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Grüner Strom von der Abraumkippe?

Ideen für einen Windpark in Mulkwitz gibt es schon lange. Jetzt aber wollen gleich zwei Firmen Solarmodule aufstellen.

So etwa sähe es aus: Im Gewerbegebiet Klingewalde bei Görlitz entsteht zurzeit bereits die zweite Solaranlage. Erbauer und Nutzer ist die aus Hamburg kommende Firma Enerparc.
So etwa sähe es aus: Im Gewerbegebiet Klingewalde bei Görlitz entsteht zurzeit bereits die zweite Solaranlage. Erbauer und Nutzer ist die aus Hamburg kommende Firma Enerparc. ©  Nikolai Schmidt

Die Hochkippe nahe dem Schleifer Ortsteil Mulkwitz wurde zwischen 1964 und 1974 aus dem Abraum des Tagebaus Nochten aufgeschüttet und später aufgeforstet. Neuerdings ist die Hochkippe offenbar heiß begehrt. Zu diesem Schluss konnte man in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Schleife kommen. Vor geraumer Zeit schon war die Rede von einem Windpark auf der Hochkippe. Jetzt wollen dort gleich zwei Firmen Solaranlagen bauen. Beide stellten sich Räten und Bürgern vor – und hatten bis dato von den Absichten des jeweils Anderen nichts gewusst.

Ostkippe: Solarfirma stellt hohe Gewerbesteuer in Aussicht

Die Fläche auf der Ostkippe befindet sich im Besitz eines landwirtschaftlichen Betriebs. Nach eigener Aussage steht die Kronos Solar Projects GmbH bereits in „konkreten Verhandlungen“ zum Erwerb. Das Unternehmen aus München hat zahlreiche Projekte für Photovoltaikanlagen in den Niederlanden entwickelt. In Deutschland setze man auf den Bereich, der nicht über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert ist. Das eröffne ganz neue Möglichkeiten, so Bastian Telg.

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Wie der Leiter Projektentwicklung Deutschland bei Kronos Solar erklärte, suche man nach Flächen, die für andere Nutzungen wenig profitabel sind. Von der Errichtung der Solarparks könne die Natur profitieren, da der Boden unter den Modulen nicht versiegelt wird. Das bietet Lebensraum für Insekten, auch probiere man in Kooperation mit der Landwirtschaft zum Beispiel den Anbau von Bärlauch aus.

Mit der auf der Ostkippe geplanten Solaranlage würden pro Jahr 25.000 Tonnen CO2 eingespart. Die Fläche befindet sich zwei Kilometer nördlich von Mulkwitz und ist zum Teil aufgeforstet. Man wolle aber nur den Teil nutzen, wo keine Bäume sind. Die 55 Hektar große Fläche ist vollständig von Wald umgeben, „sodass sich die Anlage unter Bäumen wegduckt und keinen Eingriff in das Landschaftsbild darstellt“, sagte Bastian Telg. Um den Strom über die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH (Mitnetz) in Cottbus einzuspeisen, müsste über zwei Kilometer eine Trasse gebaut werden. Für die Module würden lediglich Metallpfähle in den Boden gerammt, ansonsten bleibe dieser, wie er ist. Noch nicht entschieden sei, an welcher Stelle das Umspannwerk gebaut wird. Da sei man auch für Vorschläge offen.

Nach Aussage von Bastian Telg werde die Anlage über die gesamte Laufzeit der Gemeinde 3,5 bis 4 Millionen Euro Gewerbesteuer bringen. Ausgleichsmaßnahmen wären auch an anderen Stellen denkbar, „wo es für die Gemeinde wünschenwert und für die Bürger sichtbar ist“. Der Investor verpflichtet sich, die Anlage nach ihrer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren abzubauen und den Urzustand wieder herzustellen.

Westkippe: Solarfirma verweist auf feste Auftragsvolumen

Auf der Westkippe plant die Solizer Projects GmbH Hamburg einen Solarpark. „Die Nutzungsverträge mit dem privaten Eigentümer der Fläche sind bereits unterzeichnet“, so Geschäftsführer Lars Büsching. Es wäre der Idealfall, die gesamte Fläche nutzen zu können. Vorerst gehe es jedoch um die Außenhalde und einen Bereich entlang der Schienentrasse, auf der die Züge einst den Abraum aus dem Tagebau zur Kippe brachten. Pro Jahr könnten dort 158 Megawattstunden Strom erzeugt und damit 52.000 Haushalte versorgt werden. Der Strom würde ebenfalls über den Netzbetreiber Mitnetz eingespeist. Das Umspannwerk wird auf die Fläche gebaut. Pro Jahr könnten 67.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Wie der Solizer-Chef in Aussicht stellte, würde die Anlage ein Auftragsvolumen bis zu 150.000 Euro im Jahr bedeuten, wenn man Betreibung, Wartung und Grünflächenpflege zusammenrechnet. Von zwei bis drei Arbeitsplätzen war die Rede. 

Warum die Bürger erstmal wenig begeistert sind

Mulkwitzer Bürger stört die Vorstellung eines riesengroßen Zauns um die Anlage auf der Ostkippe. Sie seien schon jetzt durch Tagebau, Armee und Kippengebiet eingeschlossen. „Die Millionen für die Gemeinde sind ja ganz gut. Aber ich glaube nicht, dass wir in Mulkwitz auch nur einen grünen Cent davon sehen“, ließ ein Bürger verlauten. Darauf Kronos-Vertreter Bastian Telg, dass – soweit bisher bekannt – kein Wanderweg über die Fläche führe. Zudem müsse das Planverfahren ergeben, inwieweit Einschränkungen nötig sind. Nach Aussage von Solizer-Chef Lars Büsching sei zwischen den Solarfeldern auf der Westkippe noch Platz. Da könne man darüber reden, ob man Wege für Spaziergänger freilässt oder den Radweg ausbaut. Auf wenig Gegenliebe bei den Mulkwitzern stieß die Ankündigung von Prof. Dr.-Ing. Jochen Großmann, dass auf der Westkippe die Bäume wegmüssen und damit wohl auch Lebensraum für Wildtiere verschwinden wird. „Das ist ein Entwicklungswald. Dafür werden wir an anderer Stelle einen hochwertigen Mischwald gestalten“, so der im Auftrag der Solizer tätige Planer.

Ein anderer Bürger kritisierte heftig, wieso man sich nicht erst Gedanken über die Speicherung des erzeugten Stroms macht, bevor man überall neue Anlagen baut. Sebastian Telg von Kronos hätte, wie er sagte, großpolitisch antworten können, dass das Ziel darin bestehe, durch erneuerbare Energien die konventionellen wie den Kohlestrom zu ersetzen. „Schon jetzt gibt es einen Verdrängungswettbewerb, dass Derjenige ins Netz einspeist, der den Strom am günstigsten liefert, was zugleich bedeutet, dass andere Anbieter ihre Kapazitäten herunterfahren müssen“, fügte er hinzu.

Auf die mehrfach wiederholte Frage, wieso beide Firmen nicht Tagebauflächen nutzen, gab der Solizer-Planer Prof. Dr.-Ing Jochen Großmann zu bedenken, dass man nicht wisse, wann diese Flächen überhaupt zur Verfügung stehen. Das ist beiden Firmen wohl zu ungewiss. Sie wollen möglichst schnell mit ihren Vorhaben beginnen und hoffen, dass die Planverfahren für die vorhabenbezogenen Bebauungspläne rasch eingeleitet werden. Da es sich im Gemeinderat nur um eine erste Information über die Vorhaben handelte, kündigten beide Firmen an, den Bürgern noch ausführlich ihre Pläne vorstellen zu wollen.

Ortschaftsrat: Nicht alles Neue ablehnen

Sowohl Kronos als auch Solizer werden regional ansässige Firmen mit dem Bau beauftragen und Wartungsverträge gleichfalls in der Region vergeben. Auch versprachen beide Solar-Unternehmen, den Sitz der jeweiligen Betreibergesellschaft nach Schleife zu verlegen. 

Zustande gekommen war die Vorstellung beider Firmen auf Betreiben des Ortschaftsrates Mulkwitz. Dieser hatte dem „Vorranggebiet Windenergie“ widersprochen. „Weil Verschattung und Lärm den Bewohnern nicht zuzumuten sind“, wie Ingo Herschmann begründete. Er selber vermutet, dass wohl nicht beide Flächen zu Solarparks werden. „Ich bitte wirklich darum, die Varianten unvoreingenommen zu diskutieren. Wir reden seit Monaten vom Strukturwandel. Das heißt nicht, alles Neue abzulehnen, man muss nach Wegen suchen, was man machen kann“, erklärte der stellvertretende Schleifer Bürgermeister. „Man muss daran denken, dass die Gemeinde Einnahmen braucht. Hier ist eine Möglichkeit, Steuereinnahmen zu generieren“, appellierte er an die Bürger.

Die Frage, ob der Windpark vom Tisch ist, blieb an dem Abend allerdings offen.

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