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Guckst du? Von der Altliebeler Höhe ...

... auf die Kippen wie auch die rekultivierten Flächen im Tagebau Reichwalde. Ein neuer Aussichtspunkt macht‘s möglich.

Zur Nutzung für Fußgänger und Radfahrer gab jetzt Ralf Agricola, Leiter Rekultivierung bei der Leag, den Aussichtspunkt „Altliebeler Höhe“ auf der rekultivierten Fläche im Tagebau Reichwalde frei. Im Hintergrund ist die Förderbrücke F 60 zu sehen
Zur Nutzung für Fußgänger und Radfahrer gab jetzt Ralf Agricola, Leiter Rekultivierung bei der Leag, den Aussichtspunkt „Altliebeler Höhe“ auf der rekultivierten Fläche im Tagebau Reichwalde frei. Im Hintergrund ist die Förderbrücke F 60 zu sehen © Constanze Knappe

Gegensätzlicher geht es kaum: Wenn man auf der Altliebeler Höhe steht, erblickt das Auge auf der einen Seite eine Mondlandschaft, wie sie nur ein Tagebau hinterlassen kann. Auf der anderen Seite erfreut frisches Grün den Blick. Der fließende Übergang lässt nicht erkennen, wo die ursprüngliche Landschaft endet und die rekultivierte Fläche beginnt. Zwischen Halde und Natur liegen Welten und Jahrzehnte – und nun ein neuer Aussichtspunkt im Tagebau Reichwalde, die „Altliebeler Höhe“. Am Donnerstag wurde sie eingeweiht.

Neben der Wanderhütte am Aussichtspunkt „Altliebeler Höhe“ deuten aus Steinen gebildete Rechtecke die Grundrisse der vier letzten Höfe des einstigen Altliebel an. Die 6.000 Jahre alten Mooreichen wurden bei der Umverlegung des Schöps‘ gefunden.
Neben der Wanderhütte am Aussichtspunkt „Altliebeler Höhe“ deuten aus Steinen gebildete Rechtecke die Grundrisse der vier letzten Höfe des einstigen Altliebel an. Die 6.000 Jahre alten Mooreichen wurden bei der Umverlegung des Schöps‘ gefunden. © Constanze Knappe

Ein Versprechen der Bergbaufirma eingelöst

Nach dem Geisendorfer Berg in Welzow-Süd und den Bergterrassen am Schweren Berg in Weißwasser, wo 2020 jeweils rekultivierte Bereiche freigegeben wurden, ist dies die dritte Station. „Wir lösen damit das Versprechen ein, den Anwohnern der Tagebaurandgemeinden und ihren Gästen frühzeitig Landschaft zurückzugeben, die zuvor vom Tagebau für die Kohleförderung in Anspruch genommen wurden“, erklärte Ralf Agricola. Wie der Leiter der Rekultivierung bei der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) sagte, könnten sich Besucher vor Ort ein Bild von der Sorgfalt und Vielfalt machen, mit der im Lausitzer Revier Flächen wieder nutzbar werden. Im Tagebau Reichwalde mit der Besonderheit, dass Betrachter Alt und Neu nebeneinander sehen, den Prozess von Anfang mitverfolgen können.

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Tagebauleiter Henrik Ansorge erläutert die spannenden geologischen Vorgänge zur Entstehung der Braunkohle im 2. Lausitzer Flöz.
Tagebauleiter Henrik Ansorge erläutert die spannenden geologischen Vorgänge zur Entstehung der Braunkohle im 2. Lausitzer Flöz. © Constanze Knappe

Am Wolfsradweg gelegen, bietet sich der Schwenk auf die Altliebeler Höhe geradezu an. Ab sofort können Einheimische und Touristen den 1,6 Kilometer langen, mit feinem Schotter belegten Rundweg erkunden. Ganz ohne Sperrschild! Zugang beziehungsweise Zufahrt sind über den Altliebeler Weg aus Richtung des Fledermausturms bei Neuliebel oder über die Kastanienallee des ehemaligen Altliebel möglich, wobei sich letztere teilweise auf gewachsenem wie auf neugestaltetem Gelände befindet. Bewusst habe man die alten Wegbezeichnungen beibehalten, so Ralf Agricola.

Schonungslose Umsiedlung schon zu DDR-Zeiten

Mit 146 Metern über Normalnull bildet die Altliebeler Höhe eine erkennbare Erhebung von über zehn Metern in der neu geschaffenen Landschaft des Tagebaurandbereichs. Von der Kuppe aus hat man die Aussicht auf insgesamt 20 Hektar rekultivierte Fläche zwischen Neuliebel und dem ehemaligen Altliebel. Die Wanderhütte wurde bereits 2017 aufgestellt. In ihrem Inneren informieren Übersichtstafeln über die Entstehung der Braunkohle, was im Bereich des Tagebaus Reichwalde vor 14 Millionen Jahren in den Mooren und Sumpfwäldern des Miozäns der Fall war (bei Nochten vor 17 Millionen Jahren). Zudem ist eine schematische Darstellung des fünf Kilometer langen Tagebaus Reichwalde zu sehen.

Die Kippe vom Tagebau Reichwalde wird zwischen 2025 und 2027 rekultiviert.
Die Kippe vom Tagebau Reichwalde wird zwischen 2025 und 2027 rekultiviert. © Constanze Knappe

Orte wie Viereichen, Mocholz und Zweibrücken mussten dem Tagebau weichen. „Da galten im Energiebezirk Cottbus noch andere Standards als heute“, weiß Tagebauleiter Henrik Ansorge. Die Menschen gingen mit gemischten Gefühlen. Etliche Dörfer waren Mitte der 80er-Jahre noch nicht einmal an das Trinkwassernetz angeschlossen. Für einige machte die Umsiedlung in eine Neubauwohnung nach Cottbus das Gefühl von der verlorenen Heimat wett. Altliebel wurde zwischen 1989 und 1995 umgesiedelt. Bereits 1980 war mit der Entwässerung des Geländes begonnen, 1987 die erste Kohle gefördert worden.

Im Jahr 2010 wurde der Tagebaubetrieb wieder aufgenommen – mit der F 60, der weltweit modernsten Förderbrücke. Henrik Ansorge ist schon ein bisschen stolz darauf. 2014 war der Kohleabbau bei Altliebel beendet. 2016 verkippte ein Absetzer den ersten Abraum in die Grube. „Was hier passiert, das ist bergmännisch gesehen, nur ein ganz kleiner Zeitraum“, sagte er.

Bis die Mondlandschaft verschwunden ist, wird es aber noch dauern. Ab Mitte 2025 soll das Landschaftsrelief gestaltet werden und 2027 die Rekultivierung abgeschlossen sein. Vorrangig Wald wird nach dem Bodenauftrag auf der jetzt noch sichtbaren Kippe entstehen, sich zudem die für diese Lausitzer Gegend typische Heidelandschaft etablieren. Matthias Lehnig, Betriebsingenieur Rekultivierung bei der Leag, fasst es in Zahlen: 294 Hektar werden aufgeforstet, 124 Hektar zu landwirtschaftlicher Fläche und weitere 27 Hektar als sonstige Flächen nutzbar gemacht.

Weg zum Aussichtspunkt „Altliebeler Höhe“ auf der rekultivierten Fläche im Tagebau Reichwalde.
Weg zum Aussichtspunkt „Altliebeler Höhe“ auf der rekultivierten Fläche im Tagebau Reichwalde. © Constanze Knappe

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