Kauf

Die Ratsmitglieder mussten nämlich die Anschaffung der Gondel als zusätzlichen Tagungsordnungspunkt der Ratssitzung ebenso absegnen wie die geplanten Anschaffungskosten von 25.000 Euro. So viel Geld wollen sich die Gablenzer die Attraktion nämlich kosten lassen – ob mit oder ohne finanzielle Förderung, obgleich aktuell noch auf diese gehofft wird.„Wir müssen den Tourismus und insbesondere den Hochzeitstourismus ankurbeln. So eine Gondel ist dafür ideal und funktioniert. Das habe ich mir mit einigen Räten in Moritzburg, wo sogar ein Bootsbauer ist, schon angeschaut“, erläuterte Dietmar Noack vor der Beschlussfassung und nach Anfrage von Gemeinderat Dino Hoffmann, wann und ob sich die geplanten Anschaffungskosten überhaupt einspielen.Trotz mancher Skeptiker überzeugte das Vorhaben den Großteil der Räte. Mit einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen stimmten sie mehrheitlich dem Kauf einer Prunkgondel zu. Wann die kommt, wie sie aussehen und wer sie bauen wird – damit müssen sich die Gemeinderäte in den kommenden Monaten befassen.

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