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Keine Gefahr der Klinikschließung in Weißwasser

Diese Expertenmeinung ist die gute Nachricht. Doch Covid-19 hat die Region im Griff. Normalität gibt es für Patienten und Medizinpersonal nicht.

Symbolfoto
Symbolfoto ©  André Schulze (Archiv)

Weißwasser. Startende und landende Rettungsflieger sowie Rettungswagen mit Sirene und Blaulicht gehören seit zwei Wochen zum Alltag in und um Weißwasser. Hier, im Norden des Landkreises Görlitz, explodierten die Zahlen der durch Corona erkrankten oder in Quarantäne befindlichen Menschen. Eine Trendwende ist noch nicht in Sicht. Umso dramatischer ist es, dass inzwischen ein Großteil des Klinikpersonals – die Palette reicht von Schwestern bis Ärzten – und des DRK-Rettungsdienstes selbst erkrankt und ausgefallen sind. Gründe sind Corona, andere Krankheiten, Dauerbelastung durch die Pandemie.

Noch Dienstag dieser Woche waren, wie TAGEBLATT aus Insiderkreisen erfuhr, 65 Krankenhaus-Mitarbeiter in Weißwasser krank gemeldet. Auch beim DRK-Rettungsdienst fehlte etwa ein Drittel der Mitarbeiter. Die Folge: Zeitweise waren nur ein bis zwei Rettungswagen (RTW) zwischen Boxberg, Weißwasser bis Neißedörfer und Bad Muskau einsatzbereit. Inzwischen sind wieder alle vier RTW verfügbar. Auch, weil Kollegen die Dienste übernehmen. Kreisweit in Voralarm versetzt ist zudem der Katastrophenschutz, um die Lebensretter zu unterstützen und die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Jens Schiffner, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst bei der Kreisverwaltung Görlitz, bestätigt gegenüber TAGEBLATT, dass etwa 40 Prozent der Angestellten durch Corona-Infektion oder Quarantäne ausgefallen sind. „Uns ist klar, dass bei Rettungsdienst und im Krankenhaus das Personal an der Leistungsgrenze ist. Das lässt auch uns als Kreisverwaltung keine Ruhe, weshalb wir stetig nach Lösungen suchen.“
Um die Klinik angesichts des hohen Krankenstandes überhaupt am Laufen zu halten, ist die Chirurgie längst geschlossen, werden nur Not-OPs gemacht. Auch Funktionsdiagnostik wie Röntgen, CT, Ultraschall und andere Krankenhaus-Leistungen erfolgen nicht mehr oder nur in absoluten Notfällen. So freigewordenes Personal wie Anästhesieschwestern, Chirurgen, OP-Schwestern unterstützt nun das Stationspersonal im Kampf gegen Corona.

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Können noch mehr Helfer kommen?

Dies gilt auch für Helfer von der Bundeswehr. Seit 12. November sind 100 SoldatInnen des Kommandos Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung aus Berlin und Weißenfels in den fünf Krankenhäusern im Landkreis Görlitz im Einsatz. Die Hilfeleistung der Bundeswehr ist zunächst befristet bis 9. Dezember 2020. Durch den Landkreis Görlitz wurde bereits ein Antrag auf Verlängerung bis 31. Januar 2021 und eine Aufstockung auf 120 Helfer beantragt. Wann und ob dem entsprochen wird, kann Schiffner nicht einschätzen. Mit eingeplant sei, wenn es dazu kommt und weiter Bedarf bestehe, der Einsatz in kreislichen Pflegeeinrichtungen sowie im Kreiskrankenhaus Weißwasser. Hier unterstützen aktuell eine Pflegefachkraft, fünf Pflegehilfskräfte und drei helfende Hände der Bundeswehr das Stationspersonal. „Außerdem wird sich die Personallage in Weißwasser entspannen, da immer wieder symptomfreie Kontaktpersonen wie Ärzte und Schwestern, die keine Ansteckungsgefahr mehr sind, nach sieben Tagen Quarantäne arbeiten kommen.“ Schiffner sieht daher „Licht am Ende des Tunnels“ und keine Gefahr einer kompletten Schließung der Weißwasseraner Klinik, an der schon lange keine RTW mehr halten. Notaufnahme-Patienten werden gleich in umliegende Krankenhäuser wie Spremberg und Cottbus gebracht. Behandelt werden in Weißwasser aktuell nur noch Covid-19-Patienten.

Das ist nicht ganz die Wahrheit. Es arbeiten auch noch Geburtenstation und Kinderklinik. Laut Schiffner sei es Ziel, diese über die Fest- und Feiertage und darüber hinaus arbeitsfähig zu erhalten. Doch auch dies ist ungewiss. Schon im Vorjahr war der Kreißsaal wegen Personalmangel durch Urlaub und Krankheit dicht. Im Pandemiejahr, wo zudem manche Fachkraft – früher als geplant – Urlaub zur Kinderbetreuung in den Weihnachtsferien nehmen muss, dürfte Offenhalten noch schwerer werden. Und, auch das ist ein Fakt, der Kreis ist inzwischen ebenfalls Noro-Virus-Hotspot. „Auch das haben wir der sächsischen Sozialministerin mitgeteilt und um Hilfe gebeten“, erklärt Jens Schiffner.

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Konkret gehe es darum, in Kliniken in und außerhalb des Landkreises zusätzliche Betten und Personal zu binden für Intensiv- und Notaufnahmepatienten, aber auch für Influenza-Fälle sowie zur Behandlung witterungsbedingter Unfälle, die zur aktuellen Lage erschwerend hinzukommen. Laut Schiffner sei dies möglich, indem auch die Orthopädische Klinik Rothenburg und das Emmaus-Krankenhaus Niesky ihr Leistungsspektrum minimieren, OPs verschieben, Patienten anderer Häuser aufnehmen. Anweisen kann der Kreis es nicht, da sie nicht in kommunaler Trägerschaft sind. Dies kann nur die Landesregierung.

Gefordert und erhofft wird im Kreis und in Weißwasser von der Kassenärztlichen Vereinigung zudem ein zusätzlicher Bereitschaftsdienst für die Feiertage.

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