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Funkmast bewegt weiter die Gemüter

Zum Infoabend der Telekom in Halbendorf kamen nur wenige Bürger. Dafür wurden Unterschriften gegen das Projekt gesammelt.

© Sebastian Schultz

Groß Düben. Wegen des schlechten Handyempfangs befürworten die meisten Halbendorfer, dass die Deutsche Telekom Technik GmbH 2021 einen Mobilfunkmast aufstellen will. Statt des ursprünglich anvisierten Standorts inmitten des Dorfs wurde ein anderer gefunden, der 1,1 Kilometer von der Wohnbebauung entfernt ist. Das hat allerdings den Nachteil, dass auch später nicht alle Halbendorfer in gleich guter Mobilfunkqualität versorgt werden. Dafür kann die Telekom mit dem Standort am Klein Dübener Weg sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mit diesem Funkmast, der höher wird als anfangs beabsichtigt, kann sie künftig Kunden bis in den Kromlauer Bereich hinein mit besserem Mobilfunk versorgen, ohne dort einen weiteren Mast aufstellen zu müssen.

Das Thema bewegt die Gemüter. Es war daher auch Gegenstand der jüngsten Sitzung im Gemeinderat. „Der Rat sollte sich positionieren“, hieß es aus den Reihen der Groß Dübener Räte. In seinem Bericht des Bürgermeisters zeigte sich Helmut Krautz (SPD) enttäuscht über die nur geringe Teilnahme an einer Veranstaltung zu diesem Thema – er war aber selbst nicht zugegen.

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Diskussionen mit Für und Wider

Nachdem die Telekom Mitte März die Veranstaltung wegen Corona abgesagt hatte, stand Bolko Weilandt im September im Landschulheim Halbendorf Rede und Antwort. Der Mast am Klein Dübener Weg wird mit LTE-Technologie betrieben, aber zugleich für 5G vorgerüstet. Für die nächsten drei Jahre sei die Nutzung von 5G im ländlichen Raum bei der Telekom aber noch kein Thema, so der Kommunalbeauftragte Mobilfunk für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Generell sehe er keinen Grund, warum der Mast in Halbendorf nicht gebaut werden sollte.

Von den lediglich 13 Bürgern an jenem Abend lehnten zwei das Vorhaben wegen gesundheitlicher Bedenken rigoros ab. Sie befürchten eine potenzielle Gefahr durch Strahlung und sehen sich in ihren Vorbehalten durch diverse Studien bestätigt. Dass die Einhaltung der vom Bundesamt für Strahlenschutz vorgegebenen Grenzwerte regelmäßig durch Behörden kontrolliert wird, beruhigt sie nicht wirklich.

Ob die mobile Basisstation errichtet werden soll, wurde zwischenzeitlich auf der Internetseite der Gemeinde Groß Düben gefragt. Abgestimmt wurde 1.161 mal mit Ja (71 Prozent) und 465 mal mit Nein (29 Prozent). Zwar scheint das Ergebnis eindeutig, repräsentativ ist es mitnichten und schon gar kein Meinungsbild der Gemeinde Groß Düben. Denn zum einen konnte mitstimmen, wer wollte. Egal, von woher. Und zum anderen konnten Befürworter wie auch Gegner nach jeweils einer Viertelstunde Wartezeit erneut teilnehmen und somit mehrfach abstimmen.

Einer Unterschriftensammlung ist da schon mehr Gewicht beizumessen. Gudrun Thomas, die schon bei besagter Einwohnerversammlung ihre Einwände vorbrachte, übergab in der Sitzung des Gemeinderats die Listen an den Bürgermeister – 301 Unterschriften aus Groß Düben, 218 aus Halbendorf und 21 aus Klein Düben. Er habe die Unterlagen der Telekom zu dem Vorhaben an die Ortsvorsteherin in Klein Düben weitergereicht, damit man sich auch dort eine Meinung bilden könne, jedoch keinerlei Reaktion erhalten, sagte Helmut Krautz. Zudem ließ er verlauten, dass er auch selbst unterschrieben habe.

Bauantrag ist längst gestellt

André Ahr (WV Halbendorf) hatte unmittelbar nach dem Infoabend gegenüber Tageblatt das offenbar mangelnde Interesse der Bürger beklagt. Ob daraus Zustimmung abzuleiten sei, darauf wollte er sich nicht festlegen. Jedoch würden viele Selbstständige in Halbendorf auf die Verbesserung des Mobilfunkempfangs dringend angewiesen sein. Zudem habe ja Corona gezeigt, wie wichtig ein gut funktionierendes Netz ist. Vier Wochen später kann er die vom Für und Wider geprägte Aufregung im Gemeinderat nicht nachvollziehen. „Die Strahlung geht doch von den Handys aus und nicht von dem Mast“, sagte er. Ein Argument, welches Dauernutzer des Handys überdenken sollten.

Kritisiert wurde in der Ratssitzung, dass auf der Internetseite der Gemeinde Gegner des Projekts ihre Argumente darstellen. „Um Neutralität zu wahren, gehören auch die Informationen der Telekom dorthin“, forderte Franziska Graetz (WV Halbendorf). Dazu bedürfe es eines Auftrags durch den Bürgermeister, entgegnete Norbert Lysk, der die Website im Auftrag der Gemeinde Groß Düben betreut. Das bestätigte Hauptamtsleiterin Marion Mudra.

Bereits im September war von der Telekom zu vernehmen, dass der Bauantrag für den 50 Meter hohen Stahlgitterturm gestellt ist. Die Entscheidung über die Genehmigung obliegt allerdings dem Landkreis. Die Gemeinde Groß Düben selbst hat dazu lediglich ihre Stellungnahme abzugeben.

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