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Weißwasser

Krötenwanderung in Uhyst beginnt

Ob der nasskalte Winter eine leichte Besserung für die Bestände der Frösche und Amphibien bringt, wird sich erst im nächsten Jahr zeigen.

Zusammengenommen 680 Meter Krötenzäune sollen links und rechts der B156 bei Uhyst Amphibien davor schützen, auf dem Weg zum Romanikteich überfahren zu werden. Die Auffangeimer werden noch eingegraben.
Zusammengenommen 680 Meter Krötenzäune sollen links und rechts der B156 bei Uhyst Amphibien davor schützen, auf dem Weg zum Romanikteich überfahren zu werden. Die Auffangeimer werden noch eingegraben. © Constanze Knappe

Uhyst. Noch lässt der Winter seine letzten Muskeln spielen, dennoch hat die Krötensaison begonnen. Um Amphibien und Frösche auf ihren Wegen in die Laichgewässer zu schützen, haben auch in diesem Jahr Mitarbeiter der Naturschutzstation Östliche Oberlausitz mit Sitz in Förstgen an stark befahrenen Straßen Krötenzäune aufgestellt – etwa beiderseits der B 156 am Ortsrand von Uhyst. „In den nächsten Tagen werden die Männer noch die Auffangeimer eingraben“, erklärt Geschäftsführerin Annett Hertweck.

Wann die Krötenwanderung tatsächlich beginnt, sei schwer zu sagen. Auch die nächste Woche soll noch kalt werden – mit Minusgraden in der Nacht. Da passiere nicht viel, sagt sie.Wenn es peu à peu wärmer wird, kontrolliert ein Mitarbeiter der Station dann täglich die Zäune in Uhyst, sammelt Frösche und Amphibien ein und trägt sie über die B 156, so dass sie unbeschadet den nahegelegenen Romanikteich erreichen können. Zwar ist nachts auf der Bundesstraße wenig Verkehr, dafür in den frühen Morgenstunden, also gerade zur Krötenwanderung, umso mehr.

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Im vergangenen Jahr waren nahe Uhyst 30 Erdkröten, 114 Knoblauchkröten, sechs Teichfrösche und ein Teichmolch gefunden worden. Die alles in allem 151 Tiere waren so wenige wie seit 20 Jahren nicht mehr. Gleichfalls wenig erfreulich sah das Aufkommen im Boxberger Ortsteil Kaschel aus. Zwar wurden dort mit 3.059 Amphibien die meisten im Zuständigkeitsbereich der Naturschutzstation Förstgen eingesammelt, doch fünf Jahre zuvor waren es an gleicher Stelle mehr als zehnmal so viele.

Seit mehr als 20 Jahren kümmert sich die Naturschutzstation Östliche Oberlausitz, eine Einrichtung des Fördervereins für die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, um geschützte Amphibien. Mittlerweile betreut sie 25 Kilometer Krötenzäune an 23 Standorten in den Landkreisen Görlitz und Bautzen, darunter sind neben Uhyst und Kaschel auch noch die Boxberger Ortsteile Klein Oelsa, Reichwalde, Tauer und Zimpel. Für das Jahr 2020 weist die Statistik der Naturschutzstation insgesamt 14.456 Amphibien und Frösche aus, nur noch halb so viele wie im Jahr davor. Aber sage und schreibe 114.993 Amphibien waren 2015 an den 23 Standorten gezählt worden, was Naturschützer zu der Bezeichnung Kröten-Hotspot veranlasste.

Als ein „alarmierendes Zeichen“ hatte Annett Hertweck die Auswertung 2020 kommentiert. Hauptgrund sei die lange Trockenheit der Vorjahre. Und weil auch 2020 Laichgewässer nur wenig oder gar kein Wasser führten, werden die Zahlen in diesem Jahr nicht viel besser aussehen. Zwar hoffen die Naturschützer auf Besserung infolge von Regen und Schnee des Winters. Aber ob sich dadurch die Bestände der geschützten Amphibien tatsächlich etwas erholen können, wird sich nach Aussage von Annett Hertweck erst bei der Zählung im nächsten Jahr bemerkbar machen. „Die Laichgewässer sind jetzt voll Wasser. Wir können nur hoffen, dass es viele Tiere zum Ablaichen schaffen“, fügt sie hinzu. Um dem dramatischen Rückgang der Amphibien entgegenzusteuern, sei es „wichtig, Feuchtwiesen zu erhalten und das Wasser zurückzuhalten, wo es nur irgend geht“. Dankbar ist die Chefin der Naturschutzstation, dass sich auch 2021 etliche Ehrenamtler um die Zäune kümmern.

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