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„Es wurde viel beim Parkseminar geschafft“

60 freiwillige Helfer aus ganz Sachsen arbeiteten drei Tage im Kromlauer Park. Dafür gab es seltene Ein- und Ausblicke.

Dieser Blick von der Rakotzbrücke auf Basaltgruppe und Grotte ist nur im Ausnahmefall möglich, da das Betreten der Brücke auch künftig verboten ist.
Dieser Blick von der Rakotzbrücke auf Basaltgruppe und Grotte ist nur im Ausnahmefall möglich, da das Betreten der Brücke auch künftig verboten ist. © Rolf Ullmann

So eine Gelegenheit, nämlich auf die Rakotzbrücke zu klettern, bietet sich so schnell nicht wieder. Kein Wunder, dass einige Teilnehmer am Parkseminar im Kromlauer Park ihre Arbeit für einige Zeit ruhen ließen und das Angebot einer Führung durch das Ensemble am Rakotz wahrnahmen. Dietmar Noack, Bürgermeister von Gablenz, erläuterte während des Rundgangs den erreichten Stand bei den Arbeiten zur Rekonstruktion und gab einen Ausblick auf die nächsten Wochen.

Führung bis auf die Rakotzbrücke

Bereits in der Vorwoche konnten die Arbeiten am Fundament der Rakotzbrücke beendet werden. Überhaupt erforderte die Rakotzbrücke als zentrales Element besondere Anstrengungen während der Rekonstruktion. Denn neben dem kompletten Abstrahlen des Bauwerks erfolgte die feste Verankerung aller losen Steine mit der Brücke. Eine Bitumenschicht auf der Oberfläche des Bogens schützt künftig vor Witterungseinflüssen. Weil all diese Arbeiten inzwischen beendet sind, soll das große Gerüst am Brückenbogen, so Noack, im November fallen. Dann haben Parkbesucher wieder freien Blick auf den markanten Bogen. Doch Brückenbogen und die vier Brückenkammern am Fundament werden künftig gegen Zutritt gesichert. So könne sich niemand mehr, der die Rakotzbrücke erklimmt, entschuldigen, er habe „zufällig“ das Betretungsverbot übersehen. Aus Sicherheits- und Erhaltungsgründen erfolge jetzt auch eine Einzäunung des Geländes am Rakotzsee, das mit vielen Millionen Steuergelder saniert worden ist.

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Damit dennoch ungehinderte Blicke auf die sich im Wasser spiegelnde Brücke möglich sind, wurde beim Parkseminar eigens ein Fotopunkt freigelegt. Mauerreste, die dort gefunden wurden, deuten sogar darauf hin, dass an der Stelle offenbar einst eine Bootsanlegestelle war.

Keine Boote mehr auf dem See

Boote wird es nicht mehr auf dem Rakotzsee geben, der nach der Abdichtung gefüllt wird. Noch liegen Brücke, Grotte und die Basaltstelengruppe „Orgel“ daher auf dem Trockenen. Doch ab Frühjahr werden alle sanierten Bauwerksfundamente unter der Wasseroberfläche verschwunden sein. Dies gilt auch für einige Meter der aus einem Steinhaufen neu aufgebauten Grotte, die in den 1950er Jahren eingestürzt war und nun samt kleiner Herkulesfigur und Grottenfenster – es ermöglicht einen weiteren Blick auf die Brücke – wieder steht. Die kleine Rakotzbrücke, die zur Grotte führt, hat nach dem Sandstrahlen neuen Glanz. Wer genau hinsieht, entdeckt sogar einen kleinen Turm, den ein Trollkopf ziert. Dies und mehr erfuhren die Teilnehmer der Parkführung.

„Der Parkerhalt und die Sicherungspflichten kosten uns als Gemeinde viel Geld. Dazu kommt, dass wir durch den Park keinerlei Einnahmen erzielen“, erklärte der Bürgermeister beim Rundgang. Die jährlichen Parkseminare seien daher von Inhalt und Umfang her unverzichtbar und weit mehr als bloße Arbeitseinsätze. „Diese Veranstaltungen haben sehr großen Anteil daran, dass sich der Kromlauer Park dem Besucher jetzt in einem wesentlich gepflegteren Zustand als je präsentiert.“

Bürgermeister Dietmar Noack (links) bestieg beim Parkseminar mit Teilnehmern einer Führung sogar die Rakotzbrücke. Das wird künftig nicht mehr möglich sein.
Bürgermeister Dietmar Noack (links) bestieg beim Parkseminar mit Teilnehmern einer Führung sogar die Rakotzbrücke. Das wird künftig nicht mehr möglich sein. © Rolf Ullmann

Neuer Experte mit an Bord

Dass beim 19. Parkseminar am vergangenen Wochenende trotz schlechten Wetters und Corona-Jahr erneut über 60 freiwillige Helfer ihre Freizeit bei Arbeiten im Park verbrachten, freute Noack umso mehr. Die Arbeits-Schwerpunkte waren Inselteich, Rakotzsee und Rhododendronschlucht, wo Sichtachsen freigelegt, Unterholz und Wildwuchs beseitigt wurden.

Fachlich begleitet und angeleitet wurden die Parkenthusiasten diesmal auch von Landschaftsarchitekt Heiko Liesky aus Dresden. Der Experte trat an die Seite von Rudolf Schröder und Siegfried Sommer, die sich dieser Aufgabe seit vielen Jahren mit Bravour stellten und nun, im Alter von über 80 Jahren, den Staffelstab übergeben. Von der Parkanlage Kromlau zeigte sich der „Neue“ begeistert. „Es gibt in Sachsen nicht viele Parks mit einer solchen Größe von rund 160 Hektar, die sich dazu noch durch landschaftliche Geschlossenheit auszeichnen,“ sagte Heiko Lieske, der gemeinsam mit seinem Sohn Heinrich im Bereich des Rakotzsees störendes Unterholz beseitigte und auch künftige Parkseminare fachlich vorbereiten, begleiten und tatkräftig unterstützen wird.

Kritik am Fehlen der Einwohner

Eine Auswertung gab’s fast unmittelbar: „Es wurde sehr viel geschafft. Vor allem konnten wir Unmengen von Totholz aus dem Park holen, was nicht nur wegen der Verkehrssicherung, sondern auch wegen Schädlingsbefalls sehr wichtig war. Möglich wurde das auch, weil der Baumdienst Knorre aus Bautzen diesmal zwei Tage mit Leuten und Hubsteiger vor Ort war. Das hat sehr geholfen“, fasste Bürgermeister Noack die Ergebnisse des diesjährigen Parkseminars in der Ratssitzung am Montag zusammen. Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, sich bei allen Mitwirkenden, Sponsoren, Privatleuten und Vereinen, die das Seminar bis hin zu Teilnehmerverpflegung und Rahmenprogramm unterstützten, zu bedanken.

 „Aber es hätten auch ein paar mehr Gemeinderäte dabei sein können.“ Die mangelnde Beteiligung von Bürgern aus Gablenz und Kromlau kritisierte ebenfalls Ratsmann Peter Weszkalnys. „Es ist unser Park und unser Aushängeschild. Ich finde es beschämend, dass Menschen von weit her kommen, um uns zu helfen und im Park zu arbeiten, während unsere Einwohner dafür kaum Interesse zeigen.“

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