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Krauschwitz macht Weg für Jugendtreff frei

In die Ex-Kantine der Keulahütte wollen drei Vereine einziehen. Zuvor müssen rund 400.000 Euro investiert werden.

Hier, in dieser Altbau-Baracke, ist der SV Stahl Krauschwitz ansässig und Pächter. Bisher bemühte sich der Verein erfolglos um den Kauf der Immobilie.
Hier, in dieser Altbau-Baracke, ist der SV Stahl Krauschwitz ansässig und Pächter. Bisher bemühte sich der Verein erfolglos um den Kauf der Immobilie. © Sabine Larbig

Unbelebt ist das unterkellerte, zweigeschossige, barackenartige Gebäude des SV Stahl Krauschwitz, das neben Apotheke und Ärztehaus im Ortskern von Krauschwitz steht, nicht. Auch wenn es seit Corona den Anschein hat, weil dadurch Sport in geschlossenen Räumen längst nicht mehr möglich ist. Auch gefeiert wurde anlässlich 70 Jahre Stahl Krauschwitz, des Vereins, der in der einstigen Kantine der Keulahütte sein Domizil hat, im Januar 2021 nicht. Doch hinter den Kulissen tut sich viel für den betagten Altbau.

„Unser Ziel ist ein Vereinshaus und Jugendtreff“, erklärte Bürgermeister Tristan Mühl jüngst im Gemeinderat, als die Vergabe von Planungsleistungen für den nötigen Um- und Ausbau auf dem Plan stand. Beschlossen wurde die Vergabe nicht, weil das Gremium nicht beschlussfähig war. Am Vorhaben, dass künftig der Verein Stahl Krauschwitz, der örtliche Motorsport-Verein und der Verein „Pro Kind“ unter einem Dach die Sport- und Jugendarbeit im Ort beleben sollen, ändert das nichts.

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Finanzierungsantrag ist gestellt

„Wir haben mit allen Vereinen das Objekt angeschaut und alle wollen einziehen, weshalb die Gemeinde nun eine Kooperationsvereinbarung erarbeitet“, erläuterte Mühl. Wie er weiter erklärte, sei es eines von vier eingereichten Krauschwitzer Projekten, die mit Hilfe von Fördermitteln aus dem Strukturwandelfonds möglich werden sollen. Immerhin kosten Immobilienerwerb, Umbau und Sanierung rund 400.000 Euro. Da es beim Vereinshaus bislang keine Absage des Fördermittelgebers, Nachfragen oder Aufforderung zur Nachreichung von Unterlagen gäbe, sieht der Bürgermeister darin „gute Zeichen“ für ein Gelingen.

Um ans Geld zu gelangen und das Vorhaben umsetzen zu können, muss dem Fördermittelgeber ein Entwurf für Raumstruktur und Nutzung vorgelegt werden. Dafür ist es nötig, die ersten drei Leistungsphasen der Gebäudeplanung zu beauftragen. Dies soll der Gemeinderat nun im April beschließen. Zustimmen soll er auch (weil die Honorargesamtkosten von rund 45.000 Euro noch nicht im Gemeindehaushalt 2021/22 eingestellt sind), dass die Planungen stufenweise vergeben werden.

Eigentümer geht Kompromiss ein

Indes ist man bei Stahl Krauschwitz froh, dass endlich Bewegung in Sachen Vereinsgebäude kommt. Schon lange hatte sich der Verein als Pächter beim einstigen Eigentümer der Keulahütte, der VEM Holding GmbH, um einen Kauf der Immobilie bemüht. Zuletzt aus Sorge, irgendwann kein Domizil mehr zu haben. Denn der seit zwei Jahren neue Eigentümer der Keulahütte, die Schweizer KHK Casting AG, erwarb nicht alle Grundstücke. Dazu zählen, laut Gemeinderat Mario Mackowiak, der sich bei der Suche nach Lösungen für den Objekterwerb als Mittler zwischen VEM Holding, Verein und Gemeinde engagiert, die ehemalige „Hüttenbaude“ ebenso wie Wald- und andere Flächen, Außengrundstücke oder Kiesgrube. All dies steht über die VEM-Holding zum Verkauf. „Wir müssen einen Kompromiss finden, um mit Verkäufer, Pächter und Gemeinde einen Dreisprung hinzubekommen“, erklärte Mackowiak noch im Spätherbst vorigen Jahres.

Der Kompromiss ist inzwischen gelungen – vorausgesetzt, die Strukturmittel fließen. Noch sind alle optimistisch. Stahl Krauschwitz, weil die mitgliederstärkste Abteilung Tischtennis im sanierten Gebäude ihre Trainingsräume behalten kann und der Gesamtverein eine Zukunft hat, wie Vereinschef Dieter Tillack sagt. Schon zu DDR-Zeiten hatten die Großfeldhandballer aus Krauschwitz einen Ruf. Es gibt diese Sektion mit Frauen- und Männer-Bereich bei Stahl noch immer, obgleich heute in Kooperation mit Vereinen in Schleife und Bad Muskau. In der Parkstadt wird Handball sogar im Rahmen des Ganztagsangebots von Krauschwitz angeboten. An der Grundschule Sagar leitet Horst Baum von der einstigen Sektion Schach ein Schach-Ganztagsangebot. Zwei Frauen-Übungsgruppen der Abteilung Gymnastik, die in der Krauschwitzer Oberschule trainieren, gehören ebenfalls zum Verein.

Schrauberwerkstatt ist geplant

Noch ist hier nur der Eingang zum Vereinsgebäude von Stahl Krauschwitz. Klappt die Sanierung, werden in der einstigen Kantine der Keulahütte drei Vereine aktiv sein.
Noch ist hier nur der Eingang zum Vereinsgebäude von Stahl Krauschwitz. Klappt die Sanierung, werden in der einstigen Kantine der Keulahütte drei Vereine aktiv sein. © Sabine Larbig

Alles Gründe genug für eine Sanierung und Weiternutzung des Vereinsgebäudes.Nun wollen überdies die örtlichen Motorsportler, die ihr Motocross-Gelände in der Kiesgrube Krauschwitz haben, mit ins Vereinshaus einziehen. Im Zuge des Umbaus sollen sie sogar eine „Schrauber-Werkstatt“ erhalten, wodurch die Motorsportler erstmals mitten im Ort mit interessierten Kinder und Jugendlichen arbeiten könnten. Klare Vorstellungen für Vereinshaus und Jugendtreff hat ebenfalls der Verein „Pro Kind“, der dritte Nutzer im Bunde. Wie Monika Prinz, Vereinsmitglied und Gemeinderätin, erklärt, plane man in Kooperation und Zusammenarbeit mit dem Soziokulturellen Zentrum Telux in Weißwasser öffentliche Veranstaltungen, Freizeitangebote und mehr für und mit Jugendlichen.

„Das gibt es in Krauschwitz bisher nicht, weshalb es schon viele Bürgerbeschwerden bezüglich sich irgendwo treffender und feiernder Jugendlichen gibt. Außerdem hätten wir als Verein endlich auch einen festen Sitz.“ Kein Wunder, dass auch Bürgermeister Tristan Mühl vom Projekt schwärmt. „Wenn das Gebäude in der Geschwister-Scholl-Straße saniert und umgebaut ist, bietet es Chancen für weitere Vorhaben, Freizeitangebote und Konzepte, die Vereine über andere Förderprogramme umsetzen können.“

Objekt-Entwicklung im Fokus

Angesicht der Investitionskosten war Tristan Mühl ebenfalls die Objektauslastung wichtig. „Ich bin froh, dass es klappte, dass die Vereine zusammenrücken und sich im Ortskern gemeinsam ansiedeln.“In der jüngsten Ratssitzung wurde noch ein Aspekt angesprochen, der ins Konzept passt: ein Angebot für Mountainbiker. Das fehle im Ort, erklärte Gemeinderätin Heike Krahl, weshalb immer mehr Kinder und Jugendliche das Gelände der Abenteuer Gletscherwelt dafür nutzen.

Doch dort untersagt die Spielplatzordnung aus Sicherheitsgründen Radfahren jeder Art. „Vielleicht gibt es für die Kids eine Chance über den Motorsportclub?“, fragte Krahl. Ortschef Mühl versprach, selbst mit den Kids, dem Verein und dem Technischem Ausschuss zu reden. „Vielleicht gibt es auf der Crossstrecke die Möglichkeit für einen Rundkurs und in der künftigen Werkstatt sogar für Rad-Reparaturen“, äußerte Tristan Mühl eine spontane Überlegung.

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