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Es war 5 vor 12 für die Rettung der Trinitatis-Kirche

Gablenzer Gotteshaus erhält ein neues Dach – Mitte November soll das erledigt sein – dann ist das Bauwerk fertig saniert.

Die Sanierung von Turm und Kirchenschiff der Trinitatis-Kirche in Gablenz ist bald abgeschlossen. Zur Refinanzierung des Bauprojektes, bei dem auch die Kirchgemeinde Geld zusteuern musste, wird zur laufenden Spendenaktion noch eine neue Idee umgesetzt: de
Die Sanierung von Turm und Kirchenschiff der Trinitatis-Kirche in Gablenz ist bald abgeschlossen. Zur Refinanzierung des Bauprojektes, bei dem auch die Kirchgemeinde Geld zusteuern musste, wird zur laufenden Spendenaktion noch eine neue Idee umgesetzt: de © Joachim Rehle

Ungemütlich ist die momentane Arbeitsstelle von Ronny Haarig und seinen Kollegen. Sie sanieren den Dachstuhl der Kirche Gablenz, der nur über viele alte Holztreppen erreichbar ist. Weil das Dach des Kirchenschiffes abgedeckt und Gesimsmauerwerk freigelegt ist und Seitenwände offen sind, schützen lediglich Planen die Zimmerleute vor Nässe und Kälte.

Zweiter Bauabschnitt angelaufen

Und sie müssen ständig mit Arbeitsgeräten und schweren Hölzern auf Balken balancieren; müssen messen, sägen, Balkenstücke passgenau ein- und ersetzen – tägliche Herausforderungen. Trotzdem liegen die Mitarbeiter einer Firma aus Burg (nach verzögertem Baustart wegen Holzknappheit) im Zeitplan. Mitte November soll die Komplettsanierung der Kirche beendet sein.

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Das Dach ist, nach dem Turm, der zweite Bauabschnitt an der Trinitatis-Kirche. Die leidet, trotz Sanierung 1972, extrem unter Feuchtigkeit und Hausschwamm, drohte zu verfallen. Um sie zu retten, startete die Kirchgemeinde eine Rettungs- und Spendenaktion für die von 1757 bis 1759 errichtete Barockkirche und bemühte sich um Fördermittel über das Leader-Programm. Immerhin kostet die Kirchenrettung über eine halbe Million Euro, von der die Evangelische Kirchgemeinde Gablenz zehn Prozent Eigenanteil zahlt. Dafür wird gesammelt, nahm man ein Darlehen bei der Kirchgemeinde Schleife auf. Eine Finanzierungspraxis, die – laut Dieter Platzk, Projektbetreuer von der Kirchgemeinde – nicht unüblich sei, um teure Bankkredite zu vermeiden. Und so wurde dank staatlicher und kirchlicher Gelder auch die Dachsanierung des Kirchenschiffes möglich.

Größere Schäden als vermutet

Wie zuvor beim Kirchturm trafen Bau- und Denkmal-Experten auch hier auf stark angegriffene Holzkonstruktionen und feuchtes Mauerwerk. „Erstaunlich, dass bislang nichts abgesackt ist“, befindet Architekt und Projektbegleiter Klaas Fiedler vom Architekturbüro Fiedler & Peter aus Cottbus. Vor Baubeginn ließ er ein Holzschutzgutachten erstellen. „Leider war es nicht möglich, hinter alle Schrägen und Ecken zu schauen. Erst als das Dach abgedeckt war, zeigte sich, dass die Schäden stärker als vermutet und wirklich alle Balkenköpfe vom Hausschwamm befallen waren.“

Doch einfach die Balken zurückschneiden und ersetzen ohne die Deckenschalung abzunehmen hätte die Innenabstützung des Kirchenschiffs und weiteren Arbeits- und Kostenaufwand bedeutet. Und so müssen Zimmerleute und andere Gewerke bei der Sanierung ihr ganzes körperliches und fachliches Können zeigen. Dazu gehört, dass zur Dauerbelüftung Balken frei- und Zuluftöffnungen in Traufen angelegt werden mussten und es eine Holzschutzbehandlung im Heißluft-Verfahren gab. Dabei wurden alle Balken in Folie gepackt und zwei Stunden lang 60 Grad heißer Luft ausgesetzt, um Schwammmyzel abzutöten. Ein aufwendiges, selten eingesetztes Verfahren, für Gablenz aber sinnvoll.

Nächste Woche beginnen zudem Dachdecker und -klempner ihre Arbeit am 300 Quadratmeter großen Kirchendach, das mit roten Biberziegeln eingedeckt wird und Dachrinnen, Fallrohre, Anschlüsse aus Kupferblech erhält. Selbst das wird wegen der vielen Ecken und Kanten am Chor-Anbau ziemlich kompliziert. Reinigung und Anstrich der Fassade sowie das Aufarbeiten von Fensterbänken und Fenstern, zudem eine Sockelabdichtung sind weitere Vorhaben. „Danach ist jedoch die ganze Kirchenhülle saniert“,weiß Fiedler.

Noch wird am Dachstuhl gearbeitet. Auch diesen zweiten Bauabschnitt betreut Architekt Klaas Fiedler.
Noch wird am Dachstuhl gearbeitet. Auch diesen zweiten Bauabschnitt betreut Architekt Klaas Fiedler. © Joachim Rehle

Aktion Spendenziegel

Selbst im Inneren gibt es Arbeit. Da erfolgen Sandstein- und Ziegelarbeiten, werden Gitter der unnötigen Warmluftheizung verschlossen. „Putz- und Anstricharbeiten sind noch geplant, sobald Geld da ist“, verrät Dieter Platzk, der sich deshalb die Aktion „Spendenziegel“ einfallen ließ und bereits fleißig 200 alte Kirchenziegel säubert und verziert. Und er verrät: „Wenn alles klappt, feiern wir das Sanierungsende beim Hubertus-Konzert am 14. November.“

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