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Geht es dem Wald im Nordkreis besser als im Süden?

Die Kiefern sind weniger angegriffen als die Fichten im Süden. Ein Grund zur Entwarnung ist das im Schleifer Revier aber nicht.

Mit prüfendem Auge ist die Revierförsterin Annett Hornschuh im Wald unterwegs, um neue Befallsherde an Schädlingen zu erkennen. Sie hofft, dass Regen und Schnee des Winters geholfen haben, die Bäume zu stärken und resistenter zu machen.
Mit prüfendem Auge ist die Revierförsterin Annett Hornschuh im Wald unterwegs, um neue Befallsherde an Schädlingen zu erkennen. Sie hofft, dass Regen und Schnee des Winters geholfen haben, die Bäume zu stärken und resistenter zu machen. © Joachim Rehle

Winterschlaf gibt es nicht. Die Schleifer Revierförsterin Annett Hornschuh lacht. Natürlich sei sie auch in der weniger schönen Jahreszeit im Wald unterwegs. „Aber wenn die Sonne höher steigt, macht es gleich noch mehr Spaß“, sagt sie. Annett Hornschuh freut sich auf den Frühling. Wohlwissend, dass sich der Winter noch nicht so recht verabschieden will. Das aber habe auch sein Gutes. Besonders im Hinblick auf weitere Niederschläge.

Zuständig ist die Försterin vom Staatsbetrieb Sachsenforst für das Revier 05 Schleife mit 6.500 Hektar Wald in den Gemeinden Schleife, Bad Muskau, Gablenz, Trebendorf, Groß Düben und Krauschwitz. Von Letzterer jedoch nur für die Gemarkung Krauschwitz, der übrige Teil der dortigen Waldflächen fällt in die Zuständigkeit des Revierleiters Matthias Kruner in Weißwasser. Ein Teil des Waldes im Schleifer Revier gehört sieben Körperschaften, ein kleines Fleckchen der Kirche. Der Großteil befindet sich im Privatbesitz von 1.600 Waldeigentümern. Diese sind zumeist ortsansässig. Gar nicht so selten aber geht nach dem Tod des Besitzers der Wald an Erben, die deutschlandweit verstreut leben. Das erschwert den Kontakt, weiß die Revierförsterin nur zu gut. Leider sei es bei einem Besitzerwechsel häufig recht aufwendig, die Erben herauszufinden. „Das Waldbesitzerverzeichnis kann nur so aktuell sein, wie die Waldbesitzer die Veränderungen melden. Automatisch geht das nicht“, sagt sie. Im September 2021 werden es sechs Jahre, dass sie das Schleifer Revier leitet. Das sei aber noch nicht lange genug, um auch familiäre Bindungen zu kennen.

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Waldbesitzer müssen wachsam sein

Förster im ländlichen Raum sind Ansprechpartner für Sorgen und Nöte der Waldbesitzer und anderer Flächenbewirtschafter und beinahe so etwas wie ein Naturraummanager. Sie beraten beispielsweise zum Holzeinschlag. Dieser sei das ganze Jahr über möglich, weil man im Wald nicht an die Baumschutzsatzungen gebunden sei, erklärt Annett Hornschuh. Sie versucht, „wenn es irgendwie geht, das zweite Quartal wegen der Vogelbrutzeit auszuklammern“, obwohl vom Gesetz her auch da der Holzeinschlag erlaubt wäre. Wenn Waldbesitzer es möchten, organisiert sie die Holzernte. „Das steht und fällt mit der Einwilligung der Eigentümer“, betont sie. Um Kahlschläge möglichst zu vermeiden, stehe immer die Frage der Wiederaufforstung.

Mit dem beginnenden Frühjahr fängt es nicht nur an, überall zu sprießen, dann werden auch die Schädlinge wieder mobil. Deshalb sind die Revierförster wie Annett Hornschuh jetzt mit besonders wachsamen Auge unterwegs, um neue Befallsherde zu erkennen und zu beobachten. Ihre Aufgabe ist es, die Besitzer darauf aufmerksam zu machen und über das weitere Vorgehen zu beraten. Die Schleifer Revierleiterin freut sich, wenn Waldbesitzer auch selber Verantwortung zeigen und „nicht erst warten, bis der Förster sagt, wir gucken es uns an“.

Im Nordkreis steht zu 70 Prozent Kiefernwald. Noch seien die Schäden durch die Trockenheit der vergangenen drei Jahren und der damit verbundenen explosionsartigen Ausbreitung des Borkenkäfers hierzulande nicht so gravierend wie in südlichen Gefilden des Landkreises, wo ganze Fichtenbestände weggestorben sind. Entwarnung kann aber auch Annett Hornschuh nicht geben. „Die Besitzer müssen dranbleiben“, betont sie. Es sei wichtig, regelmäßig im Wald nach dem Rechten zu sehen – und sei es bei einem Sonntagsspaziergang. Die meisten Waldbesitzer würden ihre Pflichten ernst nehmen. In manchen Fällen aber werde der Wald sehr stiefmütterlich behandelt. „Die Gefahr ist dann groß, dass sich bei einem nicht entdeckten Schädlingsbefall die Schädlinge auch auf den Nachbarflurstücken ausbreiten“, warnt Annett Hornschuh. Das sei sogar sehr wahrscheinlich, da der Wald in ihrem Bereich sehr kleinteilig strukturiert sei. Zwei Drittel der Flächen in privatem Besitz sind kleiner als ein Hektar, die übrigen zumeist zwischen einem und fünf Hektar.

Keine Aufforstung in diesem Jahr

In den trockenen Jahren fehlte den Bäumen die Feuchtigkeit, sie konnten kein Harz bilden. Das aber braucht ein Baum, um die Löcher der Schädlinge in der Rinde zu verkleben – als eine natürliche Bremse gegen Borkenkäfer und Co. „Es wäre schön, wenn Regen und Schnee des Winters für Entspannung sorgen“, wünscht sich Annett Hornschuh. Ob das reicht, das Defizit auszugleichen, werde sich noch zeigen. Sie jedenfalls hofft „auf eine kleine Erholung“ für den Wald. Dieser hat in den östlichen Revierteilen der Gemarkung Schleife wie auch in Kiefernbeständen auf den sandigen Standorten bei Bad Muskau besonders gelitten. Für die Oberlausitz insgesamt hat das Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft 2020 eine Waldschadensfläche von 10.400 Hektar bestimmt. Dass der Süden stärker betroffen ist als der Nordkreis, ist für Annett Hornschuh kein Grund, die Sache gelassen zu nehmen.

Gegen das Waldsterben sollen 2021 im Freistaat Sachsen an die sechs Millionen Bäume und Sträucher gepflanzt werden. Auch, um Wälder zu durchmischen und somit widerständsfähiger gegen Schädlinge und den Klimawandel zu machen. Im Zuständigkeitsbereich der Schleifer Revierleiterin sind in diesem Jahr keine Aufforstungen geplant. Es sei denn, auf privaten Flächen, wovon sie bisher noch nichts weiß. 2017 bis 2019 nutzten die Gemeinden Schleife, Groß Düben und Krauschwitz Fördertöpfe, um Flächen in ihren kommunalen Wäldern aufzuforsten. Gepflanzt wurden Eichen, Stieleichen. Traubeneichen, ebenso Buchen, Winterlinden und Douglasien. Mit Maßnahmen wie diesen soll in den nächsten Jahren der Anteil der Laubhölzer steigen, die widerstandsfähiger sind. Die jungen Bäume müssen nun gehegt und gepflegt werden.

„Ich hoffe, dass daraus ein richtiger Wald wird“, blickt Annett Hornschuh voraus. Auch wenn sie das selber als Revierförsterin nicht mehr erleben wird. Von Grund auf sei sie da positiv gestimmt, aber es hänge eben von vielen Faktoren ab: Von der Witterung zum großen Teil, die man ja nicht beeinflussen könne. Um so wichtiger sei es, dass Waldbesitzer dort aktiv werden, wo sie es beeinflussen können.

Schöne Ecken in der Region

Annett Hornschuh war schon einmal Revierleiterin in einem Forstbezirk. Im Zuge einer Gebietsreform gingen 2008 Aufgaben und Förster an die Landkreise, wurden Reviere umverteilt. Daraufhin war sie einige Jahre für Öffentlichkeitsarbeit und Waldpädagogik zuständig. Als 2015 der Schleifer Revierleiter in den Ruhestand ging, ergriff sie die Gelegenheit beim Schopfe. „Weil ich gerne draußen bin“, wie sie begründet. Wie viele Kilometer sie so am Tag unterwegs ist, vermag sie nicht zu sagen. Da käme so Einiges zusammen. Eine Lieblingsstrecke hat sie nicht. „Es gibt überall schöne Ecken“, stellt sie immer wieder fest.

Sprechstunde: jeden Donnerstag von 15 bis 18 Uhr im Alten Schloss in Kromlau. Telefon 03576 2198230. Email: [email protected]

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