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Endlich: Ab heute sind die Biergärten offen!

Gastronomen in und um Weißwasser dürfen wieder Gäste bewirten. Vorerst nur draußen. Doch nicht alle Gaststätten machen mit.

Nadine und Bastian Bormann sind Mitarbeiter in der Schloss Schänke in Bad Muskau und freuen sich riesig, dass sie ab heute im Biergarten „endlich wieder Gäste richtig bedienen“ dürfen. Für die ersten Gäste gibt es bei ihnen Hawaii-Ketten als Begrü
Nadine und Bastian Bormann sind Mitarbeiter in der Schloss Schänke in Bad Muskau und freuen sich riesig, dass sie ab heute im Biergarten „endlich wieder Gäste richtig bedienen“ dürfen. Für die ersten Gäste gibt es bei ihnen Hawaii-Ketten als Begrü © Joachim Rehle

Die gute Laune von Nadine und Bastian Bormann ist ansteckend. Gepaart mit den einladenden Aufstellung der Tische und Stühle samt riesigen Sonnenschirmen im Biergarten der Schloss Schänke in Bad Muskau, bekommt man sofort Lust auf ein kühles Bier, einen süffigen Wein oder leckeres Essen mit freundlicher Bedienung.
Solche einfachen Dinge wie Gaststätten- und Kneipenbesuche waren seit November 2020 wegen Corona nicht mehr möglich. Nun, mit sinkenden Inzidenzzahlen, steigen die Lockerungen. Auch im Landkreis Görlitz dürfen die Gastronomen ab heute daher wieder ihre Außenbereiche öffnen und dort Gäste bedienen.

Gästebegrüßung mit Überraschung

Nicht nur Nadine und Bastian freuen sich auf den Neustart, wie ein Aufsteller am Schloss Schänke-Eingang beweist. „Stichtag ist Freitag! Wir dürfen endlich öffnen“, ist darauf zu lesen. Deshalb wurde in den letzten Stunden vor dem Neustart der Außengastronomie auch kräftig geputzt, gekehrt und entstaubt. Nicht nur im Biergarten. Und natürlich sind Kühltruhen und Warenlager, entsprechend der Speisekarte, wieder befüllt sowie die Zapfanlage betriebsbereit. „Wir freuen uns riesig, endlich wieder Gäste begrüßen und bedienen zu können. Wir legen heute ab 11 Uhr los. Selbst wenn es regnet. Unser Außenbereich ist ja groß und hat genug Schirme und wir wollen nach so viel Ruhe endlich wieder arbeiten“, erzählt Nadine Bormann.

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Seit November vorigen Jahres lief in der Gaststätte mit zwei Ferienwohnungen, wie anderswo, nicht viel. Das Angebot war auf Speisen zum Mitnehmen reduziert. Vorrangig an Feiertagen. Noch zu Pfingsten gab es ebenfalls nur to-go-Angebote. „Pfingsten war gut Laufkundschaft da. Viele Gäste, besonders die Touristen, hätten sich aber gerne mal in den Biergarten gesetzt. Doch es war ja leider nicht möglich“, so die Mitarbeiterin. Umso mehr freue man sich auf den Neustart. „Wir haben extra 100 Hawaii-Ketten besorgt, die wir unseren ersten Gästen zur Begrüßung umhängen.“ Dass die Ketten für das Wochenende reichen, wird gehofft. Und weil selbst Ferienwohnungen und Pensionen öffnen dürfen, konnten Nadine und Kollegen sogar schon dafür erste Reservierungen annehmen.

Glücklich über die Corona-Lockerungen und voller Vorfreude ist ebenfalls Sandra Noack von der Gablenzer Freizeit. „Wir öffnen die Außengastronomie ab Sonnabend, 17 Uhr, und haben einige Voranmeldungen“, verrät die Geschäftsführerin, die mit ihrem Team bereits eine saisonale Speisekarte, darunter Spargelgerichte, zusammengestellt hat. Auch deshalb wird der Biergarten am Sonntag ab 11 Uhr geöffnet.

Vorfreude auf Bowling & Co.

Und Sandra Noack und ihre Mitarbeiter freuen sich bereits auf noch viel mehr Gewusel in der Freizeit. Denn ab 1. Juni darf wieder mehr als geschlemmt werden. „Dann sind bei uns endlich auch wieder Bowling und Badminton möglich.“ Darauf, dass Stammspieler und andere Gäste das Angebot gut nutzen, wird nach der langen Zwangspause in Gablenz natürlich gesetzt.

Auf Gäste mit Hunger und Durst ist man ab heute ebenfalls am Waldhaus Weißwasser eingestellt. Dass der große Biergarten – er bietet wegen der Hygieneregelungen vorerst 50 Plätze – zwischen 11 und 20 Uhr gut angenommen wird, das wünscht sich Inhaberin Regina Valentin. Immerhin liegt die Ausflugs- und Speisegaststätte direkt am Braunsteich, weshalb man im Biergarten einen herrlichen Ausblick hat. Wer mag, kann bei Regina Valentin sogar ein Ruderboot ausleihen und in Familie oder allein über’n See schippern.

Neustart und Zuversicht

Aufgeben, dies stand – trotz Zwangsschließung seit vorigen November – für die Chefin der Traditionsgaststätte nie zur Diskussion. Obwohl es, wegen der Lage, nicht einmal Mitnahmeangebote gab und die Gaststätte monatelang komplett zu und ohne Einnahmen war. „Wir hatten Essenbestellungen zu Weihnachten und Ostern. Doch sonst lohnte sich das für uns nicht“, begründet Regina Valentin. Mit Blick auf die veränderten Bedingungen durch Corona wurde sich stattdessen auf eine Umgestaltung der Außenflächen konzentriert. Dort gibt es nun zusätzlich einen festen Außenverkauf, um „Übergangsphasen zu überleben“.

Vorbereitet auf die Terrassensaison ist ebenfalls das Eiscafé Venezia in Weißwasser. „Wir sind flexibel. Allerdings hängt alles etwas vom Wetter ab“, sagt Inhaber Ibi Brahim. Auch er musste seit vorigem Jahr die Innenbereiche der Gaststätte schließen und auf Mitnahmeangebote, Lieferdienst und Eisverkauf setzen. „Das mit dem Eis lief ganz gut. Beim Essen war es mal so und mal so“. Von Januar bis März dieses Jahres, bekennt Ibi Brahim, sei es jedoch „richtig schlecht“ gelaufen. „Ehrlich gesagt war es eine Katastrophe. Aber wir halten durch!“. Durch die Erfahrungen mit Corona überlege er jetzt sogar, noch einen Pizzaofen anzuschaffen. „Die Nachfrage nach Pizza war echt groß“, sagt er.

WEM-Sonderfahrt ohne Gäste

Eis, Kuchen und Getränke gibt es täglich von 13 bis 18 Uhr ebenfalls im Gartencafé von Garten Eden in Halbendorf. Dies ist schon eine ganze Weile und nicht erst ab heute so. „Unser Café war die ganze Zeit geöffnet, weil die Besucher unserer Schauanlage sich mit Speisen und Getränken an die eigens zum Testen aufgestellten Tische, Bänke und Stühle setzen konnten. So waren Abstand und Hygiene jederzeit gewahrt und kulinarischer Genuss möglich“, erläutert Inhaber Dirk Noack den im Gartencafé nicht nötigen Corona-Neustart.

Während viele Gastronomen, auch im Findlingspark Nochten, in Schleife, am Bärwalder und Halbendorfer See, die Chance nutzen, zumindest mit Außengastronomie wieder starten und etwas Geld einfahren zu können, gibt es ebenso jene, die nicht öffnen wollen oder dürfen. Denn nicht alle Bier- oder Terrassengärten dürfen trotz Lockerung ab sofort betrieben werden. So, wie bei der Waldeisenbahn Muskau (WEM). Die hat an ihrem Bahnhof Teichstraße in Weißwasser die Freiluftgaststätte „Zum Hemmschuh“. Die darf aber ausschließlich bei offiziellem Fahrbetrieb arbeiten. Da für die WEM, die als touristische Einrichtung und nicht als öffentliches Verkehrsmittel gilt, weiter generelles Verbot für den Fahrbetrieb besteht, bleibt auch der Hemmschuh weiter dicht. Allerdings seien es die Gäste gewohnt, so Geschäftsstellen-Mitarbeiterin Ilka Bock, dass außerhalb des Fahrbetriebs die Gaststätte zu ist. Abgesehen davon sei ohne Fahrbetrieb sowieso keine Einkaufs-, Waren- und Personalkalkulation möglich. „Die Ausgaben wären letztlich höher als die Einnahmen“, begründet Bock.

Zuschauer und Unterstützer bei der morgigen Fahrt eines Diesel- und eines Dampflokzuges werden daher wirklich nur die historische Technik bestaunen oder Geld für ihren Erhalt und den des Fördervereins und seiner Arbeit spenden können, statt die Waldbahn mit Einnahmen durch Gastronomie oder Fahrpreise zu unterstützen. Denn die Züge, die leer nach Kromlau und Bad Muskau fahren, sind ein Achtungszeichen der Waldeisenbahner, die damit auf die prekäre Lage der Bahn aufmerksam machen wollen, die durch Corona das zweite Jahr so gut wie still steht.

Warten auf die Komplettöffnung

Nicht möglich ist kulinarischer Genuss ebenfalls auf dem Balkon der Gaststätte im Muskauer Schloss. „Solange das Schloss mit Museen und Ausstellungen nicht öffnen darf, ist das Café zu“, erklärt Pressesprecherin Sophie Geisler von der Fürst-Pückler-Stiftung Bad Muskau. Allerdings werde der Betreiber ab 1. Juni unterm Schloss-Altan am Lucie-Teich einen Außenverkauf „to go“ für Spaziergänger und Besucher des Parks einrichten. Zudem gebe es noch das Café Vorwerg am Marstall.

Dem gegenüber verzichtet Matthis Siezy von der Gaststätte „Wasserturm“ in Bad Muskau freiwillig auf Teilöffnung. „Würde ich jetzt bei dem Wetter die Außengastronomie öffnen, wären Kosten und Unsicherheiten viel zu hoch“, begründet er seine Entscheidung. Auch Abholservice sei keine Alternative gewesen. „Wir machen erst auf, wenn wir komplett öffnen dürfen. Wir haben genug eingebüßt und verbrennen nicht noch mehr Geld!“.
Somit bleiben den Bad Muskauer und anderen Einrichtungen nur das Warten auf weiter sinkende Inzidenzzahlen. Dann sollen ab Mitte Juni nämlich alle gastronomischen Einrichtungen, Hotels und mehr im Freistaat öffnen dürfen.

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