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Weißwasser

Gute Laune trotz beschlagener Scheiben

Auf den Strecken nach Kromlau sowie auf der Tonbahn rollten am „Komm’Rum-Tag“ letztmals in diesem Jahr die Züge der Waldeisenbahn Muskau.

Die Fahrgäste nutzen am „Komm’Rum-Tag“ des ZVON den Halt am Halbendorfer Wechsel, um das Umsetzen der Lok zu beobachten und Fotos zu schießen.
Die Fahrgäste nutzen am „Komm’Rum-Tag“ des ZVON den Halt am Halbendorfer Wechsel, um das Umsetzen der Lok zu beobachten und Fotos zu schießen. © Rolf Ullmann

Weißwasser. 1966 warb die damalige Deutsche Bundesbahn mit dem Slogan „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ um die Gunst der Fahrgäste. Dieser Spruch trifft heute noch auf die Eisenbahner der schmalen Spur zu. Trotz des trüben Wetters und des Dauerregens stellten sie am „Komm’Rum-Tag“ des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien GmbH (ZVON) zwei Züge zur Fahrt in den Kromlauer Park sowie auf der Tonbahn zum schweren Berg bei Weißwasser bereit.

 Auf die Minute pünktlich starteten die Züge in kurzem Abstand am Freitag um 10 Uhr in der Abfahrtsstelle Weißwasser. In einem der Wagen, fahrend auf der Strecke entlang des Tagebaus Nochten, verbreitet eine fidele Reisegruppe gute Laune trotz der miesen Witterungsbedingungen. Durch die beschlagenen Scheiben winken sie den am Bahnsteig Zurückbleibenden zu. Für die Familien Schneider aus Reichenbach sowie Schneider/Martin bildet der Dauerregen keinen Grund, auf die rund dreistündige Fahrt zu verzichten.

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9,50 statt 3,50 Euro – aber korrekt

Ein wenig erstaunt sind sie allerdings, als sie den „ermäßigten Fahrpreis“ von 9,50 Euro entrichten müssen statt den des beworbenen 3,50-Euro-Tickets des ZVON. Doch diese Regelung hat ihre Richtigkeit, denn die Waldeisenbahn Muskau gehört nicht als Mitglied zum Zweckverbund. „Wir haben uns als Waldeisenbahn dennoch entschlossen, am «Komm’Rum-Tag» teilzunehmen, um uns der Öffentlichkeit auch bei dieser Gelegenheit zu präsentieren,“ erläutert Heiko Lichnok, der Geschäftsführer der Waldeisenbahn Muskau. Er lässt es sich auch nicht nehmen, selbst an der Fahrt zum schweren Berg und zurück teilzunehmen. Ihm obliegt es dabei auch, den Übergang an der Straße zwischen Weißwasser und Halbendorf zu sichern. 

Eine Aufgabe, die ebenso Umsicht wie auch die nötige Vorsicht erfordert. Denn für einige Kraftfahrer scheint die Beschränkung der Geschwindigkeit auf 70 Kilometer pro Stunde an dieser Stelle nur ein gut gemeinter Hinweis zu sein. Nach dem Umsetzen der Lok zur Änderung der Fahrtrichtung nimmt der Zug wieder Fahrt auf. Nach knapp einer Stunde erreicht er den Endpunkt der Strecke unweit des Turmes am schweren Berg. Hier begeben sich die meisten der Fahrgäste während der einstündigen Pause in das Bistro am Fuße des Aussichtsturmes, um einen Imbiss einzunehmen. 

Anschließend kraxeln einige von ihnen hinauf auf die oberste Plattform. Doch vom beeindruckenden Blick auf den Tagebau Nochten, das Kraftwerk Boxberg sowie die Berge im Süden ist an diesem Vormittag mehr zu erahnen als wirklich zu sehen. Für die beiden Familien steht daher bereits jetzt fest: „Wir kommen wieder – und fahren dann bei hoffentlich besserem Wetter erneut auf dieser Strecke.“

Hoffen auf Fahrbetrieb ab Ostern 21

Doch damit müssen sie sich noch einige Wochen gedulden. So sind die Veranstaltungen zum Abholen des Weihnachtsmannes im Dezember und die Glühweinfahrten zum Jahresauftakt derzeit nicht in der Planung enthalten. Heiko Lichnok hofft, dass die Waldeisenbahn wie gewohnt an den Osterfeiertagen den Fahrbetrieb wieder aufnehmen darf. Das spricht auch Lokführer Uwe Schuster aus dem Herzen: Er hat einen Tag Urlaub geopfert, um am „Komm’Rum-Tag“ die Diesellok zu steuern. Er ist mit Leib und Seele Eisenbahner. Von seiner Tätigkeit im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Cottbus, die er seit 1993 ausübt, sagt er, dass sie die Erfüllung seines beruflichen Wunschtraumes ist.

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