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Erst ab Montag ist Uhyst wirklich dicht

Die Vollsperrung war eine Woche früher angekündigt. Der Fehler hat wirtschaftliche Folgen fürs örtliche Blumenhaus.

Obwohl Uhyst noch befahrbar ist, springen bei Siegmar Kockot die Kunden ab.
Obwohl Uhyst noch befahrbar ist, springen bei Siegmar Kockot die Kunden ab. © Sabine Larbig

Siegmund Kockot betreibt seit 1996 mitten in Uhyst ein Blumenhaus. Früher war es eine passende Ergänzung zu seiner Firma für Garten- und Landschaftsgestaltung. Inzwischen ist Siegmund Kockot im Ruhestand. Den Blumenladen, in dem zwei Floristinnen in Vollzeit beschäftigt sind, hat er aber noch. „Ich habe den Frauen, die Mitte 50 sind und seit 15 beziehungsweise 26 Jahren bei mir arbeiten, versprochen, die nächsten Jahre ihre Jobs zu erhalten.“

Als Arbeitgeber zu seinem Wort zu stehen macht ihm 2020 nicht leicht. Erst musste er vier Wochen wegen Corona den Laden schließen. Nun kommt durch die Sanierung der B156 in Uhyst eine Straßenvollsperrung mit Umleitung bis 30. Oktober dazu. Für Siegmund Kockot bedeutet dies eine erneute Schließung. Wie lange und wann die Ladentüren zubleiben, kann er noch nicht sagen. „Das hängt von den Bauarbeiten ab und davon, ob es für Mitarbeiter und Kunden einen Zugang zum Geschäft gibt. Nur dann können wir auch Warenanlieferungen annehmen und Aufträge wie Trauerfloristik oder Blumen für Feste und Feiern wie Hochzeiten ausliefern. Das bedeutet, dass wir von Tag zu entscheiden müssen“, so der Inhaber, dessen Geschäft zu 70 Prozent von Fahrkundschaft und Lieferaufträgen lebt.

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Missverständliche Information

Die ab kommenden Montag geltende Vollsperrung, sagt Kockot, bringe das Unternehmen durch die damit verbundenen erneuten Einnahmeausfälle in diesem Jahr in eine wirtschaftlich schwierige Lage. Zwar lebe man in Uhyst seit Jahren ständig mit irgendwelchen langwierigen Bauarbeiten an Bahntrasse oder der Verlegung und Erneuerung unterirdischer Medien wie Gas und Elektro. Bislang seien dabei durch Ampelregelungen aber immer einseitige Befahrbarkeiten der Ortdurchfahrt und somit der Zugang zu örtlichen Dienstleistern und Gewerbetreibenden möglich gewesen. 

Nun aber komme eine Vollsperrung, und die sei außerdem durch eine an Zeitungen und Radiosender versandte Mitteilung des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), schon für ab dem 5. statt dem 12. Oktober angekündigt worden. „Kaum dass die Information öffentlich bekannt war, gab es bei uns sofort Kundenstornierungen“, sagt Siegmund Kockot. An einem Tag allein in Höhe von 286 Euro. „Die Leute dachten, sie könnten ihre Ware nicht mehr abholen oder geliefert bekommen und beschwerten sich außerdem, wieso wir die Aufträge angenommen hätten, obwohl die Vollsperrung bekannt gewesen sei“, erzählt Kockot, der selbst über die Termin-Information in den Medien überrascht war. 

Denn laut Absprachen und Aushängen zur Information der Einwohner von Uhyst seitens Gemeinde, des Landratsamtes und der bauausführenden Firma, begründet Kockot, sei stets von einer Vollsperrung vom 12. bis 30. Oktober die Rede gewesen. Dabei würden eingeschränkte Zufahrtsmöglichkeiten zu Grundstücken bestehen und selbst die Müllentsorgung von der Baufirma geregelt. All dies enthält ein Bürgeraushang der Firma vom 1. Oktober. Und er besagt, dass ab 21. Oktober nur Restarbeiten unter halbseitiger Sperrung erfolgen.

Zunächst nur Vorarbeiten

„Wieso wird dennoch eine Woche früher die Vollsperrung angekündigt? Das ärgert mich unheimlich, weil es automatisch noch eine Woche mehr Einnahmeausfälle und kaum oder keine Arbeit für meine Floristinnen bedeutet“, sagt Siegmund Kockot, der sich wegen der widersprüchlichen Informationen auf Ursachen-Suche begab und sich auch beim Tageblatt meldete.

Auf Anfrage der Redaktion beim Lasuv, zur Informationen zur Straßensperrung, gab es die Antwort: „Die Maßnahme startete am 5. Oktober, wie vorab mitgeteilt. Zunächst finden Vorarbeiten im Baubereich statt, bei denen es zwischenzeitlich zu Einschränkungen kommen kann. Ab dem 12. Oktober finden dann die weiteren Arbeiten unter Vollsperrung der B 156 statt.“

So eindeutig war die Pressemitteilung leider nicht, da alle Medien von einer Vollsperrung ab 5. Oktober berichteten. Darüber wunderte man sich selbst im Gemeindeamt Boxberg. Auch dort gingen viele Anrufe irritierter Bürger, Unternehmen und Speditionen ein, weshalb sich die Boxberger beim Landratsamtsamt zum Sachverhalt erkundigten. „Dort erhielten wir die Zusicherung, dass die Vollsperrung ab 12. Oktober gilt, was auch die bei uns am 6. Oktober eingegangene verkehrsrechtliche Anordnung bestätigt“, erläutert Beate Hundro vom Hauptamt Boxberg.

Eventuell SchadenersatzforderungI

Indes hat Siegmund Kockot seinem Ärger und Unverständnis über das Hickhack um das Vollsperrungsdatum und die Folgen für sein Unternehmen bereits in Briefen an Lasuv und Landratsamt Görlitz Luft gemacht. Etwas Grund zur Freude gibt es trotz allen Ärgers. Statt eines Baus (wie erst geplant) in mehreren Abschnitten im Zeitraum 16. September bis 30. Oktober gibt es jetzt nur zwei Bauabschnitte und eine kürzere Bau- und Sperrzeit. Das findet auch Siegmund Kockot besser. „Trotzdem bleibt abzuwarten, wie sich die Vollsperrung letztlich geschäftlich auswirkt und ob über Schadenersatz nachzudenken ist. Denn es geht mir um meine Mitarbeiter und ihre Jobs.“

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