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Klittener Teichwirt übergibt sein Lebenswerk

Nach 30 Jahren ist für Dietmar Bergmann im Jubiläumsjahr Schluss. Mit seinem Nachfolger übernimmt ein erfahrener Berufsfischer den Betrieb.

Von Constanze Knappe
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Situation wie diese gehörten nicht zu den Sternstunden in Dietmar Bergmanns langem Berufsleben als Teichwirt: Im August musste der Biartsch-Teich wegen der akuten Trockenheit notabgefischt werden.
Situation wie diese gehörten nicht zu den Sternstunden in Dietmar Bergmanns langem Berufsleben als Teichwirt: Im August musste der Biartsch-Teich wegen der akuten Trockenheit notabgefischt werden. © Joachim Rehle

Auf das Abfischen bereitet man sich jetzt in der Teichwirtschaft Klitten vor. Das beliebte Schaufischen mit dem Fischerfest wird es aber auch 2022 und damit zum dritten Mal in Folge nicht geben. In den beiden Vorjahren war es wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. Der Grund diesmal ist eigentlich ein sehr erfreulicher: Seit dem 1. September hat Dietmar Bergmann für sein Unternehmen einen Nachfolger, die Teichwirtschaft Klitten damit einen neuen Inhaber. Alles, was mit dem Betriebsübergang zusammenhängt, sei aber sehr umfangreich. „Man sieht die Ergebnisse erst beim Abfischen. Man kann sie eben nicht wie die zehn Sack Mehl bei der Inventur in einer Bäckerei einfach abzählen“, erklärt er. Deshalb sei für seinen Nachfolger vorerst nicht ans Schaufischen zu denken. Künftig soll es das aber wieder geben.

Teiche nur noch halbvoll

Wegen der großen Trockenheit mussten der Biartsch-Teich und zwei weitere kleine Teiche im August notabgefischt werden. Bei der Wärme sei es ein Problem gewesen, die empfindlichen Fische ’rauszukriegen, um sie in andere Teiche umzusetzen, erzählt Dieter Bergmann. Da die Teiche nicht über einen Vorfluter verfügen, sei man auf Niederschläge angewiesen. „Aber so richtig geregnet hat es hier zum letzten Mal im März“, sagt er. Und, dass die Schauer, die es danach immer mal gab, nicht viel genutzt hätten. Auch der Regen im September habe nicht allzu viel gebracht. Dafür sei die Natur viel zu ausgedörrt. Seit fünf Jahren am Stück macht die extreme Trockenheit den Fischereibetrieben in der nördlichen Oberlausitz zu schaffen. Zwar habe es im vorigen Jahr mal „ein bissel mehr Wasser“ gegeben, am Grundproblem habe sich damit aber nichts geändert. Auch nicht an den tierischen Räubern, die sich nach Lust und Laune an den Fischbeständen bedienen. Aktuell seien die Teiche nur noch zur Hälfte, einige sogar nur noch zu einem Viertel gefüllt. Mit sinkendem Wasserstand geht den Fischen der Lebensraum verloren, auch habe man das Füttern einstellen müssen. Beides führt dazu, dass die Fische langsamer und weniger wachsen. Dietmar Bergmann rechnet für 2022 mit einem Drittel weniger Erträge.

Noch im September werden die kleineren Teiche abgefischt, im Oktober folgen dann die großen. Er freut sich, dass die Temperaturen jetzt sinken. „Tagsüber zehn Grad Celsius sind optimal“, sagt er. Bei Nachttemperaturen von drei bis vier Grad Celsius im Oktober fahren die Fische ihren Kreislauf runter; sie sammeln sich in einer Grube und lassen sich beim Abfischen leichter sortieren. Warmes Wasser hingegen würde schnell zu akutem Sauerstoffmangel bei den Fischen führen, zudem verteilen sie sich über die gesamte Fläche der Teiche und sind dann wesentlich schwerer abzufischen. Rausgeholt werden vor allem Karpfen, ebenso Hechte, Welse, aber auch Barsche und Forellen sowie ab und zu Zander. Wobei letzteres 2022 eher selten passiert, weil diese Fischart sehr empfindlich auf das Absinken des Sauerstoffgehalts reagiert. Verkauft werden die Fische an den Großhandel und im eigenen Hofladen.

Dietmar Bergmann ist mit Leib und Seele Fischer. 1992 hatte er die Teichwirtschaft Klitten übernommen. Mittlerweile 67-jährig hätte er sich längst zur Ruhe setzen können. „Aber man kann eine Teichwirtschaft nicht einfach abstellen, wie man eine alte Schmiede zuschließt“, das hatte er 2020 im Gespräch mit TAGEBLATT erklärt. Und dabei auch angekündigt, dass er noch bis zum 30-jährigen Bestehen 2022 weitermachen wolle. Gern hätte er es gesehen, dass sein Sohn den Betrieb übernimmt. Doch der hatte andere Pläne.

Bewerber sogar aus Bayern

Offenbar sprach es sich herum, dass die Teiche bei Klitten zu haben wären. Anfragen kamen sogar aus Bayern. Unter den Interessenten waren einige, die als Hobbyfischer nur zwei oder drei Teiche haben wollten. Diese Bewerber schloss Bergmann gleich von vornherein aus. Es sei sein Bestreben gewesen, dass ein Berufsfischer die Teichwirtschaft Klitten als Ganzes übernimmt. In den kleinen Teichen werden Satzfische gezogen, in den großen Teichen wachsen die Speisefische heran. Zudem werden die Karpfen in einer eigenen Brutanlage selber reproduziert. Der Betrieb bewirtschaftet 27 Teiche mit einer Fläche von insgesamt 270 Hektar. „Zerstückeln geht nicht. Das hat auch etwas mit der Wasserführung zu tun“, betont er.

Neuer Inhaber ist Gunther Ermisch, der in der Nähe von Neustadt/Sachsen eine Lachs- und Forellenzucht betreibt. Den 1994 gegründeten Betrieb übernahm er 1999 von seinem Vater. Ganz fremd ist Ermisch die Fischwirtschaft in der nördlichen Oberlausitz nicht: Seit 2017 bewirtschaftet er die Talsperre Quitzdorf in der Nähe von Niesky. Man habe sich ein paarmal getroffen, sagt Bergmann. Und, dass er froh ist, seinen Betrieb in den erfahrenen Händen eines Fischwirtschaftsmeisters zu wissen. Beiden war klar, dass der 1. September zwar offiziell für den Inhaberwechsel steht, der Übergang aber nicht von einem Tag auf den anderen zu machen sei.

Rückzug langsam, aber sicher

Eine Weile wird Dietmar Bergmann der Teichwirtschaft Klitten noch erhalten bleiben; sozusagen als Berater dem neuen Inhaber zur Seite stehen. Es brauche nun mal ganz viel Erfahrung – etwa, wie weit man das Wasser beim Abfischen ablassen darf. Das sei in jedem Teich anders. Das gelte ebenso fürs Wiederbesetzen. „So langsam, aber sicher“ will sich Bergmann aus dem Geschäft zurückziehen. Noch wisse er aber nicht, wann definitiv sein letzter Tag sein wird. Er merke, dass die Kräfte nachlassen. Fischer sei ja nun mal kein leichter Beruf. Bei Wind und Wetter draußen zu sein – das hat ihm aber nie etwas ausgemacht. Zwar sei er in Gedanken noch mitten drin im Geschäft, aber langsam überwiege die Freude, dass er loslassen kann. Langweilig werde es ihm danach bestimmt nicht. Auch zu Hause gebe es genug zu tun, sagt Dietmar Bergmann. Zudem wäre auch mal Urlaub angebracht. Länger als eine Woche konnte er im laufenden Betrieb nie wegbleiben.

Eine von seinen zwei Mitarbeitern, eine ausgebildete Fischerin, wurde übernommen. Sie kümmert sich auch um den Hofladen. Dieser ist wegen des Inhaberwechsels vorerst nur freitags geöffnet.

Teichwirtschaft Klitten, Dürrbacher Straße 351, Boxberg/Ortsteil Jahmen, 1 035895 50409. Hofladen im September jeweils freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

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