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„Ich möchte die Gräben wieder schließen“

Jörg Funda (CDU) ist neuer Bürgermeister in Schleife – mit deutlicher Mehrheit. Doch einfach wird es trotzdem nicht.

In dem Jubelschrei von Ehefrau Simone löst sich die ganze Anspannung der Fundas.
In dem Jubelschrei von Ehefrau Simone löst sich die ganze Anspannung der Fundas. © Constanze Knappe

Der Jubelschrei von Simone Funda lässt erahnen, wie der Sonntag im Saal des Sorbischen Kulturzentrums in Schleife ausgehen würde. Leise hatte Wahlvorstand Lars Stechemesser die Zahlen an Gemeindewahlleiter Ronny Jurk vermeldet. Dieser kannte zu dem Zeitpunkt schon die Ergebnisse aus den Ortsteilen Rohne und Mulkwitz. Doch Geschichte ist der Wahlabend damit noch nicht. Es fehlt eine Stimme, wie sich beim Abgleich der Wahlzettel mit den Wahlberechtigten zeigt. Das kann vorkommen. Auch, weil viele Augenpaare den Mitgliedern des Wahlvorstands Schleife auf die Finger schauen. Also, noch einmal zählen. Im Saal hört man lediglich das Rascheln von Papier, dafür kann man förmlich das Knistern der Anspannung fühlen.

Wenig später steht fest, dass sich jemand nur verzählt hat. Also, kein Grund zur Besorgnis. Ronny Jurk verkündet kurz darauf das vorläufige Wahlergebnis. 971 Wahlberechtigte stimmten für Jörg Funda (67,4 Prozent), 447 Wähler gaben Mathias Lampe (30,9 Prozent) ihre Stimme. Damit ist Jörg Funda zum Bürgermeister gewählt. In diesem Moment sind ihm „die Felsklumpen gleich säckeweise vom Herzen gepurzelt“, wie er am Tag danach bekennt. In Rohne hatten er und seine Familie der Auszählung zugeschaut, die in zehn Minuten erledigt war. Ganz anders im Saal des SKC. Simone Funda zittert, ob sich die Mühen der vergangenen Wochen und Monate gelohnt haben. Kein Wunder, dass sich ihre Anspannung in einem Jubelschrei löst.

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In einer ersten Reaktion auf den Wahlausgang spricht ihr Mann von Dankbarkeit und Demut. Er freut sich darüber, „dass so viele Menschen an mich glauben.“ Es wird ein langer Abend: Mehr als 150 Kurznachrichten erreichen ihn nach der Wahl. Er versucht, sie alle persönlich zu beantworten. Mit seiner Frau und Helfern wechselt er sogar noch Plakate. Auf den neuen steht jetzt: Danke für Ihre Unterstützung und Ihr Vertrauen. Das kam nach seiner Aussage selbst aus Ecken, womit er gar nicht gerechnet hat. Aber ohne Familie, Freunde und die CDU-Ortsgruppe hätte er es nicht gestemmt. Ein Einzelbewerber ganz alleine schafft das nicht, da ist er sich sicher.

Deutlich entspannter beginnt am Montag sein Arbeitstag in der Gemeindeverwaltung. Die Mitarbeiter lobt er gleich am Morgen, dass trotz der Corona-Beschränkungen alles professionell ablief. „Die Bürgermeisterwahl ist ein einschneidendes Ereignis. Eine so direkte Willensbildung der Bürger gibt es kaum woanders“, erklärt er.

Bessere Streitkultur fördern

Der Wahlkampf war eine anstrengende Zeit. Jörg Funda lernte dabei auch viele neue Leute kennen. „Das hat es so spannend gemacht“, sagt er. Umso tiefer getroffen haben ihn die persönlichen Angriffe gegen ihn. Und dass die Erlebniswelt Krauschwitz mit hineingezogen wurde, deren Geschäftsführer er noch ist. „Das ist sehr schade. Dabei wurden tiefe Gräben aufgerissen. Die Bürger hier haben das nicht verdient“, erklärt der neue Bürgermeister. Er möchte das gar nicht so sehr Mathias Lampe anlasten, viel mehr den Protagonisten der AfD, die hinter ihm standen.

Dass sich überhaupt ein zweiter Kandidat fand und somit die Bürger eine Wahl hatten, rechnet er dem Gegenkandidaten an. „Er hat Menschen mobilisiert, die sich sonst womöglich nicht mit Kommunalpolitik befasst hätten. Dafür bin ich ihm dankbar“, räumt er ein. Jetzt sei es wichtig, dieses Interesse aufzugreifen. Das heißt für Jörg Funda auch, „die Gräben zu schließen, die andere aufgerissen haben.“ Dafür sei er sich nicht zu schade. Er wünscht sich sehr, „dass man beim nächsten Dorffest zusammen ein Bier trinken kann“.

Jörg Funda an seinem ersten Arbeitstag als neugewählter Bürgermeister. Vereidigt wird er erst Anfang Januar.
Jörg Funda an seinem ersten Arbeitstag als neugewählter Bürgermeister. Vereidigt wird er erst Anfang Januar. © Constante Knappe

Jörg Funda freut sich auf seine neue Aufgabe als Bürgermeister. Nachdem er bereits drei Monate als Amtsverweser die Geschicke der Gemeinde Schleife geleitet und einiges angeschoben hat, könne man jetzt richtig Gas geben. Eine bessere Streitkultur strebt er an, um den Ärgerfaktor zu minimieren. Und eine aktivere Mitwirkung der Räte stellt er sich vor. Wie die aussehen könnte, das wird er sicher gleich heute Abend im Gemeinderat erklären. Eigentlich wollte er bei einem Kurzurlaub mit seiner Frau an der Ostsee neue Kraft tanken. Doch das ist gestrichen.

So wurde gewählt

In der Gemeinde Schleife insgesamt: Von 2.062 Wahlberechtigten haben 1.447 gewählt, was einer Wahlbeteiligung von 70,24 Prozent entspricht. Abgestimmt wurde: 971 für Funda, 447 für Lampe, 29 ungültig

Wahlbezirk Schleife: Von 1.530 Wahlberechtigten haben 851 gewählt: 531 für Funda, 299 für Lampe, 21 ungültig

Wahlbezirk Rohne: 354 Wahlberechtigte, 213 wählten: 170 Stimmen für Funda, 41 für Lampe, 2 ungültig

Wahlbezirk Mulkwitz: 178 Wahlberechtigten, 102 wählten: 57 für Funda, 43 für Lampe, 2 ungültig

Briefwahl: 281 Briefwähler: 213 für Funda, 64 für Lampe, 4 ungültig

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