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Weißwasser

Entwurf fürs neue Gerätehaus in Schleife steht

Ab Herbst 2021 soll gebaut werden. Um Kosten zu sparen, packen die Kameraden der Ortswehr auch selber mit an.

o könnte das neue Feuerwehrgerätehaus in Schleife aussehen. Der Turm ist ein prägendes Element – mit einem „Aber“
o könnte das neue Feuerwehrgerätehaus in Schleife aussehen. Der Turm ist ein prägendes Element – mit einem „Aber“ © Entwurf: Rauh, Damm, Stiller und Partner Planungsg

Ende 2022 soll das neue Gerätehaus der Feuerwehr in Schleife in Betrieb gehen. Doch noch existiert der Neubau nur auf Papier. Um den ambitionierten Zeitplan nicht zu verzögern, hat der Gemeinderat Schleife am Dienstag die weitere Verfahrensweise beschlossen. Bürgermeister Jörg Funda (CDU) dankte den Räten für das deutliche Votum: Er sei froh über die Einstimmigkeit. Seine scherzhaft hinzugefügte Bemerkung „Da habe ich für den Rest der Woche gute Laune“ hat einen überaus ernsten Hintergrund. Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses ist für die Gemeinde Schleife das größte Hochbauvorhaben nach dem 2020 eröffneten deutsch-sorbischen Schulkomplex. Und, so war außerdem zu vernehmen: es sei ein Signal an die Kameraden aus Mühlrose, sich nach ihrer Umsiedlung an den neuen Standort der Schleifer Wehr anzuschließen. „Heute haben wir einen wichtigen Pflock eingerammt“, betonte Jörg Funda nach dem Beschluss.

Kosten auf 2,5 Millionen gedeckelt

Das neue Gerätehaus in Schleife ist eine der Maßnahmen, die im Mai 2017 in jener gemeinsamen Absichtserklärung der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag), des Freistaats Sachsen sowie der Gemeinden Schleife und Trebendorf zur Beseitigung des bergbaubedingten Nachholbedarfs in der kommunalen Infrastruktur vereinbart wurden. Lange Zeit war es dann ziemlich still um das Vorhaben geworden, was die Geduld der Schleifer Kameraden arg strapazierte. Für zusätzliche Verzögerungen sorgte zum einen, dass die Baupreise mittlerweile in Regionen kletterten, die sich nach den Worten des Bürgermeisters „nicht sicher abbilden ließen“ und zum anderen habe sich der Ablauf der Planungen wegen der Corona-Pandemie hingezogen.

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Der bisherige Entwurf wies Kosten von 2,66 Millionen Euro aus. Daraufhin habe man gemeinsam mit dem Planungsbüro, dem Gemeinde- und dem Ortswehrleiter nach Einsparmöglichkeiten gesucht – mit der Maßgabe, die Gesamtkosten für Planung und Bau auf 2,5 Millionen Euro zu deckeln. Wie das zu erreichen ist, stellte Annett Dreißig am Dienstag im Gemeinderat vor. In den Planungen werde nunmehr von 40 statt der bisher angedachten 50 Kameraden ausgegangen, damit seien Räume und Nutzfläche zu reduzieren, so die Mitarbeiterin des Bauamts Schleife. Das Gebäude rückt um fünf Meter näher an die Straße Am Damm heran. Die Umfahrung wird als Schotterrasen ausgeführt sowie die notwendigen Parkplatzflächen an den Bedarf angepasst. Die Netzersatzanlage soll nicht wie bisher vorgesehen im Inneren des Gebäudes angeordnet, sondern in dessen Außenbereich verlegt werden. Die Jugendfeuerwehr wird integriert. Und es sei vorgesehen, vorhandenes Mobiliar mit gutem Standard im neuen Gerätehaus weiter zu nutzen, so Annett Dreißig.

Das Gerätehaus besteht aus einer Halle mit vier Stellplätzen samt Werkstatt und Raum für die Haustechnik. Im Anbau werden Umkleide- und Sanitärräume für Männer und Frauen, Teeküche, Schulungsraum und die Funkeinsatzzentrale untergebracht. Auf Wunsch der Kameraden beinhaltet die Planung außerdem einen Übungsturm. „Dieser wird aber als separates Bauwerk betrachtet und umgesetzt“, so Annett Dreißig. Soll heißen, wenn die Ergebnisse für einen Großteil der Ausschreibungen vorliegen, werde entschieden, ob der Turm gebaut werden kann. „Wir sind alle festen Willens, den Turm zu realisieren“, versicherte der Bürgermeister. In die Ansichten sei der Turm ganz bewusst eingezeichnet worden, weil er keine unerhebliche Rolle spielt. Ursprünglich sei es eine Idee von Kameraden aus Mühlrose gewesen, inzwischen hätten sich alle damit angefreundet. „Es ist eine emotionale Sache: Mit dem Turm sieht es erst richtig wie eine Feuerwehr aus“, begründete Jörg Funda. Zudem fördere der Übungsturm den Austausch mit anderen Wehren.

Übungsturm motiviert Nachwuchs

Auf den ursprünglich zu Übungszwecken vorgesehenen Löschwasserteich wird aus Kostengründen verzichtet. Aber nur formal, denn gebaut wird er trotzdem, und zwar in Eigenregie der Kameraden unter fachlicher Aufsicht der Bauüberwachung. „Wir haben uns schon Gedanken gemacht, welche Möglichkeiten wir selber haben, um Kosten zu sparen“, erklärte Ortswehrleiter Mario Klar (CDU), der auch Mitglied des Gemeinderats ist. Die Eigenleistung würde die Baukosten um 30.000 Euro senken und zudem die Kameradschaft stärken. „Und es eröffnet uns die Chance, den Turm doch zu kriegen“, sagte er. Denn dieser sei wichtig für die Ausbildung der Kameraden. Auf Nachfrage aus den Reihen der Räte erklärte Mario Klar, dass der Turm zwar nicht für die Schlauchtrocknung ausgeschrieben, aber dafür ebenso geeignet sei.

Wie der Turm sei auch der Löschwasserteich zu Übungszwecken gedacht. Wolfgang Goldstein (WV SV Lok Schleife) sieht in dem Turm nicht nur eine Trainingsmöglichkeit für die erwachsenen Kameraden. Er sei zugleich „eine starke Motivation für den Feuerwehrnachwuchs“.

Ein Satteldach wie im Bebauungsplan für das benachbarte Wohngebiet vorgeschrieben, muss das Gerätehaus nicht haben. „Es handelt sich um einen Sonderbau, und der ist mit einem Wohnhaus nicht vergleichbar“, erläuterte Annett Dreißig. Mit der Inbetriebnahme im Dezember 2022 verfolge man ein ambitioniertes Ziel. Die Umgestaltung des Daches sei da nicht sein Favorit, gab Jörg Funda zu bedenken.

Jetzt geht es ins Detail

Die Befürchtung, dass die Feuerwehr an dem neuen Standort mit der Wohnbebauung Probleme kriegen könnte, entkräftete Mario Klar. „Das Gerätehaus gehört zum Gewerbegebiet. Und wer im benachbarten Wohngebiet baut, der weiß, worauf er sich einlässt“, begründete er. Das bestätigte auch Jörg Funda, nach dessen Aussage der Bebauungsplan für das Wohngebiet erst Ende 2021 „Gesetzeskraft erlangt“, die Bodenplatte für das Gerätehaus bis dahin aber schon fertig sein dürfte.

Der Beschluss des Gemeinderats ist Voraussetzung, um die Planungen anhand der vorgestellten Änderungen fortzusetzen und bis zum Bauantrag zu führen. Dabei sollen die Details noch ausführlich mit den Kameraden der Schleifer Wehr besprochen werden. Wenn alles passt, so hieß es am Dienstagabend, sind die ersten Ausschreibungen im Juli 2021 möglich und ein Baubeginn im Oktober dieses Jahres denkbar.

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